KTM: Miller, Rins und Pol Espargaró sind Kandidaten

Von Günther Wiesinger
KTM kann sich vorstellen, auch 2023 mit den vier MotoGP-Piloten von 2022 weiterzumachen. Aber Rennchef Pit Beirer bestätigt sein Interesse an Jack Miller, Alex Rins und Pol Espargaró.

Pit Beirer versicherte beim Jerez-GP vor zweieinhalb Wochen im Interview mit SPEEDWEEK.com, KTM könne sich durchaus vorstellen, das Fahreraufgebot in der MotoGP-WM für 2023 völlig unverändert zu lassen. Brad Binder steht bei KTM ohnedies bis Ende 2024 unter Vertrag, auch Miguel Oliveira genießt immer noch das Vertrauen der Österreicher, obwohl er seit Assen Ende Juni 2021 im Trockenen nicht mehr viel gezeigt hat. Platz 5 in Portimão war seit der letztjährigen Dutch-TT sein einziges Top-Ten-Ergebnis in bald elf Monaten.

KTM-Motorsport-Direktor Pit Beirer kann sich auch vorstellen, die Optionen auf die beiden Rookies aus dem Tech3-KTM-Team einzulösen – auf Remy Gardner und Rául Fernández. Er macht aber im Interview mit SPEEDWEEK.com kein Geheimnis daraus, dass sich durch den Suzuki-Rückzug auf dem Fahrermarkt neue Möglichkeiten ergeben haben. Deshalb wird nicht nur mit Jack Miller verhandelt, sondern auch mit Alex Rins und Pol Espargaró.

Dieses Trio hat die in Österreich erwünschte KTM-Vergangenheit. Rins war 2013 Moto3-Vizeweltmeister auf einer KTM, Miller 2014. Und Pol Espargaró hat die KTM RC16 ab 2017 vier Jahre lang mitentwickelt, er heimste damit 2020 fünf dritte Plätze ein, zwei Pole-Positions und wurde damals WM-Fünfter, ehe er zu Repsol-Honda wechselte, wo jetzt Joan Mir als Nachfolger gehandelt wird. 

Pit, in Jerez hast du versichert, KTM würde gerne in der MotoGP mit dem bisherigen Quartett weiterfahren. Jetzt steigt Suzuki per Saisonende aus. Dadurch kommen zwei Topfahrer auf den Markt, auch Pol Espargaró und Jack Miller sind verfügbar, weil ihre Plätze wackeln. Muss der KTM-Renndirektor in so einer Phase sein Konzept überdenken?

Ich dachte, du wolltest mit mir über Jeffrey Herlings reden.

Ja, gerne. Aber diese Frage ist in der Dringlichkeitsliste etwas nach unten gerutscht.

Man muss jetzt natürlich die Pläne und das Konzept ändern.

Denn bei der Größe, mit der wir unser MotoGP-Projekt betreiben, haben wir natürlich auch die Verantwortung, dass wir die bestmöglichen Resultate nach Hause bringen.

Wenn dann so ein kleiner Erdrutsch wie der Ausstieg von Suzuki passiert, solche Hochkaräter als Fahrer verfügbar werden und anklopfen, dann schnauft man einmal kurz durch.

Im Prinzip haben wir dasselbe gemacht wie die Kollegen bei anderen Herstellern und uns einige Fahrer angehört, um zu erfahren, welche Vorstellungen sie haben.

Es war eine große Ehre zu sehen, wer aller anklopfen würde und Lust hätte, gemeinsam mit KTM die Zukunft zu gestalten.

Ich kann jetzt nicht behaupten, wir hätten mit allen Piloten geredet. Aber wir haben mit den von dir erwähnten Piloten auf jeden Fall auch gesprochen.

Deshalb ist jetzt momentan bei uns auch nichts mehr in Stein gemeißelt, sondern wir haben bei der Fahrerfrage eine offene Situation, was die Saison 2023 betrifft.

Vom aktuellen MotoGP-Quartett ist momentan nur Binder fix für die nächsten zwei Jahre unter Vertrag. Bei den drei anderen Piloten muss oder kann KTM im Sommer eine Option einlösen. Muss sich auch Miguel Oliveira Sorgen um seine Position machen, trotz seinen vier MotoGP-Siegen?

Miguel hat im März einen Sieg in Mandalika errungen. Das war im Regen, aber in der MotoGP-Klasse muss man so einen Erfolg auch erst einmal zustande bringen.

Miguel genießt weiter unser Vertrauen.

Also wird KTM die Option auf ihn einlösen?

Wir haben nach dem Suzuki-Rückzug beschlossen, dass wir uns in Ruhe anschauen, was auf dem Fahrermarkt passiert.

Vor allem wollen wir ganz sicher sein, dass die Fahrer, die mit uns verhandeln, auch wirklich bei uns fahren wollen. Denn du brauchst das volle Commitment der Fahrer. Sie müssen daran glauben, was wir in der MotoGP treiben.

Deshalb ist momentan niemand zu 100 Prozent gesetzt ausser Brad Binder, der für uns sowieso eine außergewöhnliche Leistung bringt und ein Wahnsinns-Kämpfer ist.

Wir stecken jetzt mittendrin in dieser Verhandlungsrunde, in der sich meine geschätzten Kollegen von den anderen Werksteams auch befinden.

Gott sei Dank, muss ich ehrlich sagen. Es ist immer wieder erfrischend, wieder einmal mit anderen Fahrern zu sprechen und zu erfahren, wie sie uns sehen, wie sie unser Bike auf der Strecke beobachten.

Sie teilen uns mit, warum sie eine KTM wollen, weil sie auf der Strecke dies und jenes sehen. Aus diesem Grund führen wir momentan interessante Gespräche – mit Pol, mit Jack und mit Alex Rins.

Joan Mir und sein Manager haben uns leider ausgeschlossen, sie reden nicht mit uns. Das muss ich auch zur Kenntnis nehmen.

MotoGP-Ergebnis, Le Mans (15. Mai):

1. Bastianini, Ducati, 27 Rdn in 41:34,613 min
2. Miller, Ducati, + 2,718 sec
3. Aleix Espargaró, Aprilia, + 4,182
4. Quartararo, Yamaha, + 4,288
5. Zarco, Ducati, + 11,139
6. Marc Márquez, Honda, + 15,155
7. Nakagami, Honda, + 16,680
8. Brad Binder, KTM, + 18,459
9. Marini, Ducati, + 20,541
10. Viñales, Aprilia, + 21,486
11. Pol Espargaró, Honda, + 22,707
12. Bezzecchi, Ducati, + 23,408
13. Di Giannantonio, Ducati, + 26,432
14. Alex Márquez, Honda, + 28,710
15. Morbidelli, Yamaha, + 29,433
16. Dovizioso, Yamaha, + 38,149
17. Darryn Binder, Yamaha, + 59,748
– Oliveira, KTM, 3 Runden zurück
– Bagnaia, Ducati, 7 Runden zurück
– Martin, Ducati, 11 Runden zurück
– Mir, Suzuki, 14 Runden zurück
– Fernández, KTM, 21 Runden zurück
– Rins, Suzuki, 22 Runden zurück
– Gardner, KTM, 24 Runden zurück

WM-Stand nach 7 von 21 Grand Prix:

1. Quartararo 102 Punkte. 2. Aleix Espargaró 98. 3. Bastianini 94. 4. Rins 69. 5. Miller 62. 6. Zarco 62. 7. Bagnaia 56. 8. Brad Binder 56. 9. Mir 56. 10. Marc Márquez 54. 11. Oliveira 43. 12. Pol Espargaró 40. 13. Viñales 33. 14. Nakagami 30. 15. Martin 28. 16. Marini 21. 17. Morbidelli 19. 18. Bezzecchi 19. 19. Alex Márquez 18. 20. Dovizioso 8. 21. Darryn Binder 6. 22. Di Giannantonio 3. 23. Gardner 3.

Konstrukteurs-WM:

1. Ducati 156 Punkte. 2. Yamaha 102. 3. Aprilia 99. 4. KTM 84. 5. Suzuki 80. 6. Honda 67.

Team-WM:

1. Aprilia Racing 131 Punkte. 2. Suzuki Ecstar 125. 3. Monster Energy Yamaha 121. 4. Ducati Lenovo 118. 5. Red Bull KTM Factory 99. 6. Gresini Racing MotoGP 97. 7. Repsol Honda 94. 8. Pramac Racing 90. 9. LCR Honda 48. 10. Mooney VR46 Racing 40. 11. WithU Yamaha RNF 14. 12. Tech3 KTM Factory 3.

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