Hervé Poncharal: «Jüngere Fahrer aus Moto2 suchen»

Von Frank Aday
MotoGP

Tech3-Teamchef Hervé Poncharal betonte erneut, dass 2017 wohl weder Espargaró noch Smith in seinem Team fahren werden. Sie können sich nun für ein Werksteam empfehlen.

Die Tech3-Piloten Bradley Smith und Pol Espargaró holten 2015 die Gesamtränge 6 und 9. Beim ersten Kräftemessen 2016 beim Test in Sepang wurde Smith Zehnter und Espargaró landete auf Platz 16. Teamchef Hervé Poncharal sprach mit «motogp.com» über den Test, die Leistungen seiner Fahrer und die Stärken der Gegner.

Wie ist der Test in Sepang für euch gelaufen?

Ich möchte zuerst, bevor ich gesondert über Tech3 spreche, sagen, dass wir, wie alle anderen MotoGP-Teams, nach dem Test 2015 in Valencia einige Fragezeichen und Sorgen hatten. Es gab ziemlich viele Stürze, die mit dem Vorderreifen zusammenhingen, die schwer zu erklären waren. Und wir haben einige rigorose Aussagen über die neue Einheits-ECU gehört. In Malaysia waren wir dann extrem glücklich zu sehen, dass die Leute von Michelin, unter der Führung von Nicolas Goubert, einen unglaublichen Job gemacht hatten. Ich ziehe meinen Hut vor ihnen, denn in Sepang haben wir schon auf den allerersten Runden ein Gefühl gefunden, das dem des früheren Lieferanten nahekam.

Und dort gab es keine Stürze, die man nicht erklären konnte. Es ist für uns sehr wichtig, dass wir ruhig arbeiten, zuversichtlich und mit einem guten Gefühl. Michelin hat sehr gute Produkte geliefert und abgesehen von dem Problem bei Loris [Baz] – welches vermutlich mit dem Luftdruck zusammenhing und welches wir nicht mehr erleben werden, weil wir ab Katar die Luftdrucksensoren haben – hatten wir ein sehr gutes Gefühl mit diesen Reifen. Einige Werksfahrer haben ein paar Evolutionen probieren können, die wir nicht versucht haben, aber wir wissen, dass die Reifen schon bald noch mehr leisten. Wenn man sich die Zeit von Lorenzo anschaut, kann man ziemlich zuversichtlich sein, was die Leistung der Reifen angeht. Die Yamaha-Ingenieure haben einen ausgezeichneten Job bei der Elektronik und dem Gesamtpaket gemacht. Sie haben bei den beiden neuen Dingen, an die wir uns dieses Jahr anpassen müssen, den Reifen und der Einheitselektronik, Ausgezeichnetes geleistet. Wir sind wirklich zuversichtlich. Und: Die Rundenzeiten sprechen für sich.

Wie schätzt du die Leistungen deiner Fahrer ein?

Um gesondert über Tech 3 zu sprechen, fangen wir bei Bradley an, denn er war 2015 unser Top-Mann. Er war Sechster und vor uns lagen nur die beiden Yamaha-Werksfahrer, die beiden Honda-Werksfahrer und die Werks-Ducati von Andrea Iannone. Hinter uns waren eine ganze Menge guter Fahrer, wie Andrea Dovizioso, ein Ducati-Werksfahrer, die Werkspiloten von Suzuki und alle anderen Satteliten-Fahrer.

Es wird schwierig, 2016 wieder Sechster zu werden, weil das Feld noch enger zusammenrücken wird. Aber Bradley hat in den drei Tagen in Sepang einen ausgezeichneten Test gefahren. Er hat viel gearbeitet, um die neue Elektronik zu verstehen und hat viele verschiedene Reifen eingesetzt. Er ist seine beste Zeit auf dem harten Reifen gefahren, weil Michelin die weichen Hinterreifen nach dem Sturz von Loris zurückhalten musste. Ich denke, dass wir auf dem harten Reifen gut unterwegs sind und Bradley war der Einzige, der eine komplette Rennsimulation fahren konnte. Er ist am letzten Tag 21 Runden gefahren und fast alle davon lagen im Bereich von 2:02 min. Er hat sich mit dem Reifen gut gefühlt und damit, wie die Elektronik mit dem abbauenden Grip umgegangen ist. Wir sind zufrieden, wir haben nicht so sehr auf die Rundenzeiten geschaut, aber er ist 179 Runden gefahren und wir haben alles abhaken können, was wir abhaken wollten.

Leider hatte Pol zwei Stürze. Ein Sturz wirft dich bei der Arbeit immer zurück und kostet den Fahrer Vertrauen. Das hat auch bedeutet, dass er keine Zeit für eine Rennsimulation hatte, aber auf der anderen Seite hat von allen anderen auch nur Bradley eine geschafft. Ehrlich gesagt war es für ihn etwas schwierig, aber ich weiß, dass er kein großer Fan von Sepang ist. Wir haben einiges gelernt, das war keine Zeitverschwendung, aber die Ergebnisse waren nicht ganz so gut wie bei Bradley. Ich hoffe, dass es beim nächsten Test, der auf einer seiner Lieblingsstrecken stattfindet, einfacher wird, und er dann etwas konkurrenzfähiger ist und ein größeres Lächeln auf den Lippen hat.»

Und was denkst du über die Gegner?

Wir befinden uns jetzt in einer sehr homogenen Gruppe aus den beiden Tech3-Fahrern, den beiden offiziellen Werks-Suzuki, den Pramac-Jungs und vielleicht den beiden Avintia-Piloten, plus LCR und den beiden MarcVDS-Fahrern. Alle diese Fahrer werden sehr eng beisammen liegen. Das bedeutet, dass wir um jede Position hart kämpfen müssen. Das wird für die Fans und Medien spannend, für uns aber knifflig. Ich denke, dass wir einen kühlen Kopf behalten und unsere Fahrer entsprechend vorbereiten müssen, körperlich wie geistig, für einen sehr intensiven Kampf. Noch mehr, weil bei allen Werks- und Satelliten-Fahrern die Verträge Ende 2016 auslaufen. Darum werden sie alle kämpfen, um zu beweisen, dass sie im Jahr darauf einen guten Platz verdienen.

Wie sehen die Pläne des Teams für 2017 aus?

Wir wissen alle, dass es vier Yamaha-Maschinen gibt – die zwei Werksmaschinen und die beiden Satelliten-Bikes von Tech3. Realistisch betrachtet, bedeutet das, dass es ein Team gibt, welches Rennen und Weltmeisterschaften gewinnen soll – und eines, welches mehr das ‹Junior Team› ist. Unsere Tech3-Fahrer für 2017 werden in Absprache mit unseren Sponsoren und Yamaha ausgewählt. Es wird Gespräche geben, aber aufgrund der Aufgabe unseres Teams, scheint es sehr unwahrscheinlich, dass wir 2017 die gleichen Fahrer haben werden. Bradley ist in seinem vierten Jahr, Pol im dritten. In beiden Fällen kommt es darauf an, dass sie eine fantastische Saison hinbekommen und sich, was ihr Traum ist, einen Platz in einem Werksteam verdienen. Wenn sie aber nur eine gute Saison hatten und nicht mehr kommt, dann wird mir gesagt, dass sie ihr maximales Potenzial erreicht haben und es an der Zeit ist, sich in der Moto2-Klasse nach jüngeren Fahrern umzusehen. Es wird interessant, alle Verhandlungen zu verfolgen. Die ersten, die wählen werden, sind die Werksteams und dann werden die anderen sich kümmern müssen. Für uns ist unsere Position klar, wir sind ein Junior-Team.

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