Brad Binder: «Panical» nennt ihn heute keiner mehr

Von Michael Scott und Günther Wiesinger
Moto2
Brad Binder

Brad Binder

Brad Binder ist der erste GP-Sieger aus Südafrika seit Jon Ekerold 1981. Der Red Bull KTM-Star redet offen über die Fehler seine Anfangsphase und was er seither gelernt hat.

Der Südafrikaner Brad Binder gewann 2016 in souveräner Manier die Moto3-WM auf der Red Bull KTM des Ajo-Teams. 2019 verpasste er den Moto2-WM-Titelgewinn gegen Alex Márquez nach fünf Siegen in der zweiten Saisonhälfte nur um drei Punkte. Er holte bei den letzten drei Rennen nicht weniger als 47 Punkte auf!

Als Binder 2016 in Jerez seinen ersten GP-Sieg feierte, ging für die Südafrikaner eine lange Durststrecke zu Ende. Seit 1981, seit 35 Jahren, hatte sich kein Landsmann in eine GP-Siegerliste eingetragen. Damals siegte 350-ccm-Weltmeister Jon Ekerold im Jahr 1981.

Diesen ersten Binder-Triumph beim Spanien-GP 2016 umgab ein Hauch von Einzigartigkeit. Wegen eines im Qualifying von den Funktionären entdeckten, nicht homologierten Mappings (ein Techniker hatte irrtümlich eine alte Version aufgespielt) wurde Binder auf den letzten Startplatz versetzt. Doch er verlor deshalb nicht die Ruhe. Er überholte 34 Gegner – und schnappte sich den Sieg.

Nur zwei Fahrer haben vor Binder GP-Siege aus der letzten Startreihe geschafft. Nobby Ueda in Suzuka/Japan in der 125-ccm-Klasse 1991, dazu Marc Márquez nach einer Bestrafung in der Moto2-WM 2012 in Valencia.

Binder: «Ich war ein bisschen überrascht, auf jeden Fall, als ich damals gewann. Aber ich war mehr aus dem Häuschen als überrascht. Ich ahnte immer, dass ich eines Tages einen Grand Prix gewinnen werde. Aber den ersten Erfolg gleich vom letzten Startplatz feiern zu dürfen, das war etwas Besonderes. Zumindest hat es sich gut angefühlt.»

Brad Binder kommt aus Krugersdorp und lebt heute an der spanischen Costa Brava und in Dubai. Er gilt als einer der besten Fahrer der neuen Generation, er hat mit 24 Jahren inzwischen 15 GP-Siege errungen und darf deshalb in diesem Jahr im Red Bull KTM Factory MotoGP-Team den Platz von Johann Zarco übernehmen.

Binder fuhr vor seiner ersten Saison bei Red Bull KTM-Ajo zum Teil in kleinen Teams mit unterlegenem Material. 2012 auf Kalex-KTM (WM-Rang 21 mit 24 Punkten), dann steuerte er im Caponera-Team 2013 zuerst eine Suter-Honda, dann eine Mahindra (WM-Rang 13 mit 66 Punkten), ehe er 2014 bei Caponers auf der Mahindra die ersten Erfolge feierte: Platz 2 beim deutschen WM-Lauf, Platz 3 in Japan. Dadurch schaffte er den elften WM-Rang mit 109 Punkten.

In den zwei Ajo-Moto3-Jahren 2015 und 2016 sicherte er sich die WM-Ränge 6 (159 Punkte) und 1 (mit sieben Siegen und fabelhaften 319 Punkten). 2015 stand er dort im Schatten von Miguel Oliveira, wie auch 2017 in seiner ersten Moto2-Saison.

Bevor Binder vor der Saison 2015 zum Team von Aki Ajo stieß, wirkte er währtend der Rennen oft nicht ruhig und reif genug.

«Ja, das war mein größter Fehler», sagt Binder. «Ich habe mich in den Jahren zuvor immer zu viel gestresst. Deshalb hat mich mein Boss Aki Ajo ‚Panical‘ genannt, nicht ‘Radical‘. Ja, das Ajo-Team und ich, wir haben emsig geschuftet, um von diesem Weg wegzukommen. Und als uns das gelungen war, ging es bergauf….»

Wie musste man sich den gestressten Binder vor vier Jahren vorstellen? Binder: «Ich bin im Training an die Box gefahren, warf einen Blick auf die Zeiten, und wenn ich dann nicht vorne war, habe ich mich angeschissen. Seither bemühe ich mich, alles besser unter Kontrolle zu halten. Am Ende des Tages fahre ich einfach raus, und wenn ich die Arbeit einfach für mich selbst erledige, kommt mehr für mich selbst raus.»

Hat Binder damals auch seinen Fahrstil umgekrempelt? «Ich bin bis zur Saison 2016 oft zu aggressiv gefahren. Aber inzwischen bin ich etwas ruhiger geworden. Nicht zu viel… Manchmal gerate ich noch ein bisschen außer Kontrolle. Aber ich spüre inzwischen gut, wenn ich mit meiner Fahrweise die Reifen zerstöre. Deshalb glaube ich: Inzwischen ist die Endphase der Rennen meine große Stärke.»

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