Was Santi Hernandez vom Márquez-Comeback erwartet

Von Günther Wiesinger
Santi Hernandez, der bärtige Crew-Chief von Marc Márquez, ist überzeugt, dass der 59-fache MotoGP-Sieger das 23-Runden-Rennen in Aragón durchstehen wird.

Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass das Comeback von Repsol-Honda-Werkspilot Marc Márquez beim Aragonien-GP den Titelkampf zwischen Fabio Quartararo, Aleix Espargaró und Pecco Bagnaia ein bisschen in den Schatten rücken wird. Santi Hernandez, Crew Chief des sechsfachen MotoGP-Weltmeisters, sprach im MotorLand Aragón heute über die Genesungsfortschritte von Marc und die Erwartungen für das Wochenende.

«Der Zwei-Tage-Test in der vergangenen Woche in Misano war für Marc wichtig, damit er verstehen konnte, in welcher Situation er sich nach der langen Pause befindet», erklärte Hernandez. «Der Test ist sehr positiv verlaufen. Denn er konnte am ersten Tag einige Runden abspulen, am zweiten Tag ist er mehr gefahren. Marc hat sich gut gefühlt. Aber wir bilden uns nicht ein, dass wir hier schon den alten Marc sehen werden. Für ihn ist dieser Grand Prix ein Training. Er nimmt diese Gelegenheit hier wahr, um seine Form unter Rennbedingungen zu prüfen. Bei einem Test geht es ja deutlich gemütlicher zu. Du drehst ein paar Runden und stoppst dann wieder, ruhst dich aus, entspannst dich, du kannst von 9 bis 18 Uhr jederzeit rausfahren. Bei einem Grand Prix hast du vier freie Trainings, in denen du die Reifen auswählen und das Set-up für das Bike machen musst. Du musst versuchen, dich für das Q2 zu qualifizieren; es gibt viel zu tun.»

Santi weiter: «Doch wir sollten hier keine andere Mentalität an den Tag legen als beim Test. Wenn sich Marc gut fühlt und brauchbar abschneiden kann, ist das willkommen, aber das hat keinen Vorrang. Ich denke nicht darüber nach, was Marc hier bei diesem Grand Prix erreichen kann. Natürlich kann er fahren, sonst wäre er nicht hier. Beim Test in Misano wollte Marc herausfinden, ob er für Aragón bereit ist. Jetzt wird sich herausstellen, wozu er an diesem Wochenende fähig ist. Marc ist überzeugt, dass er das Rennen durchfahren kann, sonst würde er nicht hier antreten. Ich war überrascht, wie gut sich Marc in Misano zurechtgefunden hat. Er überrascht mich weiter jeden Tag. Denn nach vier Oberarm-Operationen fehlt ihm natürlich noch die Kraft. Aber beim Fahren und bei seiner Sitzposition hat man gesehen, dass er nach der letzten Operation wieder so auf dem Motorrad sitzen kann wie früher. Es ist unglaublich, was er in den letzten zwei Jahren mitgemacht hat und wie entschlossen er jetzt an seine Aufgabe herangeht. Marc war nur als Zuschauer beim Misano-GP, aber er wollte genau wissen, wie das Bike von Stefan Bradl abgestimmt ist und was geändert wird. Er war beim Test konkurrenzfähig und kommt jetzt hierher, um sein Bestes zu geben.»

Nach einigen überstürzten Comebacks zwingt sich das Repsol-Team jetzt vermehrt zur Ruhe. Aber Santi Hernandez kann seine Begeisterung über das Comeback von Marc Márquez nicht verbergen. Er sprüht vor Tatendrang und fiebert dem FP1 am Freitag entgegen.

«Zuerst muss ich sagen, Marc traut sich das Rennen zu. Aber zuerst müssen wir einmal die Trainings abwarten», meint Santi Hernandez. «Ich habe keine Zweifel, dass er das Rennen bestreiten wird. Aber vielleicht wird er nach der Renndistanz ziemlich müde sein. Wir bemühen uns, beruhigend auf ihn einzuwirken. Seine Herangehensweise wird hier anders sein als in der Vergangenheit. Marc ist schlau, er weiß, woher er kommt und was er durchgemacht hat. Deshalb wird er sich nicht zu verrückten Aktionen hinreißen lassen. Marc weiß, was er zu tun hat. Er muss hier nichts beweisen. Er fährt mit und wird sich anstrengen, um wieder das richtige Fahrgefühl zu bekommen. Um die Resultate kümmere ich mich hier nicht. Die Ergebnisse stehen nicht im Vordergrund. Wenn sie gut sind, freuen wir uns. Aber wenn sie unter den Erwartungen liegen, wird uns dies nicht aus der Fassung bringen. Wichtig ist, dass sich Marc für die kommende Saison vorbereitet und wir bei Honda diese schwierige Phase hinter uns lassen.»


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