Phil Read in der Armutsfalle: Crowd-Funding-Aktion

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Phil Read steckt finanziell in der Klemme

Phil Read steckt finanziell in der Klemme

Der 81-jährige Publikumsliebling Phil Read ist seit zwei Jahren nicht nur Dauergast im Krankenhaus, jetzt befindet er sich auch noch in einem finanziellen Engpass. Eine Spendenaktion soll ihm helfen.

Der achtfache Motorrad-Weltmeister Phil Read befindet sich mit 81 Jahren in England in einer bemitleidenswerten Situation. Wegen einer schweren Vorerkrankung (Lungenkrankheit COPD) und seiner 81 Jahre zählt der achtfache Motorrad-Weltmeister Phil Read zu Corona-Risikogruppe.

Schon am 10. April 2020 wandte sich Phil Read mit einem berunruhigenden Facebook-Post an seine zahlreichen Fans: «Ich bin gerade aus dem großartigen Canterbury NHS Spital entlassen und von diesem unsäglichen Virus befreit worden!!! Aber ich brauche immer noch Sauerstoff für meine angeschlagenen Lungen, denn ich leide an der Lungenkrankheit COPD. Ich weiß aus der Vergangenheit, was mir in dieser Hinsicht am besten hilft. Deshalb habe ich Malaria-Vorsorgetabletten bestellt, Antovaquone/Proguanil, das sind 100 mg-Pillen. Ich habe auch im Internet gelesen und im Fernsehen gehört, dass den Patienten damit das Atmen leichter fällt. Drücken wir die Daumen!»

Doch die Covid-19-Seuche hat den populären Phil Read auch von einer anderen Seite schwer getroffen. Er konnte an keinen Classic-Veranstaltungen teilnehmen und nicht reisen, deshalb brachen seine Einnahmen vollkommen weg. Er hat in der Vergangenheit bei den Classic-Bike-Rennen und anderen Events immer wieder stattliche Antrittsgelder kassiert, auch mit 80 Jahren noch.

Deshalb ist in Großbritannien jetzt auf der Website gofundme.com eine Aktion unter dem Titel «Helping Phil Read» angelaufen, sie wurde von Fundraiser Stephen Williams ins Leben gerufen. «Ich kenne Phil Read seit mehr als 40 Jahren. Wir waren immer die besten Freunde. Traurigerweise ist Phil jetzt durch seine Krankheit und wegen Covid-19 nicht mehr in der Lage, öffentliche Auftritte zu absolvieren. Das hat zu einem finanziellen Engpass geführt. Phil musste in den letzten Jahren immer wieder wegen Atembeschwerden ins Krankenhaus. Er hat Mühe, seine Lebenskosten zu decken. Und obwohl ich ihm so gut wie möglich geholfen habe, benötigt er noch zusätzlich etwas Geld, damit er ein komfortableres Leben führen kann», appellierte Stephen Williams an die Fangemeinde des Briten.

Bei diesem Crowd Funding sollen zumindest 5000 Pfund gesammelt werden, bisher sind seit 19. Oktober immerhin 560 Pfund eingezahlt worden, meist sind es Beträge von 20, 25, 30 oder 50 Pfund. Auch Ex-Rennfahrer wie Eddie Roberts haben ihr Scherflein beigetragen.

Denn in der Szene ist es ein offenes Geheimnis, dass Phil Read seine Ersparnisse aus den lukrativen Verträgen mit Yamaha, MV Agusta und Honda längst aufgebraucht hat.

Phil Read ist trotz der Rückschläge nicht unterzukriegen. Der legendäre britische Motorradrennfahrer, von der Queen (wie Hailwood und Sheene) mit dem hochrangigen Orden «Member of the British Empire (MBE) ausgezeichnet, musste schon vor zweieinhalb Jahren bei einem Classic-Event in Imola wegen einer akuten Herzschwäche ins Krankenhaus eingeliefert werden. Aber er erholte sich bald und ärgerte sich dann, weil ihm der Veranstalter das zugesagte Startgeld vorenthielt.

Read gewann im GP-Sport auf Yamaha und MV Agusta sieben WM-Titel, dazu 1977 die TT-Formel-1-WM (sie wurde auf gefährlichen Straßenkurs wie der Tourist Trophy ausgetragen) auf Honda. Am 1. Januar 2019 hat Phil seinen 80. Geburtstag gefeiert. Er kündigte damals an, er wolle 2019 als erster Mensch mit einem elektrischen Gyrokopter über den Ärmelkanal fliegen. «Die elektrische Kraft ist die Zukunft», erklärte Read, der mit seinem Sohn Phil 2018 beim Silverstone-GP war. Phil junior arbeitet als Marketing-Chef von Triumph Motorcycles in den USA.

Phil Read, der bis vor kurzem bei Classic-Wettbewerben immer noch ein gern gesehener Gast war, zählte zu den letzten Rennfahrern, die ein 500-ccm-WM-Rennen auf einer Viertakt-Rennmaschine gewannen. Er siegte auf der MV Agusta 1975 in Spa-Francorchamps (Rennschnitt 214,3 km/h) und in Brünn, Giacomo Agostini sogar noch 1976 auf dem Nürburgring.

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