Pit Beirer: «KTM denkt nicht an MotoGP-Ausstieg»

Von Günther Wiesinger
«Wir haben durch die MotoGP-Beteiligung weltweit eine gewaltige Resonanz», sagt KTM-Rennchef Pit Beirer. «Ich kenne keine Rückzugs-Diskussionen von anderen Herstellern; bei KTM gibt es sie ebenfalls nicht.»

Nach dem für das Saisonende 2022 geplanten MotoGP-Rückzug des Suzuki Ecstar-Werksteams wurde die Frage gestellt, ob diese Vorgangsweise Signalwirkung haben und auch andere Werke zum Nachdenken bringen könnte, obwohl auch Honda, Yamaha, Ducati, KTM und Aprilia neue Fünf-Jahres-Verträge bis Ende 2026 unterschrieben haben.

Die älteren GP-Fans erinnern sich noch an die 1960er-Jahre: Damals zogen sich die japanischen Werke alle auf einen Schlag nach der Saison 1967 zurück, weil der Weltverband FIM die ausufernde Technik eindämmen und die ins Hintertreffen geratenen kleinen europäischen Werke schützen wollte. So wurde die Zylinderanzahl für 50-ccm-Rennmaschine auf einen reduziert, in der 125er und 250er auf maximal zwei, in der 350er-Klasse erlaubten die FIM-Funktionäre ab 1967 maximal drei Zylinder, in der 500er-Klasse höchstens vier.

Dabei hat Suzuki in den 1960er-Jahren mit Hans-Georg Anscheidt vorübergehend in der 50-ccm-Klasse sogar einen Dreizylinder-Prototyp erprobt! Honda setzte werkseitig 125-ccm-Viertakt-Fünfzylinder-Maschinen ein und eine 250-ccm-Sechszylinder. Dazu wurden nach 1967 maximal sechs Gänge erlaubt, die Suzuki-Werksfahrer betätigten vorher in der 125er-Klasse an den Zweitakt-Twins bis zu 14 Gänge.

Aber heute existiert ein offener Gedankenaustausch zwischen Rechte-Inhaber Dorna und den Werken, die in der Hersteller-Vereinigung MSMA für die technischen Vorschriften verantwortlich sind und nicht mehr unter der Fuchtel der FIM-Dilettanten stehen.

Deshalb bahnt sich jetzt kein neuer MotoGP-Exodus der Japaner an.

Bei Honda zeichnet sich zwar bisher keine Rückkehr zu ruhmreichen Zeiten ab, aber Honda ist vom Spitzensport seit der Rückkehr 1979 nicht mehr wegzudenken. Sie kämpfen auch in der Moto3-WM vorne mit, haben 2021 die Dakar-Rallye gewonnen, dominieren mit Tom Gajser die MXGP-WM und betreiben in den MX-Serien in den USA viel Aufwand – für Ken Roczen zum Beispiel.

Aprilia verkauft zwar von dieser Marke keine nennenswerten Stückzahlen, die ein MotoGP-Budget von mindestens 30 Millionen Euro dauerhaft rechtfertigen würden. Aber Piaggio-Group-Chef Roberto Colaninno wollte und will mit Aprilia beweisen, dass er sich vor dem Erzrivalen Ducati nicht verstecken muss und in seinem Hause weiter Spitzen-Technologie vorhanden ist, auch nach dem Abgang von Gigi Dall'Igna zu Ducati im Oktober 2013.

Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta hat klar gemacht, dass die beiden durch den Suzuki-Rückzug vakanten MotoGP-Plätze nicht irgendeinem Privatteam aus der Moto3 oder Moto2 übergeben werden.

Denn die finanzschwachen Privatteams wie AB MotoRacing, Paul Bird Motorsport, IodaRacing, Forward, Avintia sowie Marc VDS und Aspar Martinez wurden Schritt für Schritt aus der WM eliminiert, als 2015 mit Suzuki und Aprilia sowie KTM (ab 2017) drei neue Hersteller in die «premier class» kamen. Suzuki hatte nach 2011 drei Jahre pausiert, Aprilia sogar seit Ende 2004.

Man darf davon ausgehen, dass sich Werke wie BMW, Kawasaki und MV Agusta jetzt nicht Hals über Kopf in ein MotoGP-Abenteuer stürzen werden.

Auch die Hoffnungen, die Pierer Mobility AG könne neben KTM auch die Marke GASGAS kurzfristig in die Königsklasse bringen, wird sich nicht so rasch erfüllen, obwohl Firmenchef Stefan Pierer diese Möglichkeit im August 2021 gegenüber SPEEDWEEK.com nicht ausgeschlossen hat. «Zuerst wollen wir GASGAS mit dem Aspar-Team in der Moto2-WM etablieren» bekräftigte Pierer.

«Ich hoffe, dass sich nach Suzuki nicht weitere Hersteller aus der MotoGP-WM zurückziehen. Aber ich kann natürlich nicht für andere Werke sprechen», sagt KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer. «Ich kann nur für KTM bestätigen, dass wir durch die MotoGP-Beteiligung weltweit eine gewaltige Resonanz haben und uns die MotoGP eine immense positive Energie beschert hat. Wir freuen uns, mit der Dorna einen professionellen Partner zu haben und dass die MotoGP-Rennen heute genial mit attraktiven Fernsehbildern in die Wohnzimmer übertragen werden. Ich kenne keine Rückzugs-Diskussionen von anderen Herstellern; bei KTM gibt es sie ebenfalls nicht.»

Im Gegenteil: Pit Beirer bestätigte aktuelle Gespräche mit den renommierten Toppiloten Jack Miller, Alex Rins und Pol Espargaró für den Fall, dass aus dem jetzigen MotoGP-Aufgebot jemand ersetzt werden muss: Binder hat einem Vertrag bis Ende 2024; auf Oliveira, Gardner und Raúl Fernández hat KTM jeweils Optionen, die bis Juli eingelöst werden können. 

«Ich habe das Gefühl, die MotoGP ist momentan ein sehr starkes Produkt», sagt Beirer im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Ich glaube und hoffe nicht, dass sich jetzt wegen Suzuki eine Sogwirkung ergibt.»

MotoGP-Ergebnis, Le Mans (15. Mai):

1. Bastianini, Ducati, 27 Rdn in 41:34,613 min
2. Miller, Ducati, + 2,718 sec
3. Aleix Espargaró, Aprilia, + 4,182
4. Quartararo, Yamaha, + 4,288
5. Zarco, Ducati, + 11,139
6. Marc Márquez, Honda, + 15,155
7. Nakagami, Honda, + 16,680
8. Brad Binder, KTM, + 18,459
9. Marini, Ducati, + 20,541
10. Viñales, Aprilia, + 21,486
11. Pol Espargaró, Honda, + 22,707
12. Bezzecchi, Ducati, + 23,408
13. Di Giannantonio, Ducati, + 26,432
14. Alex Márquez, Honda, + 28,710
15. Morbidelli, Yamaha, + 29,433
16. Dovizioso, Yamaha, + 38,149
17. Darryn Binder, Yamaha, + 59,748
– Oliveira, KTM, 3 Runden zurück
– Bagnaia, Ducati, 7 Runden zurück
– Martin, Ducati, 11 Runden zurück
– Mir, Suzuki, 14 Runden zurück
– Fernández, KTM, 21 Runden zurück
– Rins, Suzuki, 22 Runden zurück
– Gardner, KTM, 24 Runden zurück

WM-Stand nach 7 von 21 Grand Prix:

1. Quartararo 102 Punkte. 2. Aleix Espargaró 98. 3. Bastianini 94. 4. Rins 69. 5. Miller 62. 6. Zarco 62. 7. Bagnaia 56. 8. Brad Binder 56. 9. Mir 56. 10. Marc Márquez 54. 11. Oliveira 43. 12. Pol Espargaró 40. 13. Viñales 33. 14. Nakagami 30. 15. Martin 28. 16. Marini 21. 17. Morbidelli 19. 18. Bezzecchi 19. 19. Alex Márquez 18. 20. Dovizioso 8. 21. Darryn Binder 6. 22. Di Giannantonio 3. 23. Gardner 3.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati 156 Punkte. 2. Yamaha 102. 3. Aprilia 99. 4. KTM 84. 5. Suzuki 80. 6. Honda 67.

Team-WM:

1. Aprilia Racing 131 Punkte. 2. Suzuki Ecstar 125. 3. Monster Energy Yamaha 121. 4. Ducati Lenovo 118. 5. Red Bull KTM Factory 99. 6. Gresini Racing MotoGP 97. 7. Repsol Honda 94. 8. Pramac Racing 90. 9. LCR Honda 48. 10. Mooney VR46 Racing 40. 11. WithU Yamaha RNF 14. 12. Tech3 KTM Factory 3.


Diesen Artikel teilen auf...

Mehr über...

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Max Verstappen: Der grösste Gegner ist nicht Ferrari

Mathias Brunner
Der Niederländer Max Verstappen liegt nach dem sechsten Saisonsieg überlegen in WM-Führung. Aber der 26-fache GP-Sieger hat Respekt vor seinem gefährlichsten Hindernis auf dem Weg zum zweiten Titel.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Mo.. 04.07., 00:25, Motorvision TV
    Australian Superbike Championship 2022
  • Mo.. 04.07., 05:00, Motorvision TV
    Goodwood 2022
  • Mo.. 04.07., 05:30, Puls 4
    Café Puls mit PULS 4 News
  • Mo.. 04.07., 06:00, ORF Sport+
    silent sports +
  • Mo.. 04.07., 06:00, Motorvision TV
    Monster Jam Championship Series
  • Mo.. 04.07., 06:00, Puls 4
    Café Puls mit PULS 4 News
  • Mo.. 04.07., 06:06, ORF Sport+
    silent sports +
  • Mo.. 04.07., 06:10, ORF Sport+
    silent sports +
  • Mo.. 04.07., 06:14, ORF Sport+
    silent sports +
  • Mo.. 04.07., 06:24, ORF Sport+
    silent sports +
» zum TV-Programm
5AT