Franco Morbidelli: Drei MotoGP-Jahre bei Marc VDS?

Von Günther Wiesinger
Der italienische Moto2-WM-Spitzenreiter Franco Morbidelli (6 Siege in neun Rennen) hat bei Marc VDS einen Zwei-Jahres-Vertrag für die MotoGP-WM unterschieben. Mit Option für 2020. Aber er bekommt kein 2018-Material.

Das belgische Marc VDS-Team steht in der MotoGP-WM nach drei Jahren vor einer neuen Situation.

Es droht zum Beispiel nach einigen vielversprechenden Darbietungen der Abgang des 22-jährigen Jack Miller zu Pramac-Ducati. Der Australier gewann 2016 in Assen, 2017 landete er dort auf Platz 6.

Und sogar Cal Crutchlow meinte im Vorjahr: «In fünf oder zehn Jahren werden Fahrer wie Jack die MotoGP-WM unter sich ausmachen. Von der heutigen Generation mit Valentino, Dovi, Lorenzo, mir und so weiter wird dann keiner mehr mehr aktiv sein.»

«Mein größtes Problem für nächstes Jahr wird werden, dass uns Honda kein 2018er-Motorrad gibt», erklärte Marc VDS-Teamprinzipal Michael Bartholemy. «Wir werden die Motoren des Repsol-Honda-Teams mit dem technischen Stand von Valencia-GP 2017 bekommen. Dazu werden wir unsere 2017-Chassis behalten, denn diese funktionieren ja. Wir können jetzt nicht abschätzen, wie stark HRC die diesjährige Maschine für 2018 verbessert. Das müssen wir abwarten.»

Die Chassis-Entwicklung scheint ohnedies zu stagnieren: Marc Márquez fährt sozusagen ein Chassis aus dem Jahr 2014.
Und bei Yamaha scheinen die 2016-YZR-M1-Maschinen von Johann Zarco und Jonas Folger momentan oft schlagkräftiger zu sein als die 2017-Werks-Yamaha von Rossi und Viñales. Siehe Barcelona, siehe Sachsenring.

«Ich denke, die Honda-Ingenieure werden den Motor mit dem neuen Konzept über den Winter etwas verbessern», vermutet Bartholemy. «Natürlich werden wir zum Ausgleich alle Daten aus dem Jahr 2016 haben – für alle Strecken. Das ist ein Vorteil. Aber wir dürfen nicht dieselben Resultate erwarten, wie sie jetzt das Tech3-Yamaha-Team bringt. Denn das Yamaha-Paket ist von der Basis her ausgereifter als das Honda-Paket. Dass wir keine 2018-Maschinen mehr bekommen, enttäuscht mich deshalb mehr als die Tatsache, dass Jack Miller von HRC nicht mehr unterstützt wird.»

Und warum wird das Yamaha-Paket für ausgereifter gehalten?

Weil Honda für die Saison 2016 die Laufrichtung der Kurbelwelle drehte und sie jetzt wie früher einmal gegen die Fahrrichtung rotieren lässt. Und für 2017 wurde der Screamer-Motor ins Museum befördert – und ein Big-Bang konstruiert.

Aus einem einfachen Grund: Seit der Tankinhalt wieder von 20 und 21 Liter auf 22 Liter angehoben wurde, hat das Spritsparen in den Rennen keinen Vorrang mehr. Beim Treibstoffverbrauch war der Screamer effizienter.

Bartholemy muss mit dem Abgang von Miller rechnen. Die Suche nach einem Ersatzfahrer dauert noch an. Voraussichtlich bis zum Spielberg-GP am 13. August.

Und was kann das Marc VDS-Team von Moto2-Aufsteiger Franco Morbidelli im ersten MotoGP-Jahr erwarten?

«Ich denke, mit der Honda haben es die Rookies ein bisschen schwerer als bei Yamaha», seufzt Bartholemy.

Was würde der Belgier dem Australier Jack Miller für 2018 zutrauen?

«In seinem vierten MotoGP-Jahr muss Jack konstant auf den Plätzen zwischen 5 und 10 landen», meint Barholemy. «Er hat ja auch in diesem Jahr oft sein Können gezeigt. Aber zwischendurch kommt dann wieder ein Durchhänger – wie in Deutschland, wo er nur 15. wurde. Jack muss an seiner Konstanz arbeiten. Wenn er 2018 direkt bei uns unter Vertrag wäre, hätte ich auch mehr Einfluss, um sagen zu können: Ich möchte, dass du jetzt dies und jenes machst. Bisher hatte er einen HRC-Vertrag. Und wenn du die Gage nicht bezahlst, kannst du im besten Fall Wünsche äußern, was die Vorbereitung betrifft.»

Morbidelli hat übrigens einen fixen MotoGP-Vertrag für zwei Jahre unterschrieben. «Aber er hat eine Option für ein drittes Jahr, damit er in den Zwei-Jahre-Rhythmus der Werksteams kommt, bei denen die Deals meistens bis Ende 2018 oder danach bis Ende 2020 laufen.»

Marc VDS war bereits im Mai und Juni überzeugt, dass Morbidelli 2018 in diesem Team in die MotoGP-Klasse aufsteigen und Rabat verdrängen werde. Aber die Ausarbeitung der Vertragsdetails dauerte länger als erwartet. In der Zwischenzeit wurde «Morbido» von anderen Teams hofiert.

Bartholemy weiter: «Wir hatten ja bereits mit Franco einen Vertrag für 2018 mit der Option zum Aufstieg in die MotoGP. Aber wir haben dann zwei Monate über das Gehalt gesprochen, weil der Betrag im Vertrag nicht fixiert war. Und dann wollte jeder nur für ein MotoGP-Jahr unterschreiben. Das wollten wir bei Morbidelli nicht akzeptieren. Denn wir haben ihn in der Moto2-WM zwei Jahre aufgebaut und planen langfristig mit ihm. Deshalb habe ich zu ihm gesagt: 'Wir machen zwei Jahre. Aber ich garantiere euch, dass ihr noch ein drittes Jahr bei uns in der MotoGP bleiben könnt, wenn ihr möchtet.'»

Übrigens: Bei MIller beschränkt sich das Marc VDS-Angebot auf eine Saison – auch auf Wunsch des Fahrers.

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