Ingo Emmerich (70): Auf GP-Sieg nicht besonders stolz

Von Thorsten Horn
Moto3
Auch mit 70 dreht Ingo Emmerich noch flotte Runden auf der Rennstrecke

Auch mit 70 dreht Ingo Emmerich noch flotte Runden auf der Rennstrecke

Heute ist die Moto3 die kleinste Rennklasse der Motorrad-WM, bis 1983 war es die ​Weltmeisterschaft bis 50 ccm. Der aus Nettersheim stammende Ingo Emmerich gewann den Nürburgring-GP 1974 mit einer Kreidler.

Den Saisonauftakt der Moto Trophy 2020 in Oschersleben nutzte auch Ex-GP-Sieger Ingo Emmerich für seine ersten schnellen Runden des Jahres. 1974 gewann er beim Boykott-GP auf dem Nürburgring den 50er-WM-Lauf. Das liegt schon lange zurück, und auch wenn ihm andere Erfolge seiner Karriere wichtiger sind, so öffnete ihm dieser Sieg so manche Tür.

Der am 30. Januar 1950 geborene Ingo Emmerich aus dem unweit des Nürburgrings gelegenen Nettersheim begann seine Laufbahn 1968, wobei die 50-ccm-Klasse fast ausschließlich sein Metier war. So richtig startete er 1974 durch, als er sich für den Motorrad-Grand-Prix auf dem Nürburgring anmeldete.

«Das war eine ganz blöde Geschichte. Es war mein erster internationaler Lauf. Der Nürburgring war um diese Jahreszeit (24. April, Anm. d. Red.) vom Wetter her immer schwierig. Zwar hatte sich inzwischen herumgesprochen, dass die Stars wegen Sicherheitsbedenken bei der Nordschleife und dazu den niedrigen Temperaturen nicht fahren wollten. Es war aber immer in der Schwebe, ob sie das auch durchziehen», erinnert sich der damalige Kreidler-Privatier.

Und weiter: «Wir sind morgens aufgewacht, da lag Schnee. Als ich dann aus der Warm-up-Runde zurückkam, waren tatsächlich kaum Fahrer da. Da das Feld zusammengezogen wurde, stand ich plötzlich in der ersten Startreihe. Gedacht habe ich mir dabei gar nichts, nur gewartet, dass endlich die Ampel ausgeht.»

Zum Rennen über drei Runden (zu je 22,8 km) durch die grüne Hölle war die Strecke inzwischen sogar trocken. Ingo Emmerich gewann mit der schnellsten Rennrunde schließlich mit 40 Sekunden Vorsprung vor Arnulf Teuchert, dem Vater des 2000er Supersport-Weltmeisters Jörg Teuchert, sowie Wolfgang Golembeck. Es sollte sein einziger Grand-Prix-Sieg bleiben, mit dem er aber trotzdem in die Geschichte einging. Gleichzeitig bedeutete das WM-Endrang 12.

Dieser außergewöhnliche Sieg war nicht unverdient, was der DM-Neuling mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft gegen harte nationale Konkurrenz am Jahresende unter Beweis stellte. Auch später fuhr Ingo Emmerich als Privatfahrer weitere Achtungserfolge heraus. So zum Beispiel 1975 und 1977, als er jeweils in Hockenheim als Neunter weitere WM-Punkte sammelte. Ebenfalls 1977 in Hockenheim fuhr er seinen einzigen Grand Prix in der 350-ccm-Klasse. Dazu lieh er sich bei seinem Mechaniker, der damit sonst im OMK-Pokal fuhr, eine Yamaha.

Ingos bestes WM-Jahr war 1978, als er nach einem sechsten Platz in Assen, einem achten auf dem Nürburgring und einem fünften in Rijeka die WM auf Rang 8 abschloss. Ein Jahr später feierte er in Hockenheim als starker Dritter den zweiten Podestrang seiner Karriere, mit dem er schlussendlich WM-Neunter wurde. 1983 schrammte Emmerich als Vierter in Le Mans noch einmal knapp an einem GP-Podiumsplatz vorbei und trat am Saisonende zurück.

Seit einigen Jahren frönt Ingo Emmerich nun schon mit verschiedenen Motorrädern, die immer wie aus dem Ei gepellt aussehen, dem Klassik-Rennsport.

Zurückblickend auf seinen einzigen GP-Sieg sagt er: «So richtig stolz bin ich darauf nicht, weil ja die Spitzenfahrer fehlten und insgesamt nur ca. zehn Fahrer am Start waren. Der Sieg hat mir aber dennoch insofern weitergeholfen, weil mich andere WM-Veranstalter danach fahren lassen mussten. Für mich persönlich sind der dritte Platz von Hockenheim 1979 sowie der vierte Rang von Le Mans 1983 sportlich wertvoller.»


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