Dovi-Kritik: Bei Ducati steht der Fahrer unter Druck

Von Nora Lantschner
In Portimão saß Andrea Dovizioso zum letzten Mal auf der Ducati

In Portimão saß Andrea Dovizioso zum letzten Mal auf der Ducati

Andrea Dovizioso beteuert, dass «DesmoDovi» nicht zufällig jahrelang auf seinem Leder stand: «Ich habe alles gegeben. Aber gewisse Leute bei Ducati meinten immer, dass ich es nicht genug versuchen würde.»

Der Ducati-Vertrag von Andrea Dovizioso lief am 31. Dezember 2020 aus, jetzt kann er offen reden. Er kritisiert im Interview mit der italienischen Sporttageszeitung La Gazzetta dello Sport, dass sein langjähriger Arbeitgeber sich nicht transparent und loyal verhalten habe und lässt durchblicken, dass der Bruch mit Gigi Dall’Igna zur Saisonmitte 2019 ausschlagend war.

Die Beziehung zum Ducati-Rennchef war 2020 schon gar nicht mehr vorhanden: «Null. Aber in den vergangenen Jahren waren es vielleicht… 30 Prozent? Mehr nicht. Seit Jorge gekommen ist – aber nicht, weil er im Team war – also 2017, haben ich und meine Mannschaft uns ein bisschen isoliert, weil immer diskutiert wurde und man sich uneins war. Wir haben nicht mehr geredet, um das Motorrad zu entwickeln, nur noch kommentiert, was passierte. Auf der einen Seite geht es einem damit besser, man regt sich weniger auf. Aber in einem Werksteam muss man arbeiten, für die Performance und die Entwicklung. Es gab keine Meetings mehr, um das Motorrad zu entwickeln. Auch wenn bei Ducati das Potential dafür vorhanden wäre, Kompetenz und Können sind auf einem sehr hohen Niveau. Das ist das Einzige, was mich nach diesen acht schwierigen, aber spektakulären Jahren wütend macht: Mit einer anderen Herangehensweise hätten wir mehr erreichen können. Seit 2017 haben wir uns mit Gigi nie mehr in Ruhe zusammengesetzt, um zu reden. Nein – ich habe das Feedback gegeben, er ist damit bestmöglich umgegangen. Wie in der Formel 1. Das Team ist so aufgebaut: Mehr Ingenieure und viele Dinge, die es zu managen gilt. Und aus meiner Sicht ist Ducati, im Vergleich zu anderen Herstellern, besser darin. Deshalb sind wir auch konkurrenzfähig geblieben, auch wenn das Motorrad – die Summe aus allem – es nicht mehr so sehr war. Es fehlte die Sicht aus dem Sattel heraus.»

Vor allem eines stört Dovizioso: «Andere Werke geben eine Pressekonferenz und entschuldigen sich bei den Fahrern [Yamaha 2018], bei uns nichts. Der Fahrer hat bei Ducati immer mehr Druck. ‚Da geht mehr, da geht mehr‘ – und das stimmt. Aber unabhängig davon, ob du Zweiter in der WM oder die dritte Ducati bist, wird dir das vermittelt. Solange du gut dabei bist, okay, aber sobald es schief läuft… Dann ist es gleich ein Desaster. Ein Rennen, zwei; ein Jahr, zwei… Da fällt es schwer, entspannt zu sein.»

Rückblickend hielt der Italiener gegenüber der Gazzetta dello Sport aber fest: «Ich erinnere mich in erster Linie an die schönen Ergebnisse. 2017, 2018 und ein bisschen auch 2019 waren spektakuläre Jahre. Und ‚DesmoDovi‘ stand nicht einfach so da. Ich habe alles gegeben, ich habe wirklich an dieses Projekt geglaubt. Im Gegensatz zu gewissen Leuten bei Ducati, die immer zu sehen glaubten, dass ich es nicht hartnäckig genug versuchte… Wer diesen Eindruck hatte, hat eine eingeschränkte Wahrnehmung und sieht gewisse Dynamiken falsch. Wenn jemand glaubt, dass es bei mir an Engagement und Hingabe gefehlt hat, ist er komplett auf dem Holzweg – und sollte sich einen anderen Job suchen.»

Übrigens: Ob Dovi sein Sabbatical (und die 28 geplanten Motocross-Rennen) bei einem Anruf von Honda auch nur für einzelne MotoGP-Einsätze unterbrechen würde, ließ er offen: «Ich möchte dazu nichts sagen. Ich will sehen, was sie mir anbieten. Falls sie es machen. Ich habe meine Vorstellung.»

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