ETS -Sprit: Noch keine klare Meinung bei IDM-Teams

Von Esther Babel
IDM Superbike
IDM-Tanke

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Seit diesem Jahr wird in der IDM Superbike mit Einheits-Benzin von Hersteller ETS gefahren. Nach den ersten Rennen war die Meinung der Teamchefs eher neutral. Geliefert wird direkt an die Rennstrecke.

Seit dieser Saison muss man nicht mehr den Treibstoff für seine IDM Superbike-Piloten im eigenen Transporter mitschleppen, geliefert wird vor Ort im Fahrerlager der jeweiligen Veranstaltung. ETS ist seit diesem Jahr neuer Serien-Sponsor der IDM und die Teams der Superbike-Klasse sind dazu verpflichtet, dieses Benzin bei den Rennen auch einzusetzen. Die Klassen Supersport 300 und 600 sollen im nächsten Jahr folgen.

Die Meinungen über diesen Deal der IDM-Organisatoren ging bei den Aktiven weit auseinander, da der Rennsprit mit über 4 Euro der Liter doch ein ordentliches Loch in die Kasse reisst. Denn der finanzielle Deal läuft zwischen IDM-Organisator und Benzin-Hersteller. Die Teams müssen das Benzin ganz normal kaufen. Das Geld, das bei der IDM landet dient zur Refinanzierung der Kosten für die Durchführung der Meisterschaft.

Vor allem Teams und Fahrer, die bisher auf handelsüblichen Tankstellen-Sprit für ca. 2 Euro pro Liter setzten, müssen neues Geld für die zusätzlichen Kosten auftreiben. Befürworter des Spit-Deals verweisen vor allem auf die Professionalisierung der Aussendarstellung der Serie, da ETS auch in der MotoGP gefahren wird. ETS hat verschiedene Produkte im Angebot. Widerspruch kommt von den Befürwortern eines freien Wettbewerbs. «Erst Einheitsreifen, jetzt Einheitssprit», zählt einer der Teamchefs auf. «Was kommt als nächstes? Irgendwann sind wir alle gleich?»

Auch nach dem Start der IDM-Saison gehen die Meinungen bei den Teamchefs auseinander.

Werner Daemen

Das Team des Belgiers hat bisher alle Titel für BMW mit seiner Mannschaft geholt. Mit Markus Reiterberger gleich drei Mal, einen mit Erwan Nigon und zuletzt zwei Titel mit Ilya Mikhalchik. Das Team EGS-alpha-Van Zon-BMW hat alle Titel mit Tankstellen-Benzin eingefahren. «Nicht schlecht, nicht gut, neutral», beschreibt Daemen den Effekt des vermeintlich besseren Benzins. «Wir sind es erst einmal mit dem neuen Motor gefahren und haben daher keinen Vergleich. Ehrlich gesagt, merken wir nichts. Aber der Tankstellen-Sprit ist in der Zwischenzeit schon sehr gut. Ausserdem sind das hier Standard-Motoren und nicht extra verdichtet, da braucht mein keinen Rennsprit. Wir hätten über diesen Deal eben gerne gesprochen, um die Balance zu wahren. Wenn man wüsste, okay, das Geld wird gebraucht, um z.B. den Live-Stream zu finanzieren, hätte man darüber reden können.»

Emil Weber

Der Schweizer Teamchef schickt mit Valentin Debise und Nico Thöni gleich zwei Kawasaki-Superbike-Piloten ins Rennen und wird dabei auch von Kawasaki Deutschland unterstützt.
«Ich kann es nicht sagen, ob das Benzin Vorteile bringt. Ich schätze, dass es beim Superbike kein großer Vorteil sein wird. Allerdings sind wir schon letztes Jahr mit Rennbenzin von Elf gefahren, daher ändert sich für uns von den Kosten her nichts. Schlechter ist das ETS-Benzin nicht. Von der Erfahrung her, sollte es schon besser gehen, als Tankstellen-Sprit.»

Konrad Hess

Mit Dominic Schmitter hat das Schweizer Yamaha-Team ein heißes Titel-Eisen im Feuer. «Man merkt nicht viel, keinen Leistungs-Effekt. Vom Verbrauch her kann ich es noch nicht so sagen. Ich dachte ursprünglich, dass wir das Benzin nur in den Qualis und den Rennen fahren müssen. Aber wir müssen durchgängig, als auch in den freien Trainings am Freitag, das ETS-Benzin fahren. Das finde ich ehrlich gesagt etwas too much. Ich war ja dann einverstanden mit dem Benzin-Deal und habe auch Verständnis dafür, dass sich die IDM finanzieren muss. Ich hätte es vorgezogen, so einen Deal mit einer externen Firma zu regeln und nicht mit einem Produkt eines unserer potenziellen Lieferanten. Wir würden wenigstens im freien Training gerne normales Benzin fahren.» Das Problem hat sich bei einem Blick in die Regularien inzwischen geklärt. Dort steht, dass das Benzin bei den Zeittrainings, dem Warm-up und den Rennen zu fahren ist. Von der Nutzung im Freien Training steht da nichts.

Karsten Wolf

Das Team GERT 56 ist neu in der IDM Superbike und vertraut mit seiner BMW auf die Fahrkünste von Julian Puffe, Toni Finsterbusch und Lucy Glöckner. «Ich kann eigentlich nichts dazu sagen. Von den technischen Daten her ist nichts anders. Aber wir haben keinen Vergleich, da wir in der Langstrecken-WM mit einem anderen Hersteller gefahren sind. Aktuell würde ich sagen, es ist hat keinen besseren und keinen schlechteren Einfluss auf den Superstock-Motor wie normales Benzin. Es funktioniert genauso wie V-Power. Es gibt bei den Daten keine Ausschläge nach unten oder oben. Bezüglich der Kosten hätten man eher gleich das Nenngeld erhöhen können.»

Axel Adickes

Im Team Bonovo action/MGM Racing sitzen nach dem Titelgwinn 2020 durch Jonas Folger Marc Moser und Philipp Steinmayr auf der Yamaha R1. «Das Benzin bringt weder Vor- noch Nachteile. Wir haben das auf dem Prüfstand getestet. Wir stehen nicht besser oder schlechter da als vorher, außer dass wir jetzt eine Markenbindung haben.»

Denis Hertrampf

Nach der jahrelangen Zusammenarbeit mit Suzuki, wechselte das Team aus Nordhorn nach dem Ausstieg des Herstellers aus der IDM auf Motorräder von Yamaha, pilotiert von Max Schmidt und Vladimir Leonov. «Bis jetzt funktioniert alles. Wir haben das auf dem Prüfstand auch mit V-Power getestet. Das neue Benzin bringt keine Nachteile, außer dass es teurer ist.»

Benny Wilbers

Der Teamchef der BMW-Truppe um Marco Fetz und Florian Alt kann sich noch immer nicht für den Sprit-Deal erwärmen. «Das taugt nichts. Wir haben das auf dem Prüfstand auch mit V-Power nachgewiesen. Durch das neue Benzin haben wir fünf bis sieben PS verloren. Wir haben zwei Tage auf dem Prüfstand gebraucht, um das durch ein neues Mapping wieder hinzubekommen. Ich habe ja als Einziger richtig gegen diesen Benzin-Deal gewettert und sogar Anwälte und das Bundeskartellamt bemüht, denn wettbewerbstechnisch halte ich das für fragwürdig. Denn der Deal blockiert den freien Wettbewerb, wenn ich verpflichtet bin, das Benzin dort zu kaufen. Die zwei Tage auf dem Prüfstand zahlt mir auch keiner, das kostet auch 250 Euro die Stunde. Es ist einfach eine unglückliche Situation.»

Jens Holzhauer

Wie immer vertritt das Team HRP mit Alessandro Polita die Honda-Farben. «Da kann ich noch gar nichts zu sagen. Das fällt bei der Arbeit gerade ein wenig hinten runter. Es funktioniert und wir haben keine Probleme damit. Aber wir müssen mal kontrollieren, ob es besser ist als Tankstellen-Benzin.»

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