Max Biaggi: Sieger im Streit gegen Peter Öttl

Von Günther Wiesinger
Ein Bild mit Seltenheitswert: Peter Öttl (2. von links) und Max Biaggi feiern gemeinsame einen Sasaki-Erfolg

Ein Bild mit Seltenheitswert: Peter Öttl (2. von links) und Max Biaggi feiern gemeinsame einen Sasaki-Erfolg

Der neunfache Weltmeister Valentino Rossi hat sein Moto3-Team schon zugesperrt. Dafür geht jetzt der sechsfache Weltmeister Max Biaggi im Moto3-Streit gegen Peter Öttl als Sieger hervor.

Spätestens bei der Dutch-TT in Assen am 26. Juni wurde offenkundig, dass sich die beiden Moto3-Teamteilhaber Peter Öttl und Max Biaggi auseinandergelebt haben. Die beiden Partner hatten im Herbst 2018 ein Joint Venture vereinbart. Weil Biaggi für sein CEV-Junior-Moto3-Team keine WM-Startplätze bekam und Peter Öttls Sohn Philipp für 2019 vom familieneigenen Moto3-Team von Papa Peter ins Red Bull-Tech3-KTM-Moto2-Team übersiedelte, verbündeten sich die beiden Ex-Rennfahrer zu einer Interessensgemeinschaft, die jedes Jahr seither mindestens einen GP-Sieg zustande brachte. Insgesamt sieben bisher.

Doch in Assen 2022 meldeten sowohl Biaggi als auch Öttl bei der Teamvereinigung IRTA für 2023 getrennte Moto3-Teams an. Öttl meinte damals, Assen-Sieger Sasaki werde bei ihm bleiben. Er wollte sich für die Zukunft mit dem Intact-Team verbünden, Biaggi loswerden und sein Moto3-Team künftig mit Geld von Liqui Moly und Dynavolt betreiben.

Das Zerwürfnis zwischen Biaggi und Öttl hatte sich über die Jahre angebahnt. In der Saison 2022 sprachen die beiden Teampartner nur noch in dringenden Notfällen miteinander. Der Zwist gipfelte beim Österreich-GP vor zwei Wochen, als Öttl im Parc Fermé ein Siegerfoto mit Sasaki (ohne Biaggi) machen ließ, der Römer stellte später ein neues Siegerbild in der Box nach.

Doch Max Biaggi ließ bei der Dorna und IRTA nicht locker. Er unternahm zwar in Silverstone am 7. August Sonntagfrüh einen Versöhnungsversuch, doch zwei Wochen später beim Spielberg-GP waren die Fronten wieder verhärtet.

Peter Öttl war immer überzeugt, er sei als Vertragspartner der IRTA der wahre Teameigentümer. Doch Max Biaggi beanspruchte diese Rolle immer stärker für sich selbst. Seit der Dutch-TT im Juni legte der Italiener beim Selektions-Komitee immer mehr Fakten auf den Tisch. Dadurch wurde offenkundig: Der Italiener bezahlt die ganze Sause. 

Inzwischen steht fest: Biaggi hat sich inzwischen auch die begehrten Dienste von Titelanwärter Sasaki für 2023 gesichert. Er hat auch die Verträge mit Husqvarna Motorcycles unterschrieben, er steuert mit Sterilgarda den Hauptsponsor bei, er besitzt den Transport-Lkw, die Werkzeuge, die Verträge mit der Mechaniker-Crew und bezahlt sie genauso wie die beiden Fahrer Sasaki und McPhee.

In Misano stürzte Ayumu Sasaki gestern in der ersten Runde, John McPhee landete an neunter Stelle.

Als beim Österreich-GP immer noch Peter Öttl als Vertragspartner der IRTA und rechtmässiger Teameigentümer für 2023 betrachtet wurde, riss Biaggi der Geduldsfaden. «Ich brauche diese mühsamen Streitigkeiten nicht», erklärte der sechsfache Weltmeister.

Er drohte in Spielberg sogar damit, das Team am nächsten Tag zuzusperren und auf alle restlichen Rennen zu verzichten. 

So ein Szenario wollten jedoch weder die Dorna noch die IRTA heraufbeschwören. Auch die Fahrer und die Techniker-Crew wollten kein abruptes Saisonende erleben.

Seither steigen die Aussichten von Max Biaggi, das Husqvarna Factory Team künftig allein und ohne Partner betreiben zu können.

Der bisherige Teamteilhaber Peter Öttl zeigte sich am Misano-Wochenende zugeknöpft. «Es gibt nichts Neues», seufzte der fünffache GP-Sieger, dessen Felle davonschwimmen.

Wenn in Aragón die Listen mit den akzeptierten Moto3 und Moto2-Teams veröffentlicht wird, wird aber trotzdem eine Überraschung dabei sein. 

Max Biaggi wird in Zukunft der alleinige Eigentümer des Max Racing Teams sein. Die Weichen wurden bereits am Sonntagvormittag in Misano im Gespräch mit Jens Hainbach, dem Vice President Road Racing bei der Pierer Mobility AG, gestellt.  

Moto3-Ergebnis, Misano (4. September):

1. Foggia, Honda, 23 Rdn. in 39:21,864 min
2. Masia, KTM, + 0,289 sec
3. Guevara, GASGAS, + 0,334
4. Deniz Öncü, KTM, + 0,453
5. Holgado, KTM, + 4,955
6. Suzuki, Honda, + 5,926
7. Moreira, KTM, + 11,002
8. Ortolá, KTM, + 11,188
9. McPhee, Husqvarna, + 11,383
10. Nepa, KTM, + 11,494
11. Riccardo Rossi, Honda, + 11,560
12. Muñoz, KTM, + 11,633
13. Yamanaka, KTM, + 11,885
14. Kelso, KTM, + 16,963
15. Bartolini, KTM, + 19,888

Moto3-WM-Stand (nach 14 von 20 Rennen):

1. Guevara 204 Punkte. 2. Garcia 193. 3. Foggia 169. 4. Masia 147. 5. Deniz Öncü 140. 6. Sasaki 138. 7. Suzuki 124. 8. Migno 84. 9. Tatay 70. 10. Holgado 67. 11. Yamanaka 65. 12. Artigas 64. 13. Toba 63. 14. Moreira 63. 15. Riccardo Rossi 59. 16. Muñoz 52. 17. McPhee 47. 18. Ortolá 46. 19. Nepa 36. 20. Adrian Fernández 29. 21. Bartolini 24. 22. Kelso 24. 23. Ogden 20. 24. Bertelle 16. 25. Fellon 11. 26. Aji 5.

Konstrukteurs-WM:

1. GASGAS 262 Punkte. 2. Honda 251. 3. KTM 230. 4. Husqvarna 174. 5. CFMOTO 103.

Team-WM:

1. GASGAS Aspar Team 397 Punkte. 2. Leopard Racing 293. 3. Red Bull KTM Ajo 214. 4. Sterilgarda Husqvarna Max Racing 212. 5. Red Bull KTM Tech3, 169. 6. CFMOTO Racing PrüstelGP 134. 7. MT Helmets – MSI 128. 8. CIP Green Power 87. 9. Rivacold Snipers 84. 10. Angeluss MTA Team 82. 11. SIC58 Squadra Corse 70. 12. BOE Motorsports 52. 13. QJMotor Avintia Racing 40. 14. Vision Track Racing Team 20. 15. Honda Team Asia 5.


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