MotoGP

Aprilia: Massimo Rivola äußert sich zum Fall Iannone

Von - 09.01.2020 07:17

Andrea Iannone steht vor einer ungewissen MotoGP-Zukunft. Aprilia-Rennchef Massimo Rivola unterstützt seinen Fahrer, er sagt aber auch: «Wenn er einen Fehler gemacht hat, muss er dafür büßen.»

Am 17. Dezember – ausgerechnet am Tag der Weihnachtsfeier in Noale – kam für Aprilia der Schock: Andrea Iannone wurde vom Motorradweltverband FIM suspendiert, weil in einer Urinprobe vom Sepang-GP eine verbotene Substanz aus der Gruppe der anabol-androgenen Steroide nachgewiesen wurde.

Während sich der 30-jährige Italiener umgehend zu Wort meldete und sich verwundert aber gleichzeitig entschlossen gab, verzichtete Aprilia auf öffentliche Mitteilungen. Nun äußerte sich Rennchef Massimo Rivola aber erstmals zum mutmaßlichen Dopingfall: «Für uns ist die Gesetzmäßigkeit ein Bollwerk: Wir unterstützen Iannone, weil wir nie an ihm gezweifelt haben. Wenn er einen Fehler gemacht hat, ist es richtig, dass er dafür büßt, aber wir vermeiden Schlüsse, die mit der medialen Präsenz des Fahrers zu tun hat», fasst er die Position des Herstellers aus Noale gegenüber «La Gazzetta dello Sport» zusammen.

«Der Zeitpunkt der offiziellen Mitteilung hat uns das Weihnachtsessen des Teams ruiniert – hoffentlich wird nicht auch die Saison zerstört», seufzte Rivola, der ungern auf den 13-fachen GP-Sieger verzichtet. «Er hat einen wertvollen Beitrag geleistet. Ihn zu verlieren wäre schwerwiegend: Er hat uns geholfen zu verstehen, was nicht funktioniert, und ein Motorrad zu haben, dass auf der Distanz schnell ist.»

Aus dem Umfeld von Iannone war zu hören, dass er die Steroide während seines Aufenthalts in Asien über die Nahrung aufgenommen haben könnte. «Sollte sich das bestätigen, gut. Er war fünf Wochen lang in Asien, wo er viel Fleisch gegessen hat – und wir wissen, dass es dort oft ‚behandelt‘ wird. Er ist minutiös in seiner Vorbereitung, genauso war es nach der Schulterverletzung in Misano. Andere Fehler würden mich wundern», grübelte Rivola.

Iannone präsentiert auf dem roten Teppich und auf den sozialen Netzwerken neben seiner Freundin, der italienischen Influencerin Giulia De Lellis (4,4 Millionen Instagram-Follower), gerne einen perfekten Körper. Dass es sein Fahrer übertrieben haben könnte, glaubt der CEO von Aprilia Racing nicht: «Er hat die Erfahrung, um damit umzugehen: Während der Saison hat er durch harte Arbeit 7 kg verloren, er ist mehr athletisch als ein Muskelpaket.»

Wie geht es nun weiter? Am Dienstag sind Iannones Anwalt Antonio De Rensis und ein Chemiker der Universität von Turin nach Deutschland in ein zertifiziertes NADA-Labor in der Nähe von Dresden gereist. Denn Iannone hat wie erwartet von seinem Recht Gebrauch gemacht, eine B-Probe analysieren zu lassen. Die Veröffentlichung des Befundes steht aber noch aus – und bereits am 2. Februar beginnt der Shakedown-Test in Sepang, wo erstmals die neue RS-GP auf der Strecke zu sehen sein wird.

Die FIM könnte Iannone zwar nicht an der Teilnahme hindern, weil ein privater MotoGP-Test kein FIM-Event ist, also ist keine GP-Lizenz dafür notwendig. Aber wenn auch die B-Probe positiv ausfällt, kann sich ein Werksteam wie Aprilia kaum leisten, Iannone während der Sperre weiter zu beschäftigen.

«Wir hoffen, dass wir innerhalb Januar ein Urteil haben, dann sehen wir weiter», hielt Rivola fest. «Eine Sache wäre ein eventueller dreimonatiger Stopp, eine andere Sache sind sechs Monate…»

Ein Ersatzmann steht – wie SPEEDWEEK.com-Leser bereits wissen – schon in den eigenen Reihen bereit. «Bradley Smith, unser Testfahrer, ist die voraussehbare Variante. In diesem Moment stehen nicht viele Fahrer bereit: Vor sechs Monaten hätte Rea vielleicht eine Option sein können.»

Auch zu Jorge Lorenzo, der als Kandidat auf die Testfahrerrolle bei Yamaha gehandelt wird, äußerte sich Rivola: «Das wäre eine schöne Geschichte gewesen, er hätte in der Entwicklung geholfen, aber man muss zunächst verstehen, ob er wieder Lust zum Fahren hat. Wie auch immer, ich glaube, dass ihn Yamaha als Testfahrer nehmen wird.»

Auch Karel Abraham gab zu, mit dem Hersteller aus Noale gesprochen zu haben. «Er ist einer der vielen Fahrer, die sich angeboten haben», bestätigte der Aprilia-Rennchef.

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Massimo Rivola, CEO von Aprilia Racing © Gold & Goose Massimo Rivola, CEO von Aprilia Racing

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