Superbike-WM

Mit dem Bus durch Istanbul: «Ich dachte, wir sterben»

Von Ralf Waldmann - 15.09.2013 09:30

In der Türkei war ich zum ersten Mal. Alleine die Reise dahin liefert Stoff für viele gute Geschichten.

Meine Reise nach Istanbul ging schon am Donnerstag vor einer Woche los. Nachdem wir einen Plattfuß am LKW behoben hatten, bin ich nach Triest losgeeiert. Das war ja nicht weit, 400 Kilometer über Österreich. Donnerstagabend war ich dort.

Ich hatte Glück auf der Fähre, dass ich dort umdrehen konnte. Stellt euch mal vor, ich hätte rückwärts fahren müssen: das wäre ’ne Katastrophe geworden. Alleine das Einparken im Fahrerlager in der Türkei hat bestimmt vier Stunden gedauert, bis ich das Ding richtig drin hatte. Ich als Hobby-LKW-Fahrer. Rubatto war glücklich, dass ich sein Baby ohne Macke abgeliefert habe. Das ist ja sein Heiligtum. Mario ist Racer und Trucker in einem – aber lieber mehr Trucker.

Von Triest sind alle LKW-Fahrer gemeinsam mit dem Bus nach Slowenien rüber, von dort ging es mit dem Flieger zum Atatürk-Flughafen nach Istanbul. Ein Bus sollte um 6 Uhr, der andere um 9 Uhr kommen. Wirklich gekommen ist einer um 12 Uhr – italienische Zeit. Slowenien ist übrigens ein Paradies für Raucher, 17 Euro die Stange Zigaretten.

Auf dem Klo braucht man keine Zeitung

Unser Material kam dann im Zoll-Hafen in Istanbul an, dort sind wir eine Nacht gestanden. Toiletten, alle in übel desolatem Zustand. Kein Toilettenpapier, nur ein Wasserstrahl. Da brauchst du auch keine Zeitung zum Lesen, es gibt nur ein Loch im Boden.

Der Verkehr ist bemerkenswert. Rechts vor links gibt es nicht, der Stärkere hat Vorfahrt. Ich mit dem LKW also ganz weit vorne. Als wir in der Türkei ankamen, sind wir nachts um 4 Uhr mit dem Bus durch die Stadt gebrannt. Ich schwöre, wir sind mit 100 Sachen durch eine Mautstelle gefahren, wo rechts und links nur noch eine Briefmarke hineinpasste. Der ganze Bus hat HUUUUAAAAA geschrien!

Leicht Berg runter ist der Tacho bei 125 km/h hängen geblieben, der Motor hat aber noch 2000 Touren weitergedreht. Der ist mindestens 140, 150 den Berg runter gefahren. Selbst die hartgesottensten alten italienischen Truckista haben sich festgehalten und tief durchgeatmet. Da war eine Stimmung in der Bude, der ist gefahren, brutal! Ich dachte, wir sterben. Dann kamen wir am Hotel an, das war aber gar nicht unseres. Der hat gar nicht gewusst, wo wir hinfahren müssen, ist einfach drauflos gefahren.

Im Crowne-Plaza-Hotel teilte ich mir ein Zimmer mit dem alten Toth, das war äußerst lustig, wir hatten viel Spaß. Mit ihm habe ich dann auch in Istanbul die Gegend unsicher gemacht. Vor dieser großen Moschee gab es eine Demonstration, amerikanische Fahnen wurden zerrissen. Wir sahen auch israelische Fahnen, auf die Fäuste aufgemalt waren. Die Demo war aber mehr so ein Gesang, so wie die Mullahs immer auf ihrem Turm singen. Wir haben uns das von oben auf der Mauer der Moschee angeschaut. Hinter der Moschee sind auf einmal zwei große vergitterte Busse vorgefahren, voll mit Polizisten mit Maschinengewehren. Die haben sich aber zurückgehalten.

Mit 20 Siegen in den Klassen 125 und 250 ccm ist Ralf Waldmann (46) der erfolgreichste Grand-Prix-Fahrer, der nie Weltmeister wurde. Heute arbeitet er mit viel Begeisterung in der Superbike-WM für das MR-Racing Team, in dem Max Neukirchner fährt.

Max Neukirchner (li.) und Ralf Waldmann © Gold & Goose Max Neukirchner (li.) und Ralf Waldmann Auf dem Basar in Istanbul © Waldmann Auf dem Basar in Istanbul Ralf Waldmann machte Istanbul unsicher © Waldmann Ralf Waldmann machte Istanbul unsicher Die Fähre war groß genug, um darauf umzudrehen © Waldmann Die Fähre war groß genug, um darauf umzudrehen

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