Pit Beirer: Joan Mir kommt nicht – Gardner fraglich

Von Günther Wiesinger
Joan Mirs Manager Paco Sanchez kümmert sich auch um Remy Gardner und kritisierte KTM und das Tech3-Team heftig. KTM-Rennchef Pit Beirer rätselt deshalb, ob eine weitere Zusammenarbeit mit Gardner zustande kommt.

KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer sieht sich momentan intensiv nach Alternativen um für den Fall, dass ihm für 2023 ein oder zwei Fahrer des bisherigen KTM-MotoGP-Quartetts abhandenkommen. Bisher ist nur Brad Binder für 2023 und 2024 gesetzt. Auf Miguel Oliveira und die beiden Rookies Remy Gardner und Rául Fernández aus dem Tech3-Team von Hervé Poncharal besitzt KTM Optionen, also ein Vorkaufsrecht, das bis zum Sommer eingelöst werden muss – oder man gibt den Fahrer frei.

Pit Beirer bestätigte im Interview mit SPEEDWEEK.com für 2023 und 2024 starkes Interesse an Jack Miller, Alex Rins und Pol Espargaró. Gleichzeitig bedauerte er, dass Joan Mirs Manager Paco Sanchez an KTM kein gutes Haar lässt und deshalb auch der zweifache Weltmeister aus Spanien nicht bei KTM angeboten wird. Diese Situation könnte zur Trennung von Remy Gardner führen, der ebenfalls von Sanchez gemanagt wird.

«Paco Sanchez lässt momentan keine Gelegenheit aus, um über uns zu schimpfen», erklärte Pit Beirer nach dem Le-Mans-GP im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Er wettert über KTM, über das Tech3-Team und den Vertrag, den wir seinem Fahrer Remy Gardner für 2023 angeboten haben. Mit solchen Aussagen habe ich sehr viel Mühe. Denn Remy und Raúl sind einfach Rookies in dieser Klasse. An guten Tagen hat Remy schon gezeigt, dass er funken und vor den anderen Rookies in dieser Kategorie fahren kann. Deshalb ist auf seinem Weg in der MotoGP bisher gar nichts verloren, weder an den Ergebnissen, noch am Weg, den ein Neuling beschreitet. Doch für Rookies braucht man in dieser Klasse etwas Geduld, bis die ersten Ergebnisse kommen. In so einer Phase möchten wir uns von einem Manager wie dem Herrn Paco Sanchez nicht unbedingt vorführen lassen.»

Red Bull und KTM haben in Gardners Karriere, der 2021 die Moto2-Weltmeisterschaft im Red Bull KTM-Ajo-Team gewann, bisher einiges investiert – sie trauen ihm auch in der «premier class» einiges zu.

Pit Beirer: «Fahrer-Manager sind eine Plage»

«Meine Erkenntnis aus den letzten zwei, drei Wochen war, dass es immer wieder wichtig ist, auch direkt mit den Fahrern zu reden», betont Pit Beirer. «Zu einem Teil der Fahrer-Manager kann ich nur sagen: Sie sind die größte Plage, die außer Corona in den letzten Jahren über das Fahrerlager hereingebrochen ist.»

«Paco Sanchez wirft uns vor, dass wir mit dem Tech3-Team keinen guten Job machen», ärgerte sich der Pit Beirer, der 250-ccm-Motocross-Vizeweltmeister von 1999. «Entschuldigung, Teambesitzer Hervé Poncharal ist seit 30 Jahren in diesem Fahrerlager erfolgreich, er ist seit mehr als 20 Jahren IRTA-Präsident. Er hat mehr als 50 Mitarbeitende, die er jeden Monat bezahlt. Hervé ist ein Teamchef und Profi durch und durch.»

Beirer weiter: «Wir haben mit Remy auch in der Moto2-WM einen guten Job gemacht, er ist mit uns als Weltmeister in die MotoGP aufgestiegen und hat bei uns die MotoGP-Chance gekriegt, mit einem sehr gut dotierten Vertrag. Dann muss ich in den Medien Aussagen von Herrn Sanchez lesen, dass KTM und Tech3 schlechte Verträge verteilen. Das muss man sich von jemandem vorwerfen lassen, der die ganze Woche womöglich nichts tut, als mit seinem Handy rumzuspielen. Wir hingegen beschäftigen in der MotoGP-Abteilung mehr als 100 Personen, damit wir bei jedem Grand Prix die bestmögliche Performance abliefern können.»

«Was da jetzt im Zusammenhang mit Remy passiert, ist ein großes Ärgernis. Es schadet auch den Fahrern. Sie sind natürlich unsere wahren Helden, weil sie es sind, die die Leistung bringen müssen», ergänzte der KTM-Stratege, der für 70 Werksfahrer und 500 Teammitglieder (auch für die Marken Husqvarna und GASGAS) verantwortlich ist, wobei allein KTM 327 WM-Titel gewonnen hat.

Da neben Gardner auch Suzuki-Star Joan Mir von Sanchez gemanagt wird, besteht kein Kontakt zwischen KTM und dem MotoGP-Weltmeister von 2020, der im Red Bull-Rookies-Cup auf einer KTM glänzte und in der Moto3-WM 2016 mit 16 Jahren auf dem fünften Rang landete.

«Wir mögen den Remy sehr gern und würden mit ihm gerne weitermachen», betont Beirer. «Aber es wäre besser, wenn uns sein Manager nicht dauernd in den Medien beschimpfen würde. Dann täten wir uns bei der Vertragsverlängerung leichter. Wir werden die Option auf Remy nicht gegen den Willen des Fahrers einlösen. Wenn er nicht bei uns bleiben will, ist das seine Entscheidung. Ich entnehme den Aussagen seines Managers, dass wir nicht der gewünschte Partner sind. Aber Fahrer-Manager und KTM-Fahrer sind zwei verschiedene Paar Stiefel. Denn mit Remy haben wir ein sehr gutes Verhältnis. Wir würden ganz gern mit ihm weitermachen.»

MotoGP-Ergebnis, Le Mans (15. Mai):

1. Bastianini, Ducati, 27 Rdn in 41:34,613 min
2. Miller, Ducati, + 2,718 sec
3. Aleix Espargaró, Aprilia, + 4,182
4. Quartararo, Yamaha, + 4,288
5. Zarco, Ducati, + 11,139
6. Marc Márquez, Honda, + 15,155
7. Nakagami, Honda, + 16,680
8. Brad Binder, KTM, + 18,459
9. Marini, Ducati, + 20,541
10. Viñales, Aprilia, + 21,486
11. Pol Espargaró, Honda, + 22,707
12. Bezzecchi, Ducati, + 23,408
13. Di Giannantonio, Ducati, + 26,432
14. Alex Márquez, Honda, + 28,710
15. Morbidelli, Yamaha, + 29,433
16. Dovizioso, Yamaha, + 38,149
17. Darryn Binder, Yamaha, + 59,748
– Oliveira, KTM, 3 Runden zurück
– Bagnaia, Ducati, 7 Runden zurück
– Martin, Ducati, 11 Runden zurück
– Mir, Suzuki, 14 Runden zurück
– Fernández, KTM, 21 Runden zurück
– Rins, Suzuki, 22 Runden zurück
– Gardner, KTM, 24 Runden zurück

WM-Stand nach 7 von 21 Grand Prix:

1. Quartararo 102 Punkte. 2. Aleix Espargaró 98. 3. Bastianini 94. 4. Rins 69. 5. Miller 62. 6. Zarco 62. 7. Bagnaia 56. 8. Brad Binder 56. 9. Mir 56. 10. Marc Márquez 54. 11. Oliveira 43. 12. Pol Espargaró 40. 13. Viñales 33. 14. Nakagami 30. 15. Martin 28. 16. Marini 21. 17. Morbidelli 19. 18. Bezzecchi 19. 19. Alex Márquez 18. 20. Dovizioso 8. 21. Darryn Binder 6. 22. Di Giannantonio 3. 23. Gardner 3.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati 156 Punkte. 2. Yamaha 102. 3. Aprilia 99. 4. KTM 84. 5. Suzuki 80. 6. Honda 67.

Team-WM:

1. Aprilia Racing 131 Punkte. 2. Suzuki Ecstar 125. 3. Monster Energy Yamaha 121. 4. Ducati Lenovo 118. 5. Red Bull KTM Factory 99. 6. Gresini Racing MotoGP 97. 7. Repsol Honda 94. 8. Pramac Racing 90. 9. LCR Honda 48. 10. Mooney VR46 Racing 40. 11. WithU Yamaha RNF 14. 12. Tech3 KTM Factory 3.

 

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