Ellbogen am Boden: Der Fahrstil der neuen Generation

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Marc Márquez hat bereits unzählige Vorderad-Rutscher mit dem Ellbogen abgefangen. Diese Fahrweise mit dem «elbow down» zeichnet inzwischen alle jungen Topfahrer aus.

In diesem Jahr haben bereits vier Fahrer sechs GP-Siege errungen, die 2017 (Morbidelli), 2018 (3x Quartararo, 1x Oliveira) und sogar 2019 (Binder) noch in der Moto2-Weltmeisterschaft für Aufsehen sorgten. Und mit Pecco Bagnaia und Joan Mir (beide fuhren ihre erste MotoGP-Saison 2019) haben wir zwei weitere Aufsteiger auf Podestplätzen gesehen. Das nährt die Vermutung mancher Experten, dass die jungen Moto2-Fahrer in der Königsklasse besser mit der neuen Michelin-Reifengeneration zurechtkommen als die Haudegen wie Rossi, Crutchlow, Dovizioso, Aleix Espargaró und Petrucci. Mit Dovizioso (34) und Viñales (25) haben nur zwei Routiniers in diesem Jahr schon gewonnen. 

LCR-Honda-Teambesitzer Lucio Cecchinello (50), selbst siebenfacher 125-ccm-GP-Sieger, beobachtet in seinem MotoGP-Rennstall die Performances von Takaaki Nakagami (3. MotoGP-Saison) und Cal Crutchlow (10. MotoGP-Saison) sehr aufmerksam – und er sieht andere Gründe für die Erfolge der jungen Löwen.

«Ich denke, es ist eine Kombination von unterschiedlichen Faktoren. Ich würde nicht nur die Moto2-Kategorie erwähnen oder verantwortlich machen», sagt der Italiener. «Es passiert momentan bei der jüngsten Fahrergeneration eine Evolution des Fahrstils. Durch die Art und Weise, wie sie ihren Körper vom Motorrad weglehnen, berühren sie mit den Ellbogen den Asphalt, nicht nur mit dem Knie. Für die jungen Fahrer ist es natürlicher, so zu fahren, um die MotoGP-Maschine bestmöglich zu handhaben. Dieser ‚riding style‘ wirkt sehr effizient, denn du verlagerst mehr Gewicht Richtung Schwerpunkt des Motorrads und deine Zentrifugalkräfte werden reduziert. Fahrer wie Valentino Rossi oder sogar Cal vertrauen eher auf eine Standard-Position auf dem Motorrad. Diese Entwicklung beim Fahrstil ist klar zu beobachten. Bei Marc Márquez haben wir jahrelang gesehen, dass er das Motorrad sehr häufig mit dem Ellbogen gerettet hat, wenn das Vorderrad Haftung verloren hat. Diese Fahrweise werden sich voraussichtlich alle Fahrer aus der jungen Generation aneignen, die wir in Zukunft in der MotoGP-WM sehen werden.»

Ergebnisse MotoGP Catalunya/E:

1. Fabio Quartararo (F), Yamaha, 24 Runden in 40:33,176 min
2. Joan Mir (E), Suzuki, +0,928 sec
3. Alex Rins (E), Suzuki, +1,898
4. Franco Morbidelli (I), Yamaha, +2,846
5. Jack Miller (AUS), Ducati, +3,391
6. Pecco Bagnaia (I), Ducati, +3,518
7. Takaaki Nakagami (J), Honda, 3,671
8. Danilo Petrucci (I), Ducati, +6,117
9. Maverick Vinales (E), Yamaha, +13,607
10. Cal Crutchlow (GB), Honda, +14,483
11. Brad Binder (ZA), KTM, +14,927
12. Aleix Espargaró (E), Aprilia, +15,647
13. Alex Márquez (E), Honda, +17,327
14. Iker Lecuona (E), KTM, +27,066
15. Tito Rabat (E), Ducati, +27,282
16. Bradley Smith (GB), Aprilia, +28,736
17. Stefan Bradl (D), Honda, +32,643
– Miguel Oliveira (P), KTM
– Valentino Rossi (I), Yamaha
– Pol Espargaró (E), KTM
– Johann Zarco (F), Ducati
– Andrea Dovizioso (I), Ducati

Fahrer-WM nach 8 von 14 Rennen:

1. Quartararo, 108 Punkte. 2. Mir 100. 3. Viñales 90. 4. Dovizioso 84. 5. Morbidelli 77. 6. Miller 75. 7. Nakagami 72. 8. Rins 60. 9. Oliveira 59. 10. Binder 58. 11. Rossi 58. 12. Pol Espargaró 57. 13. Bagnaia 39. 14. Petrucci 39. 15. Zarco 36. 16. Alex Márquez 27. 17. Aleix Espargaró 22. 18. Lecuona 17. 19. Crutchlow 13. 20. Smith 11. 21. Rabat 8. 22. Pirro 4.

Konstrukteurs-WM:

1. Yamaha, 163 Punkte. 2. Ducati 126. 3. Suzuki 113. 4. KTM 109. 5. Honda 72. 6. Aprilia 30.

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