Katar-GP: Coronavirus sorgt für leeres Fahrerlager

Kolumne von Waldemar Da Rin
Moto2

Die MotoGP-Klasse wurde gestrichen, Teambesitzer mussten dem Saisonauftakt fernbleiben, Gäste haben keinen Zutritt zum Paddock. Wie die Auswirkungen des Coronavirus in Katar wahrgenommen werden.

Nach der Absage des MotoGP-Rennens in Katar und der Verschiebung des Thailand-GP auf den 4. Oktober wackelt auch der Texas-GP (3. bis 4. April). Wie es in Europa, wo zunehmend Einschränkungen gelten, weitergeht, ist noch offen. Jorge Martinez meinte dazu: «In Valencia findet schon bald eine Art Karneval statt. Es werden über zwei Millionen Besucher erwartet. Wer würde das absagen wollen? Nie und nimmer, den würden sie aus dem Land jagen» hielt er fest. «Fußball und Motorradrennen können sie streichen, denn das sind keine öffentlichen Veranstaltungen.»

Sito Pons ergänzte: «Einmal abgesehen von der MotoGP werden diese Absagen auch in der Wirtschaft große Verluste verursachen.»

Im Paddock des Losail International Circuit geht es an diesem Wochenende sehr ruhig zu, Gästen ist der Zutritt zum Fahrerlager nicht gestattet. Während die Moto3- und Moto2-Piloten sich auf das erste Qualifying der WM-Saison 2020 vorbereiten, sind die MotoGP-Boxen in Losail inzwischen leer. Auch Aprilia-Werksfahrer Aleix Espargaró, der mit seiner Frau und den gemeinsamen Zwillingen Max und Mia schon vor der Absage nach Doha gereist war, machte sich am Samstag wieder auf den Heimweg nach Andorra.

Moto3-Teambesitzer Paolo Simoncelli fehlt in Katar, weil die Einreisebestimmungen für Reisende aus Italien zuletzt verschärft wurden. Auch seine Landsleute Fausto Gresini und Luca Boscoscuro verfolgen den Saisonauftakt ihrer Teams nur aus der Heimat.

Die Mannschaft der Clinica Mobile bekam die Auswirkungen der Epidemie ebenfalls zu spüren: Nur vier Italiener sind beim Katar-GP anwesend, der Rest blieb daheim. Ein spanischer Arzt, der bei allen Grand Prix vor Ort ist, betonte aber: «Es gibt keinen Grund zur Unruhe, wir haben genügend Personal, um eine perfekte Versorgung zu garantieren.»

Wer glaubt, das Coronavirus werde hier in Katar einfach unter den Tisch gewischt, täuscht sich. Zwar war auf der Titelseite der Zeitung «The Peninsula» nur eine kurze, zweispaltige Notiz zu finden, in der stand, dass in Doha bei acht aus dem Iran eingereisten Personen Covid19 nachgewiesen wurde, woraufhin sie sofort in Quarantäne gesteckt wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus auf der Halbinsel ausbreiten könne, sei aufgrund dieser Maßnahmen sehr gering, war zu lesen.

Auf den nächsten Seiten wurde aber über die Zahl der Infizierten und Todesfälle in verschiedenen Ländern berichtet: Iran, USA, Japan, Südkorea, Indien, Italien, Deutschland und Großbritannien. Dass sogar im NATO-Hauptquartier in Belgien ein Fall entdeckt wurde, war den Arabern eine Notiz wert.

In der heutigen Ausgabe der «Gulf Times» stand auf der Titelseite in großen Buchstaben, dass weltweit momentan mehr als 100.000 Fälle bekannt sind, auch in Katar gebe es drei Neuinfektionen (insgesamt bestätigt sind 12 Fälle). Ebenfalls prominent platziert war auf der Titelseite aber auch ein schönes Foto von einem Rolls Royce Cabriolet mit der Unterschrift, dass in Katar die Liebe zu Oldtimern immer mehr wachse. Auch eine Möglichkeit, um von wichtigeren Problemen abzulenken.

Am Donnerstagabend war der alte Markt, wo vor allem Gastarbeiter ihre Einkäufe tätigen, sowie der restaurierte und zum Teil neu gebaute Markt «Souq Waqif», wo die Preise an die Touristen angepasst wurden, gerammelt voll mit Menschen – und kaum jemand trug einen Mundschutz.

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