MotoGP: KTM zur Personalie Marc Marquez

Guidotti (Red Bull KTM): «Psychologe nicht notwendig»

Von Thomas Kuttruf
Auf einen starken Saisonstart folgte für Brad Binder und Jack Miller ein Dämpfer beim Texas-GP. Francesco Guidotti, Red Bull KTM-Teammanager, äußert sich exklusiv zur Lage vor dem MotoGP-Highlight in Jerez.

Bei allen drei MotoGP-Events der laufenden Saison durfte ein KTM-Fahrer zur Siegerehrung. Für Red Bull KTM-Teammanager Francesco Guidotti ist die MotoGP-Welt damit grundsätzlich in Ordnung. Als Konstrukteur ist KTM erster Verfolger des Werkes aus Bologna und außer der zahlenmäßigen Überlegenheit von Desmosedici-Piloten gibt es keinen Grund, sich vor Ducati zu fürchten.

Innerhalb seiner Teamstruktur gibt es dennoch Leistungsschwankungen, die den Italiener Guidotti beschäftigen. Nach einem überragenden Saisonstart reichte ein unterdurchschnittliches Rennwochenende in den USA aus, um RC16-Ass Binder in der WM-Tabelle um vier Positionen nach hinten zu verschieben. Auch Jack Miller ist noch nicht auf einem konstant hohen Level unterwegs. Trotz starker Sequenzen liegt «Thriller Miller» nach sechs Wettfahrten (Sprint- und GP-Rennen) zwischen den beiden VR46 Racing-Piloten Bezzecchi und Di Giannantonio auf dem 10. WM-Rang.

Wenige Tage vor der vierten Station im MotoGP-Kalender, die 2023 mit einem Doppelpodium und einem furiosen Dani Pedrosa (7.) besonders erfolgreich verlief, stand uns Francesco Guidotti für ein Gespräch zur Verfügung. Der routinierte Rennsport-Manager Guidotti schaut nur kurz in den Texas-Rückspiegel – dafür intensiv auf die große Aufgabe am kommenden Wochenende.

Francesco, wird Brad Binder topfit in Jerez an den Start gehen?
Korrekt ist, dass Brad in Amerika mit einer Verletzung unterwegs war. Es handelt sich dabei um eine wirklich kleine Verletzung im rechten Fuß. Die Sache wäre eigentlich harmlos, aber in der Praxis hatte es ihn in Austin dann doch etwas irritiert; vor allem beim Einsatz der hinteren Bremsen war es ein kleiner Störfaktor. Nach dem Rennen waren aber keine weiteren Behandlungen notwendig. Brad hat sich erholt und wir gehen davon aus, dass er in Jerez komplett einsatzbereit ist.


Liegt in der kleinen Verletzung die Ursache für das schlechte Abschneiden von Brad beim Texas-GP?

Oh, nein, das würde ich nicht sagen. Und auch Brad hat das zu keinem Zeitpunkt als Entschuldigung genannt. Es gab andere Gründe.


Wie ist es dann zu erklären, dass Brad in Austin nur noch im Mittelfeld unterwegs war?
Richtig ist, Brad hatte beim letzten Rennen eine schwächere Leistung. Und auch wenn es dafür einen Grund gab, dann schauen wir jetzt nicht darauf. Ehrlich, es bringt nichts, sich darüber jetzt zu viele Gedanken zu machen. Tatsache ist, wir haben überall, wo wir in den letzten 12 Monaten gefahren sind, unsere Performance in Hinblick auf die Rundenzeit verbessert. Zum Teil dramatisch. In Katar waren wir über eine Sekunde schneller als im Herbst 2023. Man muss das gesamte Bild sehen. In Austin war das eigentliche Problem, dass Brad und Jack nicht direkt ins Q2 eingezogen sind. Brad ist es dann auch nicht im Q1 gelungen weiter zu kommen und damit war die Sache schon gelaufen. Wir haben das direkt abgehakt. Der Blick ist voll auf die nächste Veranstaltung gerichtet. So müssen wir arbeiten. Es ist weder sinnvoll, lange zurückzugehen, noch weit nach vorne zu denken. Der Wettbewerb ist extrem und wir können nur aus jeder einzelnen Veranstaltung versuchen, das Maximum herauszuholen.

Das Gleiche gilt dann auch für Jack Miller?
Eindeutig ja. Jack hat sich verbessert. Er hat uns dieses Jahr mehrfach gezeigt, dass er den Speed hat. In Jerez werden wir es wieder versuchen.

Und dann ist da noch Pedro Acosta in der Nachbarbox…
Pedro tut uns allen nur gut. Er ist der Wahnsinn und es ist sehr beeindruckend zu erleben, was er macht.

Dann brauchen Brad Binder und Jack Miller von dir keinen psychologischen Beistand?
Nein, das ist absolut nicht notwendig. Der größte Feind ist nicht Pedro. Im Gegenteil. Es ist ein positiver Effekt. Das Gleiche hat man auch schon bei der Ankunft von Jorge Martin gesehen. Jorge war auch schnell sehr weit vorne und es hat die anderen Ducati-Piloten beflügelt. Das ist natürlich. Auch wenn man sehen muss, so einer wie Pedro kommt nicht alle Tage, er ist in der Tat außergewöhnlich.


GASGAS-Pilot Augusto sagte, er werde sich nun komplett auf das Setting von Pedro Acosta einlassen. Ist das für dich nachvollziehbar?

Ich denke, Augusto hat auf jeden Fall die richtige Einstellung. Es ist normal, dass er nach Lösungen sucht. Er hat letztes Jahr bereits mehrfach bewiesen, dass er das Zeug hat und auch in dieser Saison gibt es die richtigen Ansätze. Auch wenn er von den Zeiten nicht auf dem gleichen Level der anderen drei Fahrer ist, Augusto ist nicht verloren.


Mit Dani Pedrosa kommt ein weiterer Superstar dazu. Was ist seine Wildcard-Mission in Jerez?

Alle freuen sich auf Dani im Rennmodus. Er hat bei seinem letzten Test in Jerez einige Neuerungen probiert und sich dabei sehr wohlgefühlt. Seine Aufgabe ist, die möglichen Verbesserungen unter Rennbedingungen zu fahren. Man darf das nicht unterschätzen, wie sehr die Bedingungen zu einem Test abweichen, bei dem du fast einen ganzen Tag zur Verfügung hast. In zwei Sitzungen, die im Schnitt 45 Minuten lang sind und mit voller Dynamik und Konkurrenz, ist es anders.

Kannst du verraten, welche neuen Teilen Dani Pedrosa am Wochenende zum Einsatz bringt?
Sagen wir einmal so, die Neuerungen werden sichtbar sein.

Im letzten Jahr hattet ihr ein sehr erfolgreiches Jerez-Wochenende. Was könnt ihr von 2023 mit in das anstehende Wochenende nehmen?
Jerez ist wirklich etwas Besonderes. Man könnte sagen, jetzt beginnt die wahre MotoGP-Weltmeisterschaft. Die ersten drei Events fanden alle auf Strecken statt, die einen so speziellen Charakter haben. In Katar sind es die wechselnden Grip-Bedingungen, in Portimao ist es das Layout und in den USA ist es die extreme körperliche Anstrengung. Nicht dass in Jerez alles leicht ist, aber es ist alles bekannter und vorhersehbarer.
Schön wäre, wenn wir einfach alles von 2023 ins aktuelle Jahr kopieren könnten. Klar, die Erfahrungen von letzter Saison kann dir keiner wegnehmen, aber es geht für alle mit einem neuen Bike und neuen Daten los. Was hilft, sind die letzten Tests, aber aus 2023 von den Rennen bleiben leider nur die guten Erinnerungen.

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