Warum Honda Jack Miller eine Strafe aufbrummte

Von Mario Furli
MotoGP
Seinen bisher einzigen MotoGP-Sieg feierte Jack Miller 2016 auf Honda – inklusive Botschaft ans Management

Seinen bisher einzigen MotoGP-Sieg feierte Jack Miller 2016 auf Honda – inklusive Botschaft ans Management

Der 25-jährige Jack Miller steht seit Mittwoch als zukünftiger Ducati-Werksfahrer fest. Die ersten MotoGP-Jahre des Australiers verliefen aber nicht immer ganz reibungslos, erinnert sich Livio Suppo.

Der frühere Team Principal von Honda, Livio Suppo, war maßgeblich daran beteiligt, Jack Miller als Moto3-Vizeweltmeister für die Saison 2015 direkt in die Königsklasse zu holen. «Die Leute dachten, dass es verrückt war, aber meiner Meinung nach sieht man es sofort, wenn ein Fahrer Talent hat, auch schon in den kleinen Klassen», erklärte der Italiener rückblickend.

In seinem ersten MotoGP-Jahr bei Honda blitze der jugendliche Leichtsinn des Australiers aber trotzdem auf, verriet Suppo nun im Interview mit «GPOne.com». «Es stimmt, dass Jack eine Strafe aufgebrummt bekam, weil er es mit dem Alkohol übertrieben hatte. Er ist der einzige Fahrer, den ich in meiner gesamten Karriere bestraft habe, in 22 Jahren hatte ich es nie getan. Aber Jack war ein Wiederholungstäter. Also habe ich ihm diese Strafe aufgebrummt, es war eine bedeutende Summe, und ihm erklärt: ‚Ich wünsche mir – und da spreche ich wie ein Vater zu dir – dass du dich beim nächsten Mal daran erinnerst, wie teuer dich das letzte Mal zu stehen kam.‘ Ich habe es für ihn getan, für seine Zukunft. Denn er hatte ein Talent, das es zu nutzen galt, aber er war hitzköpfig. Am Sonntagabend fiel ihm beim Feiern alles Mögliche ein, genauso am Freitag im Fahrerlager. Er musste verstehen, dass er so riskierte, sein Talent zu vergeuden. Ich bin glücklich, dass ich ihm diese Geldbuße auferlegt habe, weil er sich ohne diese Art von Strafe wahrscheinlich nicht geändert hätte.»

Übrigens: Als Miller 2016 im Regenrennen von Assen sensationell gewann, war der «Shoey» auf dem Podium auch eine Botschaft an die Honda-Manager, als kleine Retourkutsche für die Strafe.

Auch Suppos Nachfolger im Repsol Honda Team, Alberto Puig, hatte ein kurzes Vergnügen mit dem zukünftigen Ducati-Werksfahrer. «Alberto war ein HRC-Berater, sie hatten ihn als Coach herangezogen, aber wenn ich mich recht erinnere, hatte er schnell genug», erzählte Suppo. «Die Veränderung, die Jack durchgemacht hat, hat er ihm und seinem Manager Aki Ajo zu verdanken, der es geschafft hat, dass ein junger Mann gereift ist, der vielleicht ein bisschen zu schnell in die MotoGP gekommen war, wo man Summen verdient, die einem in dem Alter schon mal zu Kopf steigen können.»

Umso mehr tat es dem ehemaligen Honda-Team-Principal leid, als «JackAss» dann nach 2017 zu Ducati wechselte – noch bevor der japanische Hersteller die Früchte der Arbeit ernten konnte: «Ich habe alles unternommen, um HRC davon zu überzeugen, ihn zu halten», versicherte er. «Auch das Team wollte ihn. Jack hätte auch in Kauf genommen, nicht mehr direkt bei HRC zu unterschreiben, aber er wollte seinen Crew-Chief Ramon Aurin behalten. Takeo Yokohama war hingegen der Auffassung, dass der für Nakagami gebraucht wurde. Am Ende habe ich [HRC-Direktor] Kuwata zwar davon überzeugt, Aurin bei Jack zu lassen, aber da hatte er sich schon zum Wechsel entschlossen. Denn er hatte das Gefühl bekommen, dass das Vertrauen und die Wertschätzung ihm gegenüber nicht mehr so groß war – und das ist für einen Fahrer entscheidend – während Ducati ihm genau das gezeigt hatte. Wir hatten viel in ihn investiert, man sah, dass er Potenzial hatte, und wir wussten, dass er technisch gesehen nicht immer die besten Bedingungen vorgefunden hatte… Es wäre der richtige Moment gewesen, um weiter daran zu glauben. Das hat mich wütend gemacht, denn es war so, als würde man Aktien verkaufen, deren Wert gerade steigt, und dabei Geld verlieren.»

Ist die Beförderung von Miller in das Ducati-Werksteam also eine späte Genugtuung für Suppo? «Nein, es freut mich einfach nur für ihn, weil er seinen Traum gekrönt hat. Er ist am richtigen Ort, um Rennen gewinnen zu können», glaubt der 54-jährige Italiener.

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