Hervé Poncharal: Was sich bei KTM alles geändert hat

Von Günther Wiesinger
KTM-Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal und seine neuen Fahrer Remy Gardner und Raúl Fernández beginnt die Testsaison am Montag in Sepang. Der Tech3-Teamchef beschreibt die Veränderungen bei KTM.

Das KTM Tech3-Factory Team hat 2020 mit Miguel Oliveira in Spielberg und in Portimão triumphiert, doch 2021 gab es mit dem neuen Fahrerduo Danilo Petrucci und Iker Lecuona einige Enttäuschungen. Die einzigen wahren Lichtblicke: Platz 5 durch «Petrux» in Le Mans und Rang 6 durch Lecuona beim verregneten Österreich-GP.

Doch vor der MotoGP-Saison herrscht bei der Mannschaft von Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal frische Zuversicht. Denn mit Moto2-Weltmeister Remy Gardner und dem WM-Zweiten Raúl Fernández (21) rückt das KTM-Satelliten-Team mit einem jungen, verheißungsvollen Fahrerduo aus.

Außerdem hat sich KTM personell neu aufgestellt. Das Tech3-Team wird noch enger ans Werk gebunden, dafür wird auch der neue Technical Coordinator Esteban Garcia (er war bis Sommer 2021 Crew-Chief von Maverick Viñales bei Yamaha) sorgen. Dazu gibt es mit dem ehemaligen Ducati-Ingenieur Fabiano Sterlacchini einen neuen «Head of MotoGP Technology», und Francesco Guidotti (zuletzt zehn Jahre bei Pramac-Ducati) tritt neu als Teammanager beim Red Bull-KTM-Team mit den Piloten Miguel Oliveira und Brad Binder auf.

Bei KTM Factory Racing in Munderfing wurden von 10. bis 17. Januar von den Crews der beiden MotoGP-Teams die acht KTM RC16 für den Saisonstart aufgebaut. Danach wurden sie nach Sepang/Malaysia verfrachtet, wo für das Tech3-Team mit den beiden Rookies am Montag (31. Januar) der dreitägige Shake-Down-Test beginnt. Auch Tech3-Teambesitzer Hervé Poncharal hielt sich eine Woche lang im oberösterreichischen Innviertel auf.

Hervé, nach dem schwierigen Jahr mit etlichen Ups und Downs herrscht bei KTM wieder Aufbruchsstimmung.

Ja, die beiden MotoGP-Teams arbeiten noch enger zusammen als bisher. Die vier Fahrer bilden jetzt eine gemeinsames Mannschaft. Alle Techniker haben in Munderfing zusammengearbeitet. Alle Werksmaschinen sind völlig identisch, die Bikes der beiden Teams unterscheiden sich nur durch das äußerliche Design.

Deine beiden Fahrer haben einen MotoGP-Testtag im September in Misano absolviert, dann zwei im November in Jerez. Außerdem hast du jetzt die neuen Motorräder gesehen. Rechnest du damit, dass die Schwachstellen der KTM RC16 beseitigt worden sind?

Ich bin nicht jeden Tag in Munderfing, ich dirigiere die technische Entwicklung nicht, und ich bin nicht Gott. Deshalb kann ich diese Frage nicht beantworten.

Aber ich kann kann dir versichern, dass sich im MotoGP-Departement von der Organisation her etwas verändert hat. Fabio Sterlacchini ist jetzt der Chef der MotoGP-Entwicklung und der dazu gehörenden Organisation. Er ist für die ganze strategische Entwicklung verantwortlich und wird von Ing. Sebastian Risse unterstützt, dem Technical Director MotoGP.

Ich will keine dummen Vergleiche machen, aber Fabiano ist jetzt so etwas wie der Gigi Dall’Igna von KTM.

Doch im Gegensatz zu Gigi wird er nicht zu allen Grands Prix kommen. Ich habe Fabiano vor zwei Wochen in Munderfing getroffen und festgestellt, dass er sich in seiner neuen Aufgabe sehr wohl fühlt. Er ist zuversichtlich und weiß inzwischen, was wir brauchen. Er hat ein gutes Einverständnis mit Sebastian Risse, die beiden ergänzen sich ausgezeichnet, sie arbeiten vertrauensvoll zusammen.

Sebastian wird zu jedem einzelnen Rennen kommen und von dort an Fabiano Sterlacchini berichten. Fabiano wird bei 30 bis 40 Prozent der Grands Prix dabei sein, aber er muss auch genug Zeit im Hauptquartier in Österreich verbringen, um dort mit Motoren-Designer Kurt Trieb, mit den Aerodynamik-Spezialisten und Peter Bergvall von WP Suspension kommunizieren zu können.

2021 gab es Strecken, auf denen KTM auf keinen grünen Zweig kam. Das Fenster, in dem die KTM RC16 optimal funktionierte, war sehr schmal. Oft kamen die Reifen nicht auf Temperatur, das führte immer wieder zu schlechten Qualifying-Ergebnissen.

Wenn man das Motorrad vom November-Test in Jerez mit dem 2022-Modell für den Sepang-Test vergleicht, entdeckt man keine dramatischen Veränderungen.

Aber die Techniker haben an Details in allen Bereichen gearbeitet, sehr viel am Motor, dazu an der Aerodynamik, an der Suspension und so weiter. Es gibt viele Verbesserungen, die in Summe einen klaren Unterschied ausmachen können.

Man sieht immer noch die KTM RC16, wie wir sie kennen.

Aber man hat auch an der Ducati GP20 und GP21 keine großen Unterschiede erkannt. Trotzdem waren die Ergebnisse 2021 deutlich besser.

Hoffentlich gelingt uns bei KTM ein ähnlicher Fortschritt.

Es gibt gute Gründe für unsere Zuversicht. Wir haben bei unserem MotoGP-Projekt mit Sterlacchini, Risse, Trieb, Bergvall und so weiter ausgezeichnete Techniker am Werk.

Dazu haben wir vier Fahrer, die unser Vertrauen verdienen. Miguel und Brad haben in den letzten zwei Jahren für KTM fünf WM-Rennen gewonnen. Bei Tech3 kommen jetzt mit Remy und Raúl zwei Rookies hinzu, die die Moto2-WM im Vorjahr auf den Plätzen 1 und 2 beendet haben.

Wir werden also wertvolles Feedback von vier unterschiedlichen Fahrern haben.

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