Alex Baumgärtel (Kalex): «Das ist unvorhersehbar»

Von Günther Wiesinger
Moto2
Marcel Schrötter beim verregneten Jerez-Test im November mit seiner Kalex

Marcel Schrötter beim verregneten Jerez-Test im November mit seiner Kalex

Nach sieben Marken-WM-Titelgewinnen in den letzten sieben Jahren startet Kalex als klarer Favorit in die Moto2-WM. Kalex-Chef Alex Baumgärtel blickt voraus auf die Saison 2020.

Der deutsche Rennmotorradhersteller Kalex engineering aus Bobingen hat die Moto2-Weltmeisterschaft in den zehn Jahren ihres Bestehens zuletzt sieben Mal hintereinander gewonnen – jeweils die Fahrer- und die Konstrukteurs-WM.

In der kommenden Saison rüstet Kalex wieder 22 WM-Fahrer aus, nachdem sich Ende 2018 Suter Industries sowie Tech3 und Ende 2019 KTM als Chassis-Lieferant zurückgezogen haben.

Kalex baut den Personalbestand aus. «Für den Service an der Rennstrecke werden neben mir drei weitere Techniker anwesend sein. Andrea Saccucci, Michel Ferger und neu für 2020, Reinhard Mandl. Für die Logistik sind Klaus Hirsekorn und Peter Leib zuständig», zählt Alex Baumgärtel auf. «In der Technik haben wir noch Matthias Kanth und Lucas Bertele.» Dazu kommen zwei Halbtagskräfte für Einkauf (Berit Langfitz) und Buchhaltung (Katharina Holzer).

«Total sind wir jetzt neun Personen», fast Baumgärtel zusammen.

Im Interview mit SPEEDWEEK.com spricht Kalex-Geschäftsführer Alex Baumgärtel über die baldige Fertigstellung der Maschinen, neue Herausforderungen, den vorläufigen Verzicht auf die Karbonschwinge und die Unmöglichkeit, einen Titelfavoriten zu nennen.

Alex, wie kommt ihr mit dem Bau der Bikes für die Moto2-Saison 2020 voran?

Alles läuft auf Hochtouren, und wird wie üblich eine vieles in letzter Minute eintreffen. Aber das kennen alle Beteiligten aus der Vergangenheit. Ein viertes Überseerennen mit Thailand gleich am Anfang der Saison macht die Ersatzteil-Logistik natürlich auch nicht einfacher.

Waren bei den Tests im November schon 2020-Bikes im Einsatz?

Im November hatten wir unter anderem drei unterschiedliche Rahmen-Spezifikationen zu testen und haben davon jeweils zwei Stück im Fahrerlager verteilt. Ein Exemplar davon ist mit kleinen Modifikationen für 2020 als Basis ausgewählt worden. Dazu kam noch eine Schwinge, die ebenfalls als Basis für 2020 dient. Aber es kamen nach den Wintertests noch weitere Änderungen in weiteren Bereichen hinzu. Das heißt: Nein, das komplette 2020er Bike war im November noch nicht im Einsatz.

Werdet ihr bald das gesamte Material ausgeliefert haben?

Ja, in Kalenderwoche 5 starten wir damit.

Wie viele 2020-Chassis sind geplant?

Im ersten Schuss 30 Stück bei 22 WM-Fahrern.

In der Moto2-Klasse sind auch 2020 für die Hersteller keine Testteams erlaubt?

Nein, den Herstellern wurden nur 2018 in der ersten Entwicklungsphase zehn Testtage zugestanden. Seit 2019 darf der Hersteller nur mit den Teams/Fahrern testen, die er unter Vertrag hat, und das am Rennwochenende oder an den Testtagen, die dem Team/Fahrer zustehen. Als Hersteller selbst, also mit eigener Technik-Mannschaft und eigenem Testfahrer, ist es nicht erlaubt zu testen.

Gibt es vor dem ersten offiziellen IRTA-Test in Jerez schon einen großen privaten Test der Top-Teams?

Ja, der erste Test ist in Jerez für 10./11.2.2020 vorgesehen.

Werden die 2020-Kalex eine Karbonschwinge haben?

Noch nicht. Wir haben für November noch eine Variante in Aluminium gemacht, die positiv war. Wir sind noch am Ausloten, in welche Richtung Steifigkeits-Balance man gehen muss. Ich sehe da noch Potenzial. Wenn diese Richtung klar ist, kümmern wir uns um die Karbonschwinge.

Was kostet jetzt ein komplettes Rolling-Chassis? Welche Pakete gibt es?

Ein Chassis-Paket kostet etwas über 70.000 Euro. Dazu kommen noch Komponenten, die der Kunde frei wählen kann, auch den Lieferanten: Suspension, Abgas, Bremsanlage, Räder, Elektronik, Motor. Er wird vom Veranstalter gegen Gebühr gestellt.

Weltmeister Alex Márquez, Vize Brad Binder und Iker Lecuona steigen in die MotoGP auf. Wer sind die Moto2-Titelanwärter 2020?

Das ist leider unvorhersehbar. Wir werden für 2020 eine neue Generation Vorderreifen bekommen, die wir nur an eineinhalb Tagen im November in Valencia testen konnten. Der Jerez-Test zuvor war ja ins Wasser gefallen. Wir werden zuerst einmal sehen müssen, wem die Reifen grundsätzlich liegen und wem nicht. Das wird sehr interessant sein.

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