MotoGP-Frust bei Scott Redding: Márquez nicht besser

Von Otto Zuber
MotoGP
Scott Redding sorgte 2018 nur abseits der Strecke für Aufsehen

Scott Redding sorgte 2018 nur abseits der Strecke für Aufsehen

«Ich vergeude Zeit und riskiere mein Leben», sagte Scott Redding, der 2019 in die BSB wechselt, offen über seine MotoGP-Zeit. Im Gegensatz zu Marc Márquez hätte er nicht die richtigen Leute um sich gehabt.

Scott Redding verabschiedete sich nach elf Jahren aus dem MotoGP-Paddock. 2019 geht der Moto2-Vizeweltmeister von 2013 in der Britischen Superbike-Meisterschaft an den Start.

«Ich wollte nicht in die BSB. Das stimmt so nicht. Ich entschied, dorthin zu gehen, weil es die einzige Option war, mit der ich wirklich erfolgreich sein könnte. Ich habe Michael [Bartholemy; sein Manager] einfach gesagt: 'Besorge mir ein Motorrad, mit dem ich die Meisterschaft gewinnen kann.' Wo oder was interessiert mich nicht. Auch wenn es nur ein Rad hat. Wenn man damit siegen kann, dann besorge mir das Motorrad und ich werde machen, was ich kann», erzählte er «crash.net».

Die MotoGP-WM empfand der Ex-Aprilia-Pilot zuletzt als reine Zeitverschwendung: «Ich vergeude meine Zeit und riskiere mein Leben. Das ist keine gute Kombination. Es ist demoralisierend. Du wirst von Leuten geschlagen, die du mit einer Hand schlagen könntest, wenn du auf der richtigen Maschine sitzen würdest. Ich meine das nicht respektlos, aber sie sind so viele Sekunden, Minuten vor mir. Was soll das? Deshalb habe ich viel von der Leidenschaft verloren. Ich bin hungrig auf Siege, aber der Hunger ist weg, weil ich keine Chance bekomme...», so der 26-Jährige.

Seit seinem Weggang von Marc VDS war Redding laut eigener Einschätzung immer wieder zur falschen Zeit am falschen Ort. «Ich hätte ein weiteres Jahr in der Moto2-WM bleiben und um den Titel kämpfen sollen. Die Dinge hätten sich geändert. Ich wäre wahrscheinlich bei Tech3-Yamaha gelandet – und wäre konkurrenzfähig gewesen. Folger und Zarco sind nicht die besseren Fahrer als ich. Ich bin den Großteil meines Lebens gegen sie gefahren. Sie sind nicht besser. Aber setze sie auf das richtige Bike – und 'boom'», erklärte er.

2013 gewann Redding auf der Kalex des Teams Marc VDS drei Moto2-Rennen und stand vier weitere Male auf dem Podest. Den Titel verlor er am Ende an Pol Espargaró – auch weil der Brite sich verletzte. Heute glaubt er, dass seine Karriere nach einem weiteren Moto2-Jahr anders verlaufen wäre: «Aber ich war etwas naiv und frustriert wegen dem Gewicht und habe geglaubt, die MotoGP-WM wird kein großer Unterschied sein.»

In der Königsklasse schaffte Redding den großen Durchbruch aber nie. In fünf Jahren kam er nur auf zwei Podestplätze (2015 mit VDS-Honda, 2016 mit Pramac-Ducati), in der WM-Wertung war er nie besser als Zwölfter. Die Saison 2018 beendete er auf der Aprilia abgeschlagen auf WM-Rang 21.

«Ich muss raus, etwas anderes machen und zurückkommen. Ich will nicht unbedingt in die MotoGP-WM zurück. Ich möchte gerne in die Superbike-WM – mit einer konkurrenzfähigen Maschine – und den Titel gewinnen. Das ist jetzt mein Ziel.»

Eine Rückkehr in die MotoGP-WM ist aber nicht ganz ausgeschlossen: «Wenn ich die Chance bekomme, auf einem guten Motorrad in der MotoGP-WM zu fahren, ruft mich an. Ich werde da sein, kein Problem. Ich bin immer bereit. Ich würde es gerne einmal machen: Ohne Druck auftauchen und ein gut entwickeltes Motorrad fahren.»

Redding glaubt außerdem, dass der gleichaltrige Marc Márquez nicht mehr Talent besaß. Der fünffache MotoGP-Weltmeister habe im Gegensatz zu ihm das Glück gehabt, viele Jahr lang mit den richtigen Personen zusammenzuarbeiten. «Das und das Geld sind der große Unterschied zwischen mir und Márquez. Ich glaube, er weiß das. Viele Leute wissen, dass wir dasselbe Talent hatten. Unser Hintergrund war auch ziemlich ähnlich. Er hatte nicht viel. Deshalb habe ich großen Respekt vor ihm. Aber er wurde in Spanien ausgewählt. Ich war in Spanien, aber ich kam nicht auf den richtigen Fuß», bedauerte der Brite. «So wie meine Familie und ich sind, passen wir einfach in viele Regeln nicht», gab er zu.

«Marc hatte sein ganzes Leben lang Red Bull und Repsol hinter sich. Er hatte sein eigenes Moto2-Team. Da kannst du nicht mithalten. Er hatte [Emilio] Alzamora an seiner Seite. Ich war 15 und wohnte nicht einmal zu Hause. Könnt ihr euch vorstellen, was ein 15-Jähriger alleine anstellt? Jede Menge Scheiße, ich habe einfach mein Leben gelebt. Ja, es war das Rennfahren. Ich habe trainiert. Ich habe hart gearbeitet. Aber ich hatte keinen, zu dem ich gehen konnte.»

«In der Moto2-WM bei VDS habe ich jeden Tag so viel gelernt. Ich habe so hart gearbeitet. Das ist das Wichtigste, wenn ein Fahrer sich entwickelt, was er um sich hat. Du kannst weit kommen mit Talent – aber mit Geld und unter guter Anleitung kommst du ein bisschen weiter», trauerte Redding seiner Moto2-Zeit nach.

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