Jesko Raffin (NTS): «Ich wollte es allen zeigen»

Von Günther Wiesinger
Moto2
Jesko Raffin auf der NTS

Jesko Raffin auf der NTS

Nach der Saison 2017 wurde Jesko Raffin von den GP-Funktionären aus mysteriösen Gründen aus der Moto2-WM verbannt. In den letzten zwei Jahren hat der Schweizer bewiesen: Er hat WM-Format.

Der Schweizer Jesko Raffin hat sich 2018 mit dem Gewinn der CEV Repsol-Moto2-Europameisterschaft rehabilitiert, nachdem er nach der Saison 2017 vom Selektions-Komitee (FIM, IRTA, Dorna) wegen «mangelnder fahrerischer Kompetenz» in der Moto2-WM nicht mehr akzeptiert wurde – trotz Platz 9 in Misano und Rang 4 auf Phillip Island. Dazu gelang ihm im MotoE-Weltcup 2019 bei Intact immerhin der achte Gesamtrang mit einem vierten Platz in Misano (Lauf 1) als bestem Ergebnis. Und bei seinen Auftritten als Ersatz für Steven Odendaal auf der NTS-Moto2-Maschine beim niederländischen RW Racing Team hielt er auf der japanischen NTS-Maschine meist auf dem Level von Bo Bendsneyder mit.

Nach der Saison 2017 dachte der heute 23-jährige Raffin vorübergehend ans Aufhören. Er entschied sich aber nach einer langen Nachdenkphase zum Weitermachen. «Es ist ja klar, wenn so etwas passiert, dass man zuerst einmal enttäuscht ist und die Motivation und vor allem die Freude daran verliert», sagt der Zürcher. «Denn am Schluss gibt jeder Fahrer alles, was er kann. Jeder trainiert gleich viel, jeder opfert gleich viel. Jeder macht alles für seinen Traum. Deshalb war diese Entscheidung der Selektionäre sehr enttäuschend. Ich habe mich dann neu motoviert, ich wollte es allen zeigen. Ich denke, ich habe das im Jahr darauf mit dem zweiten Moto2-EM-Titel nach 2014 auch geschafft.»

«Auch 2019, als ich erst ein paar Tage vor dem Saisonstart in Doha bei NTS für den verletzten Odendaal eingesprungen bin, habe ich bei den drei Einsätzen zweimal gepunktet. Dabei konnte ich vorher mit der NTS kaum testen», schilderte der Eidgenosse, der jetzt neben Tom Lüthi der einzige Schweizer Moto2-WM-Pilot ist, nachdem Mulhauser, Krummenacher und Aegerter ausgemustert wurden. «Dabei fuhr ich ein Bike, von dem ich vor dem ersten Training in Katar keine Ahnung hatte, wie es sich anfühlt. Ich habe mir inzwischen wieder einen Platz im WM-Feld verdient. Mein Ziel war es 2017, einfach nicht aufzugeben, weil ich bis dahin schon so viel für meinen Traum gearbeitet und gemacht habe, wir hatten auch viel Geld investiert. Deshalb kam es nicht in Frage, nach 2017 das Handtuch zu werfen.»

Trotzdem machte Raffin vor der Saison 2018 eine Ausbildung. «Das war kein Plan B, sondern ich habe für mich selbst entschieden, dass ich neben dem Motorradfahren noch etwas brauche, das meine Gehirnzellen aktiviert. Nur Motorradfahren macht nicht klug. Ich brauchte etwas, ich will das nicht als Hobby bezeichnen, es diente eher der Weiterbildung, um mein Wissen zu erweitern und als Mensch eine neue Aufgabe zu haben. Ich habe mich zum Fitnesscoach ausbilden lassen, weil mich der Sport insgesamt interessiert. Deshalb habe ich diese Schule absolviert.»

Raffin erlebt während der Saison 2017 auch in der Familie stürmische Zeiten, die seine Performance beeinträchtigten. Die Eltern liessen sich scheiden, es entstand ein unerbittlicher Rosenkrieg, Papa Raffin wurde von seiner Ex-Frau angezeigt und musste vier Monate in Untersuchungshaft gesteckt, ehe er freigesprochen wurde. Inzwischen leben die Eltern getrennt.

Als André Raffin hinter Gittern sass, waren seine Kontaktmöglichkeiten zur Familie stark eingeschränkt – auch zu Sohn Jesko. Die Ursache für die Haft war ein schwerwiegender Vorwurf: Versuchte Anstiftung zum Mord an der Ex-Frau, Jeskos Mutter. Vater André Raffin kam im August 2017 wieder auf freiem Fuß und überlegte dann eine Gegenklage wegen falscher Anschuldigung.

Raffin: «In der Familie ist eigentlich wieder alles im grünen Bereich. Klar, ich war damals noch etwas jünger, hatte weniger Erfahrung. Jetzt ist das alles abgehakt. Ich bin bereit, eine geile Saison zu starten.»

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