MotoGP: KTM zur Personalie Marc Marquez

MotoGP 2025 – Ducati musste zurückrudern

Von Thomas Kuttruf
Auch in der laufenden Saison liegt Ducati an der Spitze der Fahrer- und Konstrukteurs-WM. Von einer Dominanz kann aber keine Rede mehr sein. In Texas redete Sportdirektor Mauro Grassilli über einen neuen, alten Plan.

Es ist nicht lange her, da war die Situation des Herstellers aus Bologna im Fahrerlager der MotoGP äußerst komfortabel, wenn nicht luxuriös. Zwei reine Werkmaschinen mit einem super-starken Pecco Bagnaia, dazu zwei weitere Werks Maschinen mit aktueller Spezifikation in den Händen von Pramac Racing mit einem ebenfalls messerscharfen WM-Kandidaten Jorge Martin. Plus vier weitere Bikes auf dem WM-Siegerstand von 2023 mit durchwegs guten Piloten. Denn auch die VR46 Racing-Mannschaft mit Marco Bezecchi und Fabio Di Giannantonio ist alles anderes als ein Lückenfüller. Gleiches gilt für das vierte Team, Gresini Racing. Wozu ein Marc Márquez fähig ist, steht seit Saisonbeginn nicht Debatte.

Der entscheidende Punkt: Ducati war Ende 2023 auch technologisch einen Schritt vor der Konkurrenz. Während die aktuellen Renner unantasbar waren, konnten auch die privaten Desmosedici-Piloten wie Fabio Di Giannantonio noch vor der weiteren Konkurrenz fahren. Zwar lagen KTM und Aprilia in Sichtweite, aber eine ernste Gefahr für die Bologna-Herrschaft war nicht in Sicht.

In dieser Situation war es ein leichtes, sich ein wenig aus dem Fenster zu lehnen. Ducati Corse Boss Gigi Dall’Igna sprach über den Winter und bis ins Frühjahr mehrfach offen die Option aus, sich für die Saison 2025 auf nur noch zwei Kundenteams zu konzentrieren. Denn auch Ducati schüttelt das MotoGP-Projekt nicht einfach aus dem Ärmel. In Bologna herrscht nicht zuletzt nach dem Abgang mehrer wichtiger Techniker kein Überfluss an Personal (Alberto Giribuola ging als Elektronik-Experte zu Red Bull KTM; Massimo Bartolini dockte bei Yamaha an). Es erschien, als guter Plan, die Strategie auf insgesamt drei Teams zu fokussieren und vertretbar eine Mannschaft zu verlieren, ohne dabei die Dominanz an der Spitze zu gefährden. Denn selbst mit vier Werks- und zwei Kundenmaschinen hätte Ducati immer noch eine überlegene Ausgangslage.

Doch für 2024 hat sich ein essenzieller Punkt verschoben. Der Technologie-Vorsprung der Desmosedici ist zusammengeschmolzen. Würde man sich ausschließlich auf den Texas-GP beziehen, so müsste man im besten Fall von Egalität sprechen. Denn sowohl der rotzfreche Acosta mit Österreich-Technik, vor allem aber ein unschlagbarer Maverick Viñales hatten die gesamte Ducati-Aufstellung im Griff. Doch bereits Wochen zuvor werden in Borgo Panigale die Alarmglocken gebimmelt haben. Zwar war die Siegeswelt bei den ersten beiden Läufen noch in Ordnung, doch sowohl in Katar als auch in Portugal hing die europäische Konkurrenz bereits am hinteren Leitwerk der GP24.

Als dem Management in Bologna klar wurde, wie nah die Konkurrenz vorgerückt ist und es zumindest Gespräche seitens Pramac mit anderen Herstellern zum Ausloten einer Zukunftsperspektive gegeben hatte, musste alles dafür getan werden, um zumindest das Premium Kundenteam von Paolo Campinoti an Bord zu halten. Nach den klaren Signalen von Jorge Martin, dass er 2025 nicht mehr für Pramac Racing agieren werde, kümmerte sich Ducati um Nachschub. Der aussichtsreiche Fermin Aldeguer kam für zwei Jahre mit weiteren Optionen unter die Bologna-Haube und wurde bereits in Portimao der Pramac-Mannschaft zugeteilt.

Die finale Bestätigung der neuen, alten Strategie dann in Austin. Mauro Grassilli, Nachfolger der ins Offroadlager abgewanderten Sport-Management Legende Paolo Ciabatti, hatte sich zu Saisonbeginn nur selten aus der Ducati Lenovo Burg getraut. In Texas dann aber klare Worte. Grassilli bestätigte, dass man auch 2025 gerne wie gehabt fortfahren möchte und es keinen Anlass gäbe, sich von auch nur einem der sehr guten Partner zu trennen.

Der Wind ist schärfer geworden an der Spitze des MotoGP-Feldes und Ducati weiß, dass es eine volle Mannschaft brauchen wird, um die Nummer Eins im Fahrerlager zu verteidigen.

Dennoch ist die Option seitens Pramac Racing für eine Verlängerung der Zusammenarbeit um weitere zwei Jahre noch nicht bestätigt. Obwohl Pramac die Zusage für zwei Werks-Maschinen plus Fermin Aldeguer als Zukunfts-Mitgift erhielt, wird in der Chefetage noch verhandelt. Dass es dabei in erster Linie um Budget-Bausteine geht, dafür braucht es keine Wahrsager.

Ohne Frage wird Ducati als Hersteller weiterhin eine solide Säule des Fahrerlagers bleiben. Das Management hat bereits reagiert, um den zahlenmäßigen Vorsprung in der MotoGP-Startaufstellung zu manifestieren. Wenige Zweifel bestehen auch an der Fähigkeit aufseiten der Technik. Trotz einer Knappheit an Ressourcen ist Gigi Dall’Igna sicher nicht verlegen, weitere Innovationen umzusetzen.

Für das Ducati Corse Superhirn ist längst die nächste knifflige Phase seines Schaffens eingetreten. Denn neben den Bemühungen, sich kurzfristig gegen Aprilia und KTM zu wehren, gilt es bereits heute, das richtige Fundament für das neue Regelwerk ab 2027 zu definieren. Spätestens dann, wenn es für alle involvierten Hersteller eine Art technischen Neustart gibt, wird sich Ducati wieder neu gegen den Rest der Welt in Szene setzen müssen.

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