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Brad Binder (KTM): «Der richtige Zeitpunkt»

«Es ist verrückt», beschrieb MotoGP-Rookie Brad Binder das Gefühl, 2020 Teil des Red Bull-KTM-Werksteams zu sein. Der Südafrikaner spricht über seine Heimat, das Rennfahren und Pol Espargaró.

MotoGP

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Brad Binder verpasste den Moto2-WM-Titel im Vorjahr um nur drei Punkte, 2020 gibt er im Red Bull-KTM-Werksteam sein Debüt in der Königsklasse. Der 24-Jährige holte in seiner bisherigen WM-Karriere 15 GP-Siege – allesamt auf KTM. Seine internationale Karriere startete er ebenfalls auf der österreichischen Marke: 2009 im Red Bull Rookies Cup. 2011 feierte er in Estoril seinen ersten Sieg in der Nachwuchsserie und gab im selben Jahr in Indianapolis auf der Aprilia von RW Racing GP sein Debüt in der 125er-Klasse der Motorrad-WM.

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Seit seinem Titelgewinn in der Moto3-Klasse 2016 ist der in Potchefstroom geborene Binder nach Kork Ballington (Doppelweltmeister in den Klassen 350 und 250 ccm 1978 und 1979) und Jon Ekelrold (1980 in der Klasse 350 ccm) der dritte Motorrad-Weltmeister aus Südafrika.

Brad, was bedeutet das Rennfahren für dich?

Es ist die Sache, die ich mache, seit ich denken kann, und das Einzige, was ich in meinem Leben machen wollte. Es war immer das Ziel. Das Ziel war immer besser und besser zu werden, an jedem Wochenende und in jedem Rennen, das ich je gefahren bin – bis ich es letzten Endes in die MotoGP geschafft habe.

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Wie fühlt es sich nun an, für ein MotoGP-Werksteam zu fahren?

Es ist definitiv ziemlich anders. Ich weiß nicht, wie viele Leute im Werksteam sind, aber ich stell mir vor, es sind um die 50 – ich mag falsch liegen, aber ich erinnere mich, dass ich nach meinem ersten Run an die Box kam und gefühlt 20 Leute mich angeschaut und darauf gewartet haben, dass ich ihnen etwas sagen würde – und alles, was ich sagen konnte, war: "Es ist wirklich cool… Aber ich glaube, wir brauchen noch ein paar Runden."

Es ist verrückt, weil so viele Leute hinter dir stehen und jeder seinen Job hat. Die ganze Arbeit, die man leistet, ist einfach unglaublich – nicht nur auf der Strecke oder in der Box mit all den Leuten, es ist ein ganz anderer Schritt. Die körperliche Vorbereitung ist eine andere Welt. Ich habe damit angefangen, als wir Anfang Dezember im Red Bull Athlete Performance Centre waren. Wir haben die ganzen Kraft- und Ausdauertests absolviert und ich bekam ein Programm bis Mitte Januar.

Ich glaube, es sind die ganzen kleinen Dinge, die man auf das nächste Level heben muss: Die Vorbereitung, die Ernährung, die Ruhepausen. Du musst alles um eine Stufe besser machen.

Fühlst du vor deiner Debüt-Saison besonderen Druck?

Ich habe ehrlich gesagt noch nicht so viel darüber nachgedacht. Aber klar, eine Sache, die man im Hinterkopf hat, ist, dass es – ich würde nicht sagen Leistungsdruck gibt – aber man weiß, dass so viele Leute hinter dir stehen, das ganze Werk. Der einzige Grund, aus dem Leute an Rennen teilnehmen ist normalerweise, um zu gewinnen. Jemand wie KTM – die so ziemlich überall, wo sie einsteigen, abräumen – erwarten nicht weniger vom MotoGP-Team. Wenn man sich den Fortschritt anschaut, den sie gemacht haben, dann ist das großartig, aber ich bin mir sicher, dass sie in diesem Jahr noch mehr erwarten.

Auf der einen Seite bin ich voller Vorfreude, weil ich glaube, dass ich zu einem großartigen Zeitpunkt dazukomme und die Dinge wirklich Schritt für Schritt besser werden – und ich bin seit der Moto3 bei KTM, also kenne ich all die Leute und verstehe, wie die Dinge laufen.

KTM ist zu 100 Prozent hier, um zu gewinnen, der Druck ist also da. Du hast diesen großen Hersteller hinter dir und mehr als alles andere will ich ihnen die Ergebnisse geben, die sie verdienen. Jeder hier hat so hart dafür gearbeitet und ich weiß nicht, ob es jetzt passiert oder wie lange es dauern wird, aber ich bin mir sicher, dass ich einen guten Job für KTM machen kann.

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Du bist der einzige Südafrikaner in der MotoGP-Startaufstellung: Ein Vorteil oder zu viel Aufmerksamkeit?

Für mich war es immer ein Vorteil, der einzige Südafrikaner zu sein. Mein Bruder war mit mir in der Moto3 und fährt immer noch dort, aber in der MotoGP-Klasse werde ich der einzige Südafrikaner sein, der nach langer Zeit in der "premier class" an den Start geht. Auf der einen Seite ist es großartig, ich war in Südafrika und der Hype ist groß. Es ist großartig zu sehen, wie viele Leute noch aufgeregter sind, als ich es bin. Es ist verrückt.

Auf der anderen Seite bringt es Druck mit sich, weil man das ganze Land hinter sich spürt, auf der anderen Seite bin ich stolz – es gibt kein besseres Gefühl, als ein Rennen zu gewinnen und dann die Flagge zu sehen und die Nationalhymne zu hören. Ich glaube, ich bin wahrscheinlich der stolzeste Südafrikaner, den es gibt! Es gibt keinen Platz in der Welt, wo ich mein Leben lieber verbringen würde, deshalb will ich wirklich einen guten Job machen und meine Heimat stolz machen.

Wie ist dein Verhältnis zu deinem neuen Teamkollegen Pol Espargaró?

Ich schätze mich glücklich, einen so großartigen Teamkollegen wie Pol zu haben. Teamkollegen pushen sich immer gegenseitig und er hat viel Erfahrung. Er ist schon einige Jahre auf der KTM unterwegs und wie er das Motorrad fährt, ist unglaublich. Er hat mich bei den Tests einige Runden um die Strecke gezogen, die Art und Weise, auf die man das Bike fahren muss, sieht wie harte Arbeit aus! Er bewegt sich viel auf dem Motorrad, es sieht wie ein Kampf aus.

Ich muss viel lernen, um an diesen Punkt zu kommen. Es sieht so aus, als hätte er verdammt viel Vertrauen in das Bike, das ist großartig zu sehen und in den Daten zu analysieren. Er ist auch ein großartiger Kerl, wenn man mit ihm spricht. Ich glaube, ich kann ihn alles fragen und er wird immer versuchen mir zu helfen.

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