Cal Crutchlow: Was kommt nach seinem Rücktritt?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Cal Crutchlow

Cal Crutchlow

Wenn man die Ergebnisse der britischen GP-Piloten beobachtet, darf man behaupten: Cal Crutchlow wird nach seinem möglichen Rücktritt nach 2020 eine Riesenlücke hinterlassen.

Cal Crutchlow denkt darüber nach, ob er mit dann 35 Jahren nach der Saison 2020 seine Karriere beenden soll. Wenn dieser Fall eintritt, könnte Großbritannien im GP-Sport wieder in einer Phase der Bedeutunglosigkeit versinken wie bis zu den Erfolgen von Redding, Smith, Crutchlow, Kent, McPhee und so weiter.

Schon in vergangenem Jahr wirkten die Auftritte von Tom Booth-Amos (Moto3) und Jake Dixon (Moto2) sowie Sam Lowes enttäuschend, in der MotoGP haben Bradley Smith und Scott Redding keine Stammfahrerverträge mehr erhalten. Der Schotte John McPhee hat in der Moto3 wenigstens den sechsten Gesamtrang erobert.

Rechnet LCR-Honda-Pilot Cal Crutchlow mit einigen mageren GP-Jahren für die Briten, quasi mit einem MotoGP-Brexit, wenn er wirklich in einem Jahr aufhören sollte? «Ich weiß es nicht. Diese Frage wird mir dauernd gestellt. Alle fragen mich, welche Jungs neu in die WM kommen könnten. Aber ich habe keinen Schimmer. Ich unterstütze immer jeden Briten, der das Zeug zum GP-Fahrer hat. Aber ich sehe wirklich keinen, der in der MotoGP-Klasse vorne mitfahren könnte, wenn ich ehrlich bin. Und ich stehe mit dieser Meinung nicht alleine da. Trotzdem hoffe ich, dass es einer schafft. Es ist hart. Man muss lernbereit sein. Sam Lowes war in der MotoGP und ist in die Moto2 zurückgekehrt. Ich halte ihn für einen sehr guten Moto2-Fahrer. Aber ich bezweifle, dass er in die MotoGP zurückkehren und gegen Marc Márquez und Fabio Quartararo um den Titel fighten kann. Das wird kaum passieren. Kann John McPhee innerhalb von drei Jahren an die MotoGP-Spitze kommen? Ich habe meine Zweifel. Wenn du dich bei den auf Production-Bikes basierenden Rennserien umschaust, also zum Beispiel in der SBK, dann findest du nur britische Fahrer, die in meinem Alter sind. Es ist also eine schwierige Situation. Ich sehe keinen, der eine Lösung dazu weiß. Ich selbst kenne auch keine. Die Dorna bemüht sich, das muss man anerkennen, es gibt den British Talent Cup, es wird viel unternommen. Aber leider funktioniert die Talentsuche im Moment nicht. Es kommen keine Talente zum Vorschein.»

Begnügen sich die britischen Talente lieber mit der Britischen Superbike-Meisterschaft (BSB) als mit dem harten WM-Pflaster?

Crutchlow: «Ich unterhalte mich regelmäßig mit BSB-Promoter Stuart Higgs. Was er macht und leistet, ist fantastisch. Habt ihr gesehen, wie viele Zuschauer zum Beispiel bei der BSB in Cadwell Park waren? Und in Oulton Park? Man hat vor lauter Leuten und Autos keine Wiese mehr gesehen. Wenn du in der BSB bist, bleibst du dort. Denn man kann als Fahrer dort gutes Geld verdienen. Die Show ist großartig. Deshalb steigen nur wenige Fahrer in den GP-Sport um. Ich habe dafür Verständnis. Higgs hat auch eine Moto3-Serie und lässt Moto2-Bikes in der SSP mitfahren. Er strengt sich an. Aber kaum ein Topfahrer lässt sich zum Umstieg in die GP-Szene überreden.»

Cal weiter: «Ich habe es schon oft erwähnt. Wäre ich ein Italiener oder Spanier, wäre ich wahrscheinlich nicht in der MotoGP. Dort wäre ich einer unter vielen. Doch in der Superbike-WM war ich unter den Briten der Beste in meiner Altersgruppe. Ich habe das Risiko des MotoGP-Einstiegs auf mich genommen… Ich habe hier mehr erreicht, als ich zu hoffen gewagt habe», setzte der dreifache MotoGP-Sieger und WM-Neunte (drei Podestplätze 2019) fort.

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