Glenn Coldenhoff: «Ab Runde 1 gibst du alles»

Von Frank Weeink
Motocross-WM MXGP
MXGP-Start in Faenza: Jacobi, Paulin, Coldenhoff, Gajser und Prado

MXGP-Start in Faenza: Jacobi, Paulin, Coldenhoff, Gajser und Prado

Glenn Coldenhoff (29) spricht über seine Saison 2020 mit GASGAS, das Verletzungsrisiko und die Entwicklung der Motocross-Königsklasse MXGP in den vergangenen Jahren.

Glenn Coldenhoff bescherte GASGAS im Vorjahr beim ersten Kegums-GP im August den ersten Erfolg in der MXGP-WM. Wenige Tage später verletzte er sich allerdings an den Rippen. Die Wirbelverletzung in Lommel bedeute schließlich im Oktober das Saisonaus für den 29-jährige Niederländer, der für 2021 ins Yamaha-Werksteam wechselte.

Im ersten Teil unseres Interviews blickt Coldenhoff auf eine durchwachsene Saison 2020 zurück, die er trotz allem auf dem achten WM-Rang beendete.

Glenn, glaubst du, dass du auf demselben Level wie Herlings, Gajser, Seewer und Cairoli warst?

Ja, ich glaube schon. Ich habe durch das Selbstvertrauen gemerkt, dass so einiges möglich war. Und das glaube ich noch immer. Zu wissen, dass du es kannst, das ist ein sehr gutes Gefühl. Ich hatte bereits 2018 das «Motocross of Nations» in meiner Klasse gewonnen und in 2019 habe ich gezeigt, dass es auf allen Strecken Möglichkeiten für mich gab. Man muss nur in einen guten Rhythmus finden und daran festhalten. Einfach ist das aber nicht.

Die Saison 2020 hat dann seltsam angefangen mit dem Ein-Tages-Rennen in England, mit Wind und Regen, und dann kam Valkenswaard. Das waren leider nicht meine stärksten Rennen, aber in den vergangenen Jahren bin ich immer in der zweiten Saisonhälfte schneller gewesen. Ich glaube, in Valkenswaard war ich bestimmt schnell genug fürs Podium [Coldenhoff wurde Siebter, Red.], aber ich habe Pech gehabt. Ich habe beim Start zum zweiten Lauf mein Bein schlimm verbrannt [als er mit dem Bein in das Clement Desalles Hinterrad geriet]. Die Narbe sieht man noch immer. Aber trotzdem bin ich dann noch Siebter geworden in dem Lauf.

Dann kam die Corona-Pause, aber als die Saison wieder gestartet wurde, hast du in Lettland gewonnen – der erste Motocross-GP-Sieg für GASGAS.

Ja. Kaum zu fassen, nicht wahr? Nach den ersten zwei Rennen war ich nicht völlig zufrieden und nach dieser Pause waren alle wieder fit in Lettland. Und wenn du dann gewinnst, in so seinem Rennen, auf das sich alle freuen, dann gibt das ein schönes Gefühl. Bereits im dritten Grand Prix haben wir der Marke GASGAS den ersten Sieg geschenkt, das war extra speziell. Auch für das Standing Construct Team. Die Jungs haben immer hart gearbeitet und während der Corona-Pause haben sie noch was gefunden, um die Maschine besser zu machen.

Das zweite Rennen in Lettland ist aber völlig anders gelaufen, als du dich verletzt hast.

Normalerweise hat man eine Woche, um sich nach einem Grand Prix auszuruhen, dieses Mal waren es nur zwei Tage. Ich habe wirklich versucht die Ruhe zu bewahren, aber unbewusst will man nach so einem Erfolg wieder aufs Podest. Das war psychisch etwas schwieriger. Im ersten Lauf bin ich nicht gut gestartet und wurde noch Siebter, weil ich ruhig blieb. Aber im zweiten Lauf bin ich wieder schlecht gestartet und habe dann gedacht: «Jetzt mache ich es anders, jetzt werde ich mal richtig Gas geben». Denn ich war fit und fühlte mich stark. Aber dann pusht man zu viel, du machst einen kleinen Fehler und verletzt dich.

Ich hatte solche Schmerzen an meinen Rippen, ich konnte kaum atmen. Und wenn es so viele Rennen in so kurzer Zeit gibt.... Heutzutage ist es in der MXGP-Klasse so: Wenn dir die letzten zehn Prozent fehlen, gibt es keinen Top-10-Platz für dich, auch wenn du normalerweise ein Top 5-Fahrer bist. Ich habe versucht zu trainieren, aber das war schlicht unmöglich. Das war richtig frustrierend: Wenn du weißt, dass du bessere Leistungen bringen kannst, es aber einfach nicht geht.

Kannst du die MXGP-Klasse von 2015, als du aufgestiegen bist, mit der MXGP von 2020 vergleichen?

Heutzutage ist es viel schwieriger als damals, gute Resultate zu erreichen. Als ich in der MXGP angefangen habe, konnte man manchmal nach einem guten Start ein paar Runden richtig Gas geben und dann weniger schnell fahren.

Heute gilt: Ab Runde 1 gibst du alles und in den letzten Runden noch etwas extra dazu. Jeder Fahrer ist jetzt topfit. Dann wird es immer schwieriger. Man muss immer am Limit fahren, es wird mit so viel Risiko gefahren... Denn wenn man keine Top-10-Resultate erreicht, kann man seinen Platz verlieren.

Körperlich und im Kopf soll alles stimmen. Hinzu kommt noch, dass während diesen sechs Jahren die Motoren und die Federung so viel besser geworden sind, das kann man sich kaum vorstellen.

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