Norton: Es kann nicht weitergehen wie zuvor

Von Rolf Lüthi
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Norton sucht qualifizierte Mitarbeiter - ein Zeichen für die Rückkehr zu gloriosen Zeiten?

Norton sucht qualifizierte Mitarbeiter - ein Zeichen für die Rückkehr zu gloriosen Zeiten?

John Russell, Interims-Geschäftsführer von Norton, äussert sich zur Zukunft der Traditionsmarke und zu Kunden, die Motorräder anzahlten und nicht geliefert bekamen.

Nach dem Konkurs von Norton Motorcycles (UK) Ltd. und dem Verkauf an den indischen Hersteller TVS für 16 Mio £ wurde der Brite John Russell zum Interims-CEO ernannt. Nun äusserte sich Russell in Interviews mit englischen Magazinen zur Zukunft von Norton.

Russell begann seine Karriere in der Fahrzeugindustrie bei Land Rover, war Vizepräsident bei Harley-Davidson, wechselte zu London Taxis und arbeitete zuletzt direkt für den indischen Motorradhersteller TVS.

Russell versichert, dass die Norton-Motorräder auch unter der Obhut von TVS weiterhin am bisherigen Standort in Donington/GB gebaut werden sollen. Wie in den Bedingungen für die Übernahme festgehalten, wurde auch die gesamte Belegschaft übernommen. Der Personalbestand soll sogar noch aufgestockt werden, auf der Firmen-Homepage hat Norton derzeit acht Arbeitsstellen ausgeschrieben.

Die Produktion ist allerdings noch nicht wieder angelaufen. Derzeit wird mit Hochdruck daran gearbeitet, zunächst die V4-Norton und danach auch die 650er Modelle wieder zu produzieren. Nicht ganz einfach, haben doch etliche Zulieferer das Vertrauen in Norton verloren oder gar noch offene Rechnungen bei der liquidierten Norton Motorcycles (UK) Ltd von Vorbesitzer Stuart Garner.

Russell will die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen: Die Motorräder sollen binnen der üblicher Frist geliefert werden, dazu ausgereift und zuverlässig sein. Als weitere Erschwernis müssen neue Modelle nach Euro 5 homologiert werden.

Grundsätzlich ist eine Rückkehr zur Manufaktur-Produktion, wie sie Norton vor dem Bankrott betrieb, rein rechnerisch unmöglich. Nach realistischen Schätzungen stellte Norton damals etwas mehr als ein Motorrad pro Woche fertig. In den Altlasten finden sich 466 Kunden, die eine Norton angezahlt oder gar vollumfänglich bezahlt, aber noch kein Motorrad erhalten haben. Bei gleicher Produktionskadenz würde es mehr als zehn Jahre dauern, um nur schon diese Kunden zu beliefern.

Nachdem er sich einen Überblick über die Geldflüsse verschafft hat, ist Russell der Meinung, dass diese tiefe Produktionsfrequenz fehlender Liquidität geschuldet war. Der vormalige Norton-Besitzer Stuart Garner war permanent damit beschäftigt, irgendwie Geld zusammenzukratzen. Wenn etwas Geld in der Kasse war, konnte man wieder einige Motorräder fertig stellen und ausliefern. Viel Geld in die Kasse kam dadurch nicht, weil die ausgelieferten Motorräder schon gänzlich oder teilweise bezahlt waren.

Wenn genug Kapital zur Verfügung stünde, könnten im Norton-Werk in Donington mit dem bestehenden Personal ein Mehrfaches an Motorrädern gebaut werden. Konkret konnte Russell zur Wiederaufnahme der Produktion kein Datum oder keinen Zeitraum nennen. Noch vager sind seine Aussagen zu einem Wiedereinstieg in den Rennsport.

Wie nun mit den erwähnten 466 Bestellungen verfahren wird, ist weiterhin offen. Juristisch könnten Norton und TVS jede Verpflichtung gegenüber diesen Kunden in Abrede stellen, da diese Altlast mit dem Kauf nicht übernommen wurde. Russell stellt jedoch in Aussicht, dass man sich mit diesen Käufern einigen wolle, damit Nortons Image nicht noch weiter beschädigt wird. Was das heisst, wird sich zeigen, wenn Norton wieder Motorräder baut.

Gleiches gilt fürs Händlernetz: das Vertrauen muss sich Norton erst mühsam wieder erarbeiten. Sowieso kommen als Norton-Vertreter in den nächsten Jahren nur Multimarken-Händler in Frage.

Eine dritte Baustelle sind Garantiefälle an den noch von Norton Motorcycle (UK) Ltd. gebauten und ausgelieferten Maschinen. Auch da besteht rechtlich keine Verpflichtung von Norton oder TVS. Die happigsten Defekte betreffen gerissene Alurahmen an den V4-Motorrädern. Da stellte sich mittlerweile heraus, dass Norton entgegen aller Ratschläge der Lieferanten zu wenig belastbare Alurohre verbaute, weil diese weniger kosteten als geeignete, hochwertigere Rohre.

Zu allem Überfluss wird der Name Norton wegen Vorbesitzer Garner mit einen Pensionskassen-Betrug in Verbindung gebracht. Es wird Zeit und Anstrengung kosten, bis die Leute Norton wieder als seriöse Marke mit grandioser Vergangenheit wahrnehmen.

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