Suzuki-Kundenteam: Nur Gresini und Avintia verfügbar

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Suzuki sucht zum wiederholten Male ein MotoGP-Kundenteam. Doch LCR, Tech3, Pramac und Petronas planen keinen Wechsel. Die Kandidatenliste bleibt also überschaubar.

Suzuki-Ecstar-Teammanager Davide Brivio erklärte im SPEEDWEEK.com-Interview in dieser Woche, dass er für 2022 und die Jahre danach gern ein MotoGP-Kundenteam ausrüsten möchte, er diesen Plan aber zuerst den Japanern schmackhaft machen müsse. Und er ist sich auch bewusst, dass die Anzahl der möglichen Suzuki-Partner gering ist, weil vier Privatteams langfristig mit ihren aktuellen Herstellern zusammenarbeiten wollen. Diese Rennställe sind Petronas-Yamaha, Tech3-KTM, Pramac-Ducati und LCR-Honda. Bleiben also nur zwei Möglichkeiten: Gresini Racing (bisher Aprilia) und Esponsorama Avintia Racing (bisher Ducati).

Suzuki hat zwar mit den Plätzen 2 und 3 von Joan Mir und Alex Rins beim Catalunya-GP eine starke Leistung gezeigt. Aber ob Gresini genügend Budget findet, um sich mit Suzuki verbünden zu können, ist fraglich. Er ist für 2015 das Joint-Venture mit Aprilia eingegangen, weil er nach dem Rückzug von Hauptsponsor Go & Fun sein Honda-MotoGP-Team nicht mehr finanzieren konnte. Heute ist dafür ein Budget von 10 bis 15 Millionen Euro nötig, auch wenn die Dorna davon ca. 4,5 Millionen für zwei Fahrer zuschießt.

Für 2021 werden alle Kundenteams mit ihren bisherigen Herstellern weiter machen.

Für die Jahre 2021 bis inklusive 2026 wird die Dorna Sports S.L. mit den Werken und Kundenteams neue Fünf-Jahres-Verträge abschließen. Aprilia Renndirektor Massimo Rivola beansprucht nach sieben Jahren Partnerschaft mit Gresini für 2021 und die Jahre danach zwei eigene Fahrerplätze – wie sie alle anderen Werke haben. Aber die erforderlichen Zugeständnisse will Aprilia bisher nicht zusichern. Da geht es zum Beispiel darum, dass Aprilia alle Zuschüsse zurückzahlen muss, wenn das Werk vor Ende der fünf Jahre aussteigt.

Kommt es zwischen Dorna und Aprilia nicht bald zu einer Einigung, wird Aprilia nur mit den zwei Plätzen von Gresini oder Avintia weitermachen können.

Ducati kann sich auch nach der Saison 2021 die Ausrüstung von insgesamt drei Teams vorstellen: Ducati Corse, Pramac und Esponsorama Avintia. Der Deal mit Esponsorama-Teambesitzer Raúl Romero läuft zwar Ende 2021 aus, aber die Zusammenarbeit wurde seit November 2019 durch die Verpflichtung von Johann Zarco enger. 2021 wird Ducati eventuell gleich zwei Fahrer bei Avintia platzieren – Luca Marini und Enea Bastianini.

Mit Pramac-Teambesitzer Paolo Campinoti wird momentan sogar ein neuer Vertrag über drei Jahre bis Ende 2023 verhandelt.

Campinoti hört sich zwar als tüchtiger Geschäftsmann auch bei Suzuki und Aprilia um, aber er setzt seit der Saison 2005 auf Ducati – und wird mit den Roten weitermachen.

Auch LCR-Honda-Teambesitzer Lucio Cecchinello hat keine Abwanderungspläne. Er wird in der MotoGP-WM seit 2006 (Casey Stoner) von HRC ausgerüstet.

«Ich habe auch in der Vergangenheit nie persönlich Kontakt zu anderen Werken aufgenommen», versichert Cecchinello im Interview mit SPEEDWEEK.com. «Im Laufe der Saison 2016 bin ich von Suzuki, Aprilia und auch von KTM angesprochen worden. Es waren sehr kurze Diskussionen. Wir waren immer daran interessiert, mit anderen Herstellern ihre Zukunftsplätze zu besprechen. Aber ehrlich gesagt: Ich bin zufrieden, wo ich bin. Ich habe eine schöne und langfristige Zusammenarbeit mit Honda, seit 2006. In der 125er-Klasse bin ich schon in den frühen 1990er-Jahren selbst die WM mit Honda gefahren. Ich kenne alle maßgeblichen Manager bei HRC. Unsere Zusammenarbeit basiert auf gegenseitigem Respekt. Wenn mir Honda die Gelegenheit zur Fortsetzung der Zusammenarbeit anbietet, werde ich sie ergreifen und auch in der Zukunft loyal zu Honda bleiben.»

Auch Tech3-KTM-Teambesitzer Hervé Poncharal muss sich um keinen neuen Partner umschauen. Er bildete von 2001 bis Ende 2018 ein Yamaha-Kundenteam und wird nächstes Jahr die dritte Saison mit KTM verbringen. Pit Beirer, Motorsport-Direktor von KTM, rechnet fix mit einen Verlängerung des Drei-Jahres-Vertrags: «Unsere Aufstellung steht. Wir haben mit Tech3 einen super Partner und wollen mit Hervé Poncharal noch viele Jahre zusammenarbeiten.»

Petronas hat nach der Saison 2018 von Tech3 den Status des Yamaha-Kundenteams übernommen. Er wurde ein Drei-Jahres-Vertrag bis Ende 2021 vereinbart. In diesem Jahr haben Quartararo und Morbidelli schon vier GP-Siege gefeiert, das Werksteam einen mit Viñales. «Wir werden zu Jahresbeginn 2021 über die Zukunft diskutieren», sagt Yamaha-Renndirektor Lin Jarvis, der froh ist über sein von Petronas und Sepang Circuit finanziertes Kundenteam.

Ergebnisse MotoGP Catalunya/E:

1. Fabio Quartararo (F), Yamaha, 24 Runden in 40:33,176 min
2. Joan Mir (E), Suzuki, +0,928 sec
3. Alex Rins (E), Suzuki, +1,898
4. Franco Morbidelli (I), Yamaha, +2,846
5. Jack Miller (AUS), Ducati, +3,391
6. Pecco Bagnaia (I), Ducati, +3,518
7. Takaaki Nakagami (J), Honda, 3,671
8. Danilo Petrucci (I), Ducati, +6,117
9. Maverick Vinales (E), Yamaha, +13,607
10. Cal Crutchlow (GB), Honda, +14,483
11. Brad Binder (ZA), KTM, +14,927
12. Aleix Espargaró (E), Aprilia, +15,647
13. Alex Marquez (E), Honda, +17,327
14. Iker Lecuona (E), KTM, +27,066
15. Tito Rabat (E), Ducati, +27,282
16. Bradley Smith (GB), Aprilia, +28,736
17. Stefan Bradl (D), Honda, +32,643
– Miguel Oliveira (P), KTM
– Valentino Rossi (I), Yamaha
– Pol Espargaró (E), KTM
– Johann Zarco (F), Ducati
– Andrea Dovizioso (I), Ducati

Fahrer-WM nach 8 von 14 Rennen:

1. Quartararo, 108 Punkte. 2. Mir 100. 3. Viñales 90. 4. Dovizioso 84. 5. Morbidelli 77. 6. Miller 75. 7. Nakagami 72. 8. Rins 60. 9. Oliveira 59. 10. Binder 58. 11. Rossi 58. 12. Pol Espargaró 57. 13. Bagnaia 39. 14. Petrucci 39. 15. Zarco 36. 16. Alex Márquez 27. 17. Aleix Espargaró 22. 18. Lecuona 17. 19. Crutchlow 13. 20. Smith. 11. 21. Rabat 8. 22. Pirro 4.

Konstrukteurs-WM:

1. Yamaha, 163 Punkte. 2. Ducati 126. 3. Suzuki 113. 4. KTM 109. 5. Honda 72. 6. Aprilia 30.

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