Stephan Katt: Löwenzahn stechen statt Rennen fahren

Von Rudi Hagen
Langbahn-GP
Stephan Katt, fein herausgeputzt im heimischen Garten

Stephan Katt, fein herausgeputzt im heimischen Garten

Stephan Katt ist einer von vier Deutschen, die permanent im Langbahn-GP 2020 fahren sollten. Zur Zeit ist allerdings kein Rennsport möglich.

2018 wurde Stephan Katt nach einer beispiellosen Pechserie auf der Bahn ausgebremst, so dass er sich nicht für die Langbahn-Weltmeisterschaft 2019 qualifizieren konnte. Wer den heute 40-jährigen Schleswig-Holsteiner jedoch schon vorzeitig abschreiben wollte, der hatte sich gehörig getäuscht.

Der von seinen Fans liebevoll «Catman» genannte Bahnsport-Profi zeigte Rückgrat und Beharrlichkeit und kämpfte sich in der vergangenen Saison mit prima Rennleistungen wieder steil nach oben. Die Krönung war der Sieg beim WM-Challenge in Scheeßel, womit er sich als Permanent-Starter für den Langbahn-GP 2020 qualifizieren konnte.

Bekanntermaßen trat mittlerweile ein Virus namens SARS-CoV-2 seinen zweifelhaften Siegeszug um die ganze Welt an und tut es noch. Auch Stephan Katt hat unter den Beschränkungen der Covid-19-Pandemie zu leiden. SPEEDWEEK.com sprach mit dem Neuwittenbeker.

Na, Stephan, alles klar bei dir? Was machst du gerade?

Danke der Nachfrage, mir geht es gesundheitlich gut und ich versuche das Beste aus der jetzigen Situation zu machen. Du wirst es nicht glauben, ich komme gerade aus meinem Garten, wo ich momentan ganz viel Zeit verbringe. Ich wohne jetzt seit zwölf Jahren hier und habe nie soviel Zeit im Garten verbracht wie jetzt. Dazu gehört auch das Stechen von Löwenzahn, damit der Rasen schöner aussieht.

Löwenzahn stechen statt Rennen fahren, das hört sich mal nach Kleingarten-Idylle an.

Ach quatsch, das ist einfach nur gut für das Gemüt. Die Motorräder sind längst fertig und warten wie ich darauf, dass es irgendwann wieder losgeht mit den Rennen. Aber im Augenblick ist die Situation so wie sie ist und das müssen wir alle akzeptieren. Natürlich hocke ich nicht nur im Garten herum, sondern ich arbeite auch um etwas Geld zu verdienen, denn sonst würde es eng.

Und was machst du?

Glücklicherweise kann ich mit meinem besten Freund zusammen arbeiten und zwar im Bereich Fassadenbau. Zur Zeit sind wir am Uniklinikum Kiel beschäftigt. Und ich muss sagen, auf dem Bau läuft alles wie immer. Da merkt man nichts von irgendwelchen Beschränkungen oder Überprüfungen.

Bei wem bist du angestellt?

Ich bin seit Februar selbstständig auf dem Bau, das ist mein zweites Gewerbe neben dem Rennsport. In der jetzigen Zeit muss man flexibel sein. In der Nachbarschaft von mir gibt es einen Erdbeerhof, da würde ich auch hingehen und Erdbeeren pflücken, wenn es nötig wäre. Warum auch nicht, das bringt dann auch etwas Geld ein.

Kannst du jetzt schlecht schlafen?

Gerade heraus gesagt, ja. Weil die jetzige Situation ungewohnt ist und weil ich mir Sorgen mache. Ich bin seit 2002 Bahnsport-Profi. Von Anfang Frühjahr bis in den Oktober hinein kenne es ich es nur, am Wochenende früh aufzustehen, Rennen zu fahren und in der Woche die Motorräder wieder für den nächsten Termin fertig machen. Jetzt ist alles völlig anders. Man will es irgendwie nicht wahrhaben, aber im Hinterkopf ist es da und rührt in einem herum. Meine Freundin hat kürzlich beim Frühstück vorgeschlagen, zu Pfingsten mal in ihre alte Heimat zu fahren, an die Mecklenburgische Seenplatte. Oh weia, da hat es mich innerlich geschüttelt und sie konnte anfangs nicht verstehen, warum ich so vor mich hin gegrummelt habe. Zu Pfingsten war ich immer beim Bergringrennen in Teterow. Das schmerzt jetzt.

Meinst du, es wird in dieser Saison noch einmal gefahren?

Schwierig voraus zu sehen. Meine Mopeds sind fertig und wenn es losgehen sollte, bin ich bereit. Ich freue mich tierisch über die Sponsoren, die ich bisher hatte und die ich im Winter dazu bekommen habe, die mich unterstützen und mir geholfen haben, das neue Material aufzubauen. Wie ich gehört habe, könnte es bald wieder die ein oder andere Trainingsmöglichkeit geben. Schön und gut, besser als nichts, aber mir würde der Fight mit den Konkurrenten und die Zweikämpfe fehlen.

Wenn bald wieder der Fußball rollen würde, wäre die Ansteckungsgefahr zwischen den Beteiligten doch größer als auf der Bahn, denn hier könntet ihr vielleicht schneller als die eventuell in der Nähe lauernden Viren sein?

Lustige Vorstellung, wir rasen den blöden Viren einfach davon. Im Ernst, bekommen kannst du das Virus überall, heute beim Einkaufen bei Aldi, morgen vielleicht bei Lidl. Alles ist irgendwie kurios.

Ob es im September wieder auf der Bahn losgehen könnte?

Zweibrücken wäre das erste Rennen. Wenn ich mir vorstelle, ich würde da fahren, ich hätte unheimlich Bock zu fahren und zu gewinnen, aber da sind ja auch noch die anderen, denen es genauso ergeht. Es könnte also total heiß hergehen in den einzelnen Läufen. Aber eines wäre wohl gewiss: Wenn es wieder losgehen würde, dann hätten die Veranstalter ein Riesenpublikum, denn die Leute hungern danach. Aber ich glaube eher, dass in dieser Richtung, nämlich im Hinblick auf Sportveranstaltungen und größere Events, dieses Jahr nicht viel passieren wird.

Vielleicht findet ja der letzte Langbahn-GP in Polen statt?

Ja, ich gehe davon aus, dass der Grand Prix in Rzeszów gefahren wird, aber nur, wenn die Maßnahme der 14-tägigen Quarantäne vorbei ist.

Wie wird das Piloten-Feld im GP 2021 aussehen?

Ich denke, dass alle Fahrer von 2020 auch in der kommenden Saison nominiert werden.

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