Landschaftsschutz Schweiz: «Motocross-Piste muss weg»

Von Rolf Lüthi
Motocross
Visualisierung der geplanten Motocrosshalle, die nicht wie in der Begründung der Ablehnung weiss, sondern Grün sein würde.

Visualisierung der geplanten Motocrosshalle, die nicht wie in der Begründung der Ablehnung weiss, sondern Grün sein würde.

In der Schweizer Gemeinde Schlatt wollte Pistenbetreiber Chris Möckli neben seiner bestehenden Motocross-Piste eine Motocross-Halle errichten. Landschaftsschützer bekämpfen das Projekt vehement.

Just auf den 24. Dezember 2020 wurde Chris Möckli der Entscheid der Thurgauer Gemeinde Schlatt zugestellt: Die Einsprache der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und weiterer Naturschutzorganisationen wie VCS und WWF gegen das Projekt einer Motocross-Halle wurde gutgeheissen. Damit kann mit dem Bau der Halle nicht begonnen werden.

Mit Investitionen von 3,8 Mio Franken will Möckli, Betreiber der Motocross-Schule MX-Academy und Inhaber einer bereits bestehenden Motorcrosspiste auf Schlatter Gemeindegebiet, eine 99 x 90 m grosse Halle für Indoor-Motocross erstellen.

Begründet wurde die Verweigerung der Baubewilligung mit der Zonenkonformität, die nicht gegeben sei. Das Landstück befindet sich derzeit zwecks Abbau von Kies in einer so genannten Abbauzone. Nach Abschluss des Kiesabbaus wird dieses Land in der Regel in die Landwirtschaftszone zurückgezont. Der Kanton könnte aber eine Umzonung in eine Sportzone verlangen, wie das bei der Outdoorstrecke schon gemacht wurde. Oder er könnte eine Ausnahmebewilligung erteilen, wie das für Treibhäuser und Schweineställe regelmässig gemacht wird, das dafür nötige Kontingent besteht.

Im Zonenrichtplan des Kantons Thurgau ist ausdrücklich erwähnt, dass Trainingsmöglichkeiten für Motocross zu schaffen sind. Die Motocross-Halle würde es ermöglichen, diesen Sport ganzjährig zu betreiben. Das ist ja bei anderen Sportarten wie Schwimmen oder Eishockey völlig selbstverständlich. Nur wenn es um Motocross geht, wollen das die Behörden offensichtlich nicht.

Das Argument fehlender Zonenkonformität wurde von den Naturschutzverbänden benutzt, um nach 2018 weitere Motocross-WM-Rennen in Frauenfeld zu verhindern. Nun soll mit diesem Argument auch die Motocross-Halle in Schlatt verhindert werden.

Obwohl die Ablehnung des Baugesuchs für die Halle keineswegs endgültig ist, inszeniert sich die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz als grosse Siegerin im Kampf um die Erhaltung der Schweizer Landschaft und schreibt in einer Medienmitteilung: «Nun muss es darum gehen, dass die offene Motocrossstrecke in einem nationalen Schutzgebiet ebenfalls aufgehoben wird.» Noch klarer formuliert es die Stifung auf ihrer Facebook-Seite: «Nun muss auch die Motocrossstrecke noch weg.»

Die als gemeinnützig anerkannte Stiftung Landschaftsschutz Schweiz wurde 1970 von der Pro Natura, dem Schweizer Heimatschutz, der Schweizerischen Vereinigung für Landesplanung (heute: EspaceSuisse), dem Schweizer Alpen-Club (SAC) und dem Schweizer Tourismus-Verband gegründet. Präsident des Stiftungsrates ist FDP-Nationalrat Kurt Fluri, Stadtpräsident von Solothurn. Im Stiftungsrat finden sich weitere Schweizer Politiker der Grünen, der Grünliberalen und der SP. Die Bilanzsumme der Stiftung beträgt mehr als 8 Mio. Franken.

Weg muss die Outdoor-Motocrosspiste nach Darstellung der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, weil sie sich in einem nationalen Schutzgebiet befindet. Damit sind Amphibienlaichplätze in den Zwischenräumen der Motocrosspiste gemeint. Diese wurden von Pistenbetreiber Möckli angelegt und werden regelmässig gepflegt. «Wenn es die Motocross-Piste nicht gäbe, würden hier auch keine Amphibien leben. Dann hätte man wie sonst üblich das Terrain aufgefüllt und hier wäre heute Ackerland», stellt Möckli klar. «Das zeigt: Der Stiftung Landschaftsschutz geht es gar nicht um Naturschutz, die sind einfach aus Prinzip gegen Motocross. Ausserdem ist in einer Sportzone ein Amphibienlaichplatz ja gar nicht zonenkonform.»

Dass das Baugesuch für die Motocross-Halle problemlos bewilligt würde, damit hat Möckli keinesfalls gerechnet. «Es hat damals acht Jahre gedauert, bis wir mit dem Bau der Motocross-Piste beginnen konnten», erinnert er sich. «Der Gemeinderat von Schlatt unternahm alles, um die Piste zu verhindern, wir mussten bis vor das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau prozessieren. Und das, obwohl die Bevölkerung anlässlich von zwei Bürgerversammlungen mit Zweidrittel-Mehrheiten für die Piste war.»

Die Ablehnung des Baugesuchs durch die Gemeindebehörde Schlatt ist also nicht, wie in deren Eigendarstellung, ein grossartiger Sieg der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, sondern vorhersehbare Verzögerungstaktik. Möckli wird rekurrieren, nächste Entscheidungsinstanz ist der Regierungsrat des Kantons Thurgau. Dann können mit dem kantonalen Verwaltungsgericht und dem Bundesgericht zwei weitere Instanzen angerufen werden, was mindestens zwei Jahre dauernd dürfte.

Würde die Motocross-Halle letztinstanzlich abgelehnt, wird das Gelände aufgefüllt und dann als Ackerland genutzt. Wird in Möcklis Sinn entschieden, wird auf dem Gebiet der Sportzone eine Halle von 90 x 99 m erstellt, in der auch im Winter Motocross trainiert werden kann. Die Halle würde aber nur die halbe Fläche einnehmen. Auf der anderen Hälfte will Möckli, widerum nicht zonenkonform, mit Hilfe lokaler Naturschützer ein Gebiet mit Weihern und Tümpeln gestalten, auf dem sich seltene Tierarten ansiedeln könnten, wie es bereits auf dem Gelände der Motocross-Piste gemacht wurde.

Die genannten Naturschutzverbände sind somit gegen die Errichtung eines Biotops und gegen die Vermeidung von vielen Autokilometern, denn die Schweizer Motocross-Fahrer sind so weiterhin gezwungen, im Winter in den Süden auszuweichen. Man stelle sich vor, bei anderen Sportarten wäre das auch so, Schwimmer müssten im Winter zum Training in den Süden reisen, weil es keine Hallenbäder gäbe.

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