Sebastian Risse (KTM): Wie er Jack Miller beurteilt
Red Bull-KTM-Werkspilot Jack Miller vollführte in Sepang einen erfreulichen Aufwärtstrend. Sebastian Risse, Technical Coordinator bei KTM, kennt die Stärken des Australiers und ist zuversichtlich.
Noch vor dem ersten Rennen 2026 wurden hinter den Kulissen Fahrerverträge für 2027 vorbereitet. Bei allem Neuigkeitswert dürfte das dem Sport mehr Schaden als Nutzen bringen. Ein Kommentar.
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Jack Miller stand bei den letzten Rennen oft klar im Schatten seines Red Bull-KTM-Teamkollegen Brad Binder. Und zuletzt in Buriram/Thailand reiste der Australier wie in Misano und Le Mans sogar punktelos heim, so ein Schickal war ihm auch in Le Mans widerfahren, in Texas reichte es nur für einen Punkt – durch Platz 9 im Sprint Race. Und im Sonntag-Rennen fiel Jack Miller zwar auf den achten Platz zurück, aber er schnitt als bester KTM-Pilot ab. Brad Binder lag diesmal bis zu seinem Crash in Rund 12 (auf Platz 9) immer hinter ihm.
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Kein Wunder, wenn sich in den letzten Wochen die Fragen mehrten, ob die Pierer Mobility Gruppe nicht den neuen Moto2-Weltmeister Pedro Acosta (19) für 2024 ins Red Bull KTM Factory transferieren und Miller beim GASGAS Tech3-Team neben Augusto Fernández unterbringen sollte. Immerhin wird Acosta längst als "neuer Márquez" bezeichnet und steht bei den anderen Werken hoch im Kurs.
Doch "Thriller Miller", mit vier MotoGP-Siegen ein unbestrittener Könner, gab am Wochenende auf dem Sepang Circuit die einzig richtige Antwort: Er sicherte sich am Freitag im Zeittraining den ausgezeichneten dritten Platz vor Brad Binder, erkämpfte im Q2 den zehnten Startplatz (7. Binder) und traf im Sprint an sechster Position direkt hinter Binder ein. Und am Sonntag holte Miller als bester KTM-Pilot (Platz 8) für die Österreicher die Kastanien aus dem Feuer.
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Ing. Sebastian Risse, MotoGP Technical Coordinator bei der Pierer Mobility AG, hat mit seiner Mannschaft alles unternommen, um Jack Miller wieder nach vorne zu bringen. Denn seit dem Jerez-GP hat Miller in 13 Grand Prix am Sonntag nur zwei sechste Plätze erreicht – und kein Top-5-Ergebnis mehr geschafft.
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Jack Miller war bei den Wintertests sehr zuversichtlich und hat in Jerez am Samstag und Sonntag beim vierten Grand Prix mit zwei dritten Plätzen überzeugt. Seither wurde er oft von Brad Binder überstrahlt. Hast du eine Erklärung dafür?
Das ist nicht so einfach zu sagen. Wenn es einfach wäre, hätten wir das Problem schon früher gelöst... Es ist sicher so, dass wir zusammen in dieser Saison unsere Höhen und Tiefen hatten. Wir haben als Referenz Brad im Team, der sehr konstant gute Ergebnisse einfährt. Deshalb war uns auch jederzeit klar, wo es dann im konkreten Fall gefehlt hat.
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Aber es ist oft so: Je hartnäckiger Jack und wir probieren, gewisse Dinge zu erreichen, desto weniger leicht läuft es dann von der Hand und desto komplizierter wird es. Wenn ihr die Daten anschaut: In welchen Bereichen verliert Jack üblicherweise Zeit auf Brad? Nach Jacks Wahrnehmungen verliert er oft am Kurvenausgang, wo er die Rechnung zahlt. Wenn man tiefer in die Daten schaut, ist es oft so, dass das Problem eher losgeht. Also am Kurveneingang und dann beim Kurvenspeed?
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Ja, natürlich, das hängt alles zusammen. Ein Stück weit ist das genau die Kehrseite von dem guten Aspekt, den wir an Jack haben. Er ist es gewohnt, das Bike sehr in der Hand zu haben und elektronisch vieles selber zu managen. Das heisst: Wenn alles super läuft und der Fahrer den Tag seines Lebens hat, funktioniert alles sehr, sehr gut. Aber wenn irgendetwas nicht funktioniert oder das Verständnis oder das Gefühl für irgendwas nicht vorhanden ist, zahlt man einen höheren Preis, als wenn man es eher Richtung Autopilot verschoben und dem Piloten weniger Kontrolle gegeben hätte. Aber ich würde nicht behaupten, dass das Problem sei, das wir lösen müssen, indem wir ihm das wegnehmen, weil es genau das Positive ist, was er zum Projekt beigetragen hat und weil das oft seine Stärke ist.
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Aber wenn dieses System nur dreimal im Jahr perfekt funktioniert, leiden das Selbstvertrauen und die Ergebnisse. Natürlich. Das Ziel ist, das System von Jack konstanter umzusetzen. Wie gesagt: Wir haben Brad als Referenz. Aber wir müssen es schaffen, konzentriert UND entspannt dort ranzugehen, wo wir die Probleme sehen. Denkt Jack Miller manchmal darüber nach, künftig mehr auf die elektrischen Systeme zu vertrauen – wie die jüngere Generation?
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Nein, das steht für uns eigentlich nicht zur Diskussion – und auch für ihn nicht. Natürlich macht sich jeder Fahrer Gedanken, wenn es nicht läuft: Was kann er tun und woran liegt es? Jeder würde gerne alles tun, um diese Problem zu beseitigen. Aber wir suchen nach anderen Lösungsansätzen. Jack war manchmal im Training besser platziert als im Rennen. Mal so, mal so. Es ist grundsätzlich eine Stärke von Jack, eine einzelne schnelle Runde rauszuhauen. Aber manchmal funktioniert das nicht. Das lag aber in letzter Zeit an der jeweiligen Situation – mit gelben Flaggen zum Beispiel. Aber die Stärke auf eine einzelne Runde ist bei Jack nach wie vor da.
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Im Regen war Jack auf der KTM bisher nicht so überlegen wie früher bei Honda oder Ducati. Regen ist nicht Regen. Jeder Regen ist anders, jede Wassertiefe ist anders. Das Set-up muss sehr, sehr genau für die jeweiligen Verhältnisse passen. Jack hat da auch gewisse Stärken und Schwächen. Ich würde sagen: Bei Situationen im Halbnassen und wenn sehr viel Wasser auf der Strecke steht, ist er nach wie vor dabei. Da haben wir nichts verloren. Jack war in Malaysia schon beim Wintertest sehr zuversichtlich. Deshalb zweifle ich nicht daran, dass es mit ihm sehr gut funktionieren kann. In Sepang waren an allen drei Tagen Fortschritte zu erkennen.
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Ergebnis MotoGP-Rennen, Sepang (12.11.): 1. Enea Bastianini, Ducati, 20 Rdn in 39:59,137 min (= 166,3 km/h) 2. Alex Márquez, Ducati, + 1,535 sec 3. Pecco Bagnaia, Ducati, + 3,562 4. Jorge Martin, Ducati, + 10,526 5. Fabio Quartararo, Yamaha, + 15,000 6. Marco Bezzecchi, Ducati, + 16,946 7. Franco Morbidelli, Yamaha, + 18,553 8. Jack Miller, KTM, + 19,204 9. Fabio Di Giannantonio, Ducati, + 19,399 10. Luca Marini, Ducati, + 19,740 11. Maverick Viñales, Aprilia, + 21,189 12. Johann Zarco, Ducati, + 23,598 13. Marc Márquez, Honda, + 27,079 14. Augusto Fernández, KTM, + 28,940 15. Pol Espargaró, KTM, + 29,849 16. Iker Lecuona, Honda, + 50,960 17. Álvaro Bautista, Ducati, + 53,564 18. Takaaki Nakagami, Honda, + 1:42,162 min – Brad Binder, KTM, 9 Runden zurück – Aleix Espargaró, Aprilia, 12 Runden zurück – Raúl Fernández, Aprilia, 14 Runden zurück – Miguel Oliveira, Aprilia, 15 Runden zurück – Joan Mir, Honda, 16 Runden zurück Ergebnis MotoGP-Sprint, Sepang (11.11.): 1. Alex Márquez, Ducati, 10 Rdn in 19:58,713 min 2. Jorge Martin, Ducati, +1,589 sec 3. Pecco Bagnaia, Ducati, +3,034 4. Enea Bastianini, Ducati, +3,242 5. Brad Binder, KTM, +3,310 6. Jack Miller, KTM, +4,318 7. Marco Bezzecchi, Ducati, +5,307 8. Johann Zarco, Ducati, +5,501 9. Luca Marini, Ducati, +6,420 10. Maverick Viñales, Aprilia, +7,241 11. Franco Morbidelli, Yamaha, +8,775 12. Aleix Espargaró, Aprilia, +9,995 13. Fabio Di Giannantonio, Ducati, +10,067 14. Augusto Fernández, KTM, +10,643 15. Pol Espargaró, KTM, +11,005 16. Fabio Quartararo, Yamaha, +11,911 17. Raúl Fernández, Aprilia, +13,591 18. Miguel Oliveira, Aprilia, +15,058 19. Takaaki Nakagami, Honda, +16,015 20. Iker Lecuona, Honda, +23,484 21. Marc Márquez, Honda, +24,930 22. Álvaro Bautista, Ducati, +36,501 23. Joan Mir, Honda, +40,594
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