Aprilia: «Mit Iannone wäre die Situation eine andere»

Von Nora Lantschner
MotoGP
Andrea Iannone (links) muss seine RS-GP Bradley Smith überlassen, der neben Aleix Espargaró (rechts) zum Stammfahrer aufstieg

Andrea Iannone (links) muss seine RS-GP Bradley Smith überlassen, der neben Aleix Espargaró (rechts) zum Stammfahrer aufstieg

Aprilia Racing Track Manager Paolo Bonora ist überzeugt davon, dass die Fortschritte an der RS-GP20 größer sind, als es die Ergebnisse von Aleix Espargaró und vor allem Bradley Smith vermuten lassen.

Die Erwartungen waren vor allem in Noale groß, als die neue Aprilia RS-GP ihr Debüt auf der Rennstrecke gab – allerdings erst im Februar in Sepang. Herzstück ist der neue Motor mit einem auf 90 Grad erhöhten Zylinderwinkel. Aleix Espargaró lobte das Motorrad schon nach den ersten Runden in den höchsten Tönen und belegte mit einem überschaubaren Rückstand von 0,345 Sekunden den zehnten Platz des Sepang-Tests.

Die Rennergebnisse lassen 2020 allerdings noch keine deutliche Steigerung erkennen: Platz 10 in Brünn ist die bisherige Saisonbestleistung des Spaniers, auf der anderen Seite stehen bei der Aprilia-Speerspitze drei Nuller in acht Rennen – obwohl er immer wieder beteuert, wie gut das Gefühl auf der RS-GP20 sei. Das Problem: Um die mangelhafte Beschleunigung («der langsamste Motor in diesem Feld») auszugleichen, müsse er mehr riskieren. So die Erklärung des 31-jährigen Familienvaters.

Nach dem Catalunya-GP belegt Aleix Espargaró WM-Rang 17 (22 Punkte), Bradley Smith folgt auf Platz 20 (11 Punkte).

Dass die Ergebnisse in der laufenden Saison den erzielten Fortschritten nicht gerecht werden, sieht auch Paolo Bonora so, der Aprilia Racing Track Manager: «Während den Wintertests haben wir gesehen, dass die RS-GP 2020 im Vergleich zum Vorgängermodell eine große Verbesserung darstellt. Leider hatten wir zum Beginn der Saison ein Problem mit dem Motor, was die Verlässlichkeit angeht. Wir haben also die anderen Hersteller um die Erlaubnis gebeten, die Kolben-Spezifikation tauschen zu dürfen im Vergleich zu dem, was wir homologiert hatten. Dafür danken wir ihnen.»

Der Motor bleibt aber die große Baustelle: «Im Moment arbeiten wir so hart am Motor. Denn in Sepang, beim ersten Test im Winter, haben wir gesehen, dass das Motorrad gut ist, wenn es um das Turning und die Richtungswechsel geht. Im Moment fehlt uns aber etwas auf der Seite des Motors. Der Hauptpunkt ist für uns daher, am Motor zu arbeiten: Sicherlich, um PS dazuzugewinnen – denn davon hat ein Fahrer nie genug – aber auch um die Fahrbarkeit zu verbessern. Wir versuchen, eine bessere Verbindung zu finden, wenn man ans Gas geht, um die maximale Beschleunigung zu erreichen und dem Fahrer das maximale Vertrauen zu geben.»

Erschwerend hinzu kommt für Aprilia, dass der eigentliche Stammfahrer Andrea Iannone seit dem 17. Dezember 2019 gesperrt ist, weil in seiner Urinprobe vom Sepang-GP 2019 die verbotene Substanz Drostanolon nachgewiesen wurde. Der Internationale Sportgerichtshof soll am 15. Oktober endgültig über die 18-monatige Sperre entscheiden.

Bis dahin wurde Bradley Smith vom Testfahrer zum Stammpiloten befördert. Bonora macht aber keinen Hehl daraus, darin einen großen Nachteil zu sehen: «Im Moment haben wir die Fortschritte, die uns am Motorrad gelungen sind, auf der Strecke noch nicht gesehen. Denn wenn man nur einen Fahrer hat… Bradley ist ein guter Testfahrer, aber mit Andrea Iannone auf der Strecke hätte die Situation für uns eine andere sein sollen. Wir leiden sehr, wir haben im Moment nur Aleix Espargaró, der so stark Druck macht für die Entwicklung des Bikes. Gleichzeitig versuchen wir auch, Bradley das Vertrauen eines offiziellen Stammfahrers auf dem Motorrad zu geben.»

Die Corona-bedingte Zwangspause, die damit verbundenen Einschränkungen und der dicht gedrängte Kalender tun ihr Übriges, glaubt auch der Aprilia-Ingenieur: «Absolut. Covid-19 hat es für alle Hersteller schwierig gemacht, wenn es um die Entwicklung des Motors und des Bikes geht. Wir versuchen, so viel wie möglich an den Rennwochenenden zu testen. Aber wie man weiß, ist es schwierig, Dinge zu testen, ohne bei der Performance des Fahrers einzubüßen. Im Moment sind wir also auf das Testteam konzentriert, aber dass Bradley Smith bei den Rennen involviert ist, macht es zu einer schwierigen Situation für uns. Wir versuchen es so gut, wie es eben geht, zu managen, damit wir mit Bradley während der Rennwochenenden einiges testen können.»

Die Verantwortung für die noch nicht zufriedenstellenden Ergebnisse will Bonora trotzdem nicht einem Faktor zuschieben: «Das ist immer gleichmäßig auf Team, Bike und Fahrer verteilt. Wir müssen uns sicher in jedem Bereich verbessern.»

In dieser Hinsicht interessant: Weil KTM in dieser Saison schon zwei Siege und zwei weitere Podestplätze erzielte und damit die Zugeständnisse für Neueinsteiger verliert, wird künftig nur noch der Hersteller aus Noale von den «concession» profitieren und somit im Gegensatz zu den anderen Herstellern auch während der Saison 2021 am Motor arbeiten dürfen.

Fahrer-WM nach 8 von 14 Rennen:

1. Quartararo, 108 Punkte. 2. Mir 100. 3. Viñales 90. 4. Dovizioso 84. 5. Morbidelli 77. 6. Miller 75. 7. Nakagami 72. 8. Rins 60. 9. Oliveira 59. 10. Binder 58. 11. Rossi 58. 12. Pol Espargaró 57. 13. Bagnaia 39. 14. Petrucci 39. 15. Zarco 36. 16. Alex Márquez 27. 17. Aleix Espargaró 22. 18. Lecuona 17. 19. Crutchlow 13. 20. Smith 11. 21. Rabat 8. 22. Pirro 4.

Konstrukteurs-WM:

1. Yamaha, 163 Punkte. 2. Ducati 126. 3. Suzuki 113. 4. KTM 109. 5. Honda 72. 6. Aprilia 30.

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