Schuss ging nach hinten los: Johnny Rea unbesiegbar

Von Gordon Ritchie
Superbike-WM
Zehn Siege in Folge: So gut wie Jonathan Rea war noch keiner

Zehn Siege in Folge: So gut wie Jonathan Rea war noch keiner

Als erster Fahrer in der Geschichte der Superbike-WM hat Kawasaki-Star Jonathan Rea zehn Rennen in Folge gewonnen. Dabei wurde mit dem technischen Reglement alles unternommen, um ihn einzubremsen.

Seit vier Jahren ist Kawasaki in der Superbike-WM sowohl in der Fahrer- als auch der Konstrukteurs-Wertung ungeschlagen. Dabei zielen alle Änderungen im Reglement seit 2017 darauf ab, Kawasaki einzubremsen. Um genau zu sein, sind es Anti-Jonathan-Rea-Regeln, weil kein anderer Kawasaki-Fahrer auch nur annähernd so schnell ist, wie der inzwischen vierfache Weltmeister.

2017 wurde eingeführt, dass die Top-3 aus dem ersten Superbike-Rennen im zweiten Lauf aus der dritten Startreihe losfahren müssen.

Und seit diesem Jahr gibt es Maximaldrehzahlen pro Hersteller, natürlich hat Kawasaki mit 14.100/min die niedrigste unter den sieben Beteiligten.

Doch das alles konnte Jonathan Rea nicht stoppen. Im Gegenteil: 2018 wird aller Voraussicht nach seine erfolgreichste Saison.

In Argentinien holte der Nordire seinen zehnten Sieg in Folge, das gelang keinem Superbike-Piloten zuvor.

Er hat jetzt 16 Siege auf seinem Konto, 17 (Doug Polen 1991) in einer Saison sind Rekord. Zwei Rennen sind noch zu fahren.

Und mit 520 Punkten fehlen ihm nur noch 36 zu seinem eigenen Rekord von 556 Punkten in einer Saison. Mit zwei zweiten Plätzen in Katar, oder einem Sieg und einem dritten Platz, kann er seine Bestmarke überbieten.

Zu was Rea selbst krank in der Lage ist, sahen wir am Sonntag. Mit einem Magen-Darm-Infekt, den er sich am Samstagabend geholt hat, ist Jonathan Reas Paket aus Fahrer und Motorrad immer noch stark genug, um ein Rennen zu gewinnen, das er von der dritten Startreihe aus aufnehmen musste. Und das auf einer Rennstrecke, die nur auf einer Linie den nötigen Grip bot, während es daneben ziemlich rutschig war.

Er fuhr am Sonntag vom achten Platz zum Rennsieg, genauso sicher wie immer, auch wenn es diesmal etwas länger dauerte, bis er an der Spitze war.

Im zweiten Lauf von Villicum, in dem es deutlich wärmer war als im ersten, haben Rea und sein Team den Job wieder erledigt und gewonnen.

Wie? Indem sie dem vierfachen Weltmeister ein Motorrad zur Verfügung stellen, mit dem Rea seinen natürlichen Fahrstil durchziehen kann.

Es wurde schon gesagt, manchmal auch nur geflüstert, aber die Einschränkungen des Reglements, die der Kawasaki einen großen Brocken an PS im oberen Drehzahlbereich genommen haben, machen die Ninja 2018 – nachdem das Chassis-Set-up zu Beginn der Saison noch Kopfzerbrechen bereitet hat – zu einer unglaublich agilen, drehmomentstarken und leicht zu fahrenden Maschine. Den Test im tschechischen Brünn während der Saison nützten Rea und sein Team, um das Motorrad endgültig einzustellen – seither gibt es kein Halten, seit Laguna Seca Ende Juni hat er jeden Lauf gewonnen.

Diese sanftere Abstimmung für das Motorrad mag eine schlechte Nachricht sein für einen Fahrer wie Tom Sykes, der hart bremsen, das Motorrad in die Kurve werfen und mit voller Power am Kurvenausgang aufrichten will, aber für Rea sorgte ein Teil der 2018-Regeln dafür, dass der Motor besser zu seinem flüssigen und entspannten Fahrstil passt.

«Ich glaube, dass es unserem Reifenverschleiß sehr geholfen hat, das ist eine Sache», sagte Rea, der zu Rennende immer noch etwas Gummi übrig hat, wie schnell auch immer er in der Schlussphase fährt. «Das Motorrad ist leichter zu fahren, damit kann man als Fahrer mehr Einfluss auf das Motorrad nehmen. Aber wir haben natürlich viel von unserem Potenzial verloren, unseren Top-Speed. Es ist jetzt wirklich schwierig zu überholen.»

Der 70-fache Laufsieger ist sich sicher, dass sein Bike im oberen Drehzahlbereich nicht dieselbe Leistung hat, wie die Ducati-Zweizylinder oder die Aprila-V4: «Wir sind nicht mehr oder weniger gleichauf mit allen, auf keinen Fall. Wir sind weit hinter Aprilia und Ducati. Wenn du die Jungs auf den Geraden siehst – es ist fast unmöglich, sie zu überholen. Ich glaube, wir sind ziemlich ähnlich zur Yamaha, was die Leistung auf den Geraden angeht.»

Nun könnte man meinen, dass sich dieser Leistungsnachteil in Villicum besonders auswirken sollte, mit der langen Gegengerade?

Egal auf welcher Strecke, für Rea ist es am wichtigsten ein Paket zu haben, das ausgeglichen und schnell genug ist. Die Leistung ist weniger oft auschlaggebend als eine gute Chassis-Abstimmung. «Es geht nicht um die Power auf den Geraden, es geht um die Rundenzeit», so Rea. «Unterschiedliche Motorräder sind an unterschiedlichen Punkten unterschiedlich schnell. Wir haben nun viel mehr Speed in den Kurven, als je zuvor. Unser Bremspotenzial ist besser als je zuvor. Ich glaube, dass unser Motorrad eines der besten Gesamtpakete ist. Es ist nicht das Schnellste, es macht nicht alles perfekt, aber ich glaube, dass wir insgesamt im Hinblick auf die Rennperformance das beste Paket haben.»

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