MotoGP: Das hatte Ducati anders geplant

MotoGP-Strategiespiel: Yamaha rennt die Zeit davon

Von Thomas Kuttruf
In einer außergewöhnlichen Situation sitzen sich Ducati Corse-Boss Dall’Igna und Pramac Racing-Chef Campinoti gegenüber. Geht die Zusammenarbeit weiter, lösen sich viele Probleme für Ducati – und Yamaha bliebe allein.

Auch bei der sechsten Zusammenkunft der MotoGP in Catalunya drangen keine entscheidenden Neuigkeiten zum festgefahrenen Fahrer- und Teammarkt rund um die Saison 2025 aus den Trucks der Hauptbeteiligten. In Catalunya war der angekündigte Abgang von Aleix Espargaro inklusive seiner fahrerischen Vorstellung das erste Thema.

Noch sitzt der Korken in der Flasche. Die zunächst wichtigste Frage, «wer besetzt im nächsten Jahr den zweiten Platz im Ducati-Werksteam», hat nicht an Spannung verloren – doch in Wahrheit ist es nicht die Entscheidung von Gigi Dall’Igna «Márquez oder Martin», die alle großen Strategiethemen des Fahrerlagers lösen würde. Es ist Pramac-Teamboss Paolo Campinoti, der den gewichtigeren Schachzug ausführen muss.

Für den Inhaber des einzigen unabhängigen Teams, das Zugriff auf zwei weitere Werksmaschinen aus Bologna hat, gilt es abzuwägen zwischen der Fortführung einer etablierten aber reizlos gewordenen Beziehung mit Ducati und einem neuen Abenteuer mit Yamaha.

Um der Verbindung mit Ducati frische Energie zu verleihen, wäre nur Marc Márquez geeignet. Wenn Campinoti seine Option für 2025 einlöst, dann könnten sich alle Probleme des Herstellers Ducati auflösen. Jorge Martin könnte den Platz neben Weltmeister Bagnaia einnehmen und Marc Marquez mit vollem Werksmaterial bei Pramac andocken.

Auf der Strecke bliebe Yamaha. Denn keines der beiden anderen unabhängigen Ducati-Teams, VR46 und Gresini, plant zumindest für 2025 mit einem anderen Hersteller anzutreten.

Besonders spannend: Paolo Campinoti kann mit seiner strategischen Ausrichtung das Karriere-Schicksal von mindestens drei Fahrern mitbestimmen.

Denn reicht der Italiener dem Yamaha-Management die Hand, dann fehlen Ducati schlagartig zwei Sitze, um die Chauffeure Martin, Márquez und Aldeguer zu verteilen.

Jorge Martin bliebe in diesem Fall der Einzug in die Aprilia-Werksmannschaft als erste Option. Ducati könnte mit Bagnaia und Márquez die beiden Jahre bis zur neuen MotoGP-Generation ab 2027 bestreiten. Für den Ducati-Chefstrategen geht es auch darum abzuwägen, ob er es sich leisten kann, Jorge Martin als klaren WM-Führenden an Konkurrent Aprilia zu verlieren.

Das neu beschlossene Regelwerk spielt bei der Entscheidungsfindung auch eine Rolle. Die Veränderungen der Bikes werden so umfänglich sein, dass sich eine neue Hersteller-Team-Allianz am effektivsten mit Beginn der neuen Technik umsetzen ließe.

Aber für den Entscheider bei Pramac Racing geht nicht nur um Befindlichkeiten und einen schlüssigen Plan, es geht auch ums Geld. Das Jahresbudget für zwei siegfähige Ducati GP25 gilt es in Relation zu setzen zu der Summe, die Campinoti an Yamaha für zwei weniger konkurrenzfähige YZR-M1 überweisen müsste. Finanzieller Aufstieg versus sportlichen Abstieg.

Stichwort Finanzen: In Jerez feierte Pramac die Verlängerung der Zusammenarbeit mit Prima. Campinoti muss sich in den nächsten drei Jahren nicht mehr mit der Grundfinanzierung seines Unternehmens beschäftigen. Die Frage, ob ein Hauptsponsor aus Italien sich lieber auf einer Ducati oder einer Yamaha präsentiert, lässt sich schnell beantworten: Ducati.

Trotz intensiver Gespräche und langfristig interessanten Perspektiven, die Realität spricht heute dafür, dass Pramac die Option für zwei Ducati-Werksmaschinen einlöst.

Und Yamaha? Entweder gelingt dem nur noch bis Ende 2024 für Yamaha arbeitenden Lin Jarvis doch noch ein Verhandlungs-Coup, oder Yamaha bleibt auch 2025 mit nur zwei Piloten. In die schlechte Ausgangslage haben sich die Japaner selbst gebracht: Unabhängige Teams brauchen konkurrenzfähige Fahrzeuge. Gelingt es Yamaha in den nächsten Monaten aus eigener Kraft, seinen Werksrenner wieder attraktiv in die Auslage zu stellen, dann steigt auch die Begehrlichkeit für eine Allianz.

Diesen Artikel teilen auf...

Mehr über...

Siehe auch

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.

Regeln, die den Sport lächerlich erscheinen lassen

Von Michael Scott
In der MotoGP-Sommerpause schreibt SPEEDWEEK.com-Kolumnist Michael Scott über zwei Regeln, die seiner Meinung nach nicht gut für den Sport sind. Dabei geht es um Reifendruck und die Moto3.
» weiterlesen
 

TV-Programm

  • Sa. 20.07., 23:55, ServusTV
    Formel 2: FIA-Meisterschaft
  • So. 21.07., 00:00, ServusTV
    Formel 2: FIA-Meisterschaft
  • So. 21.07., 00:15, Hamburg 1
    car port
  • So. 21.07., 00:50, National Geographic
    Faszination Supercars
  • So. 21.07., 01:15, ServusTV
    Formel 3: FIA-Meisterschaft
  • So. 21.07., 01:25, Motorvision TV
    Rallye: World Rally-Raid Championship
  • So. 21.07., 02:15, ServusTV
    Motorsport: Porsche Supercup
  • So. 21.07., 02:20, Motorvision TV
    Isle of Man Tourist Trophy
  • So. 21.07., 03:15, Motorvision TV
    Tourenwagen: Supercars Championship
  • So. 21.07., 03:30, Eurosport 2
    EWC All Access
» zum TV-Programm
5