Formel 1: Reaktion auf Sabotage-Vorwurf

Markus Schlosser: Vom Pensionisten zum WM-Führenden

Von Helmut Ohner
Noch zum Jahreswechsel war nicht abzusehen, dass sich Markus Schlosser zu einem Comeback entschließen könnte. Jetzt gewann der Schweizer den zweiten WM-Lauf in Le Mans und führt die Seitenwagen-WM an.

Bis auf den um wenige Sekunden verpasste Sieg im ersten Lauf verlief das erste Wochenende der Seitenwagen-Weltmeisterschaft ganz nach dem Geschmack von Markus Schlosser und seinem Beifahrer Luca Schmidt. Der Deutsche stieg erst im ersten Qualifying in das Boot des Schweizer Weltmeisters, weil dessen angestammter Beifahrer Marcel Fries w.o. geben musste und sein eigener Fahrer Patrick Werkstetter krankheitsbedingt nicht anreisen konnte.

Der Start zum zweiten Rennen auf dem 4,185 Kilometer langen Circuit Bugatti begann am Samstagvormittag wie Lauf 1. Schlosser führte das Feld zwar in die Schikane, musste allerdings Harry Payne/Kevin Rousseau vom Team Steinhausen nach dem Dunlop-Bogen die Vorfahrt lassen. «Es war ein blitzsauberes Überholmanöver, Harry hat mit vollem Tank einfach mehr riskiert als ich», kommentierte der Eidgenosse die Situation.

Mit Payne/Rousseau übernahmen die Sieger des Vortages das Kommando, allerdings dicht gefolgt von Schlosser/Schmidt und Todd Ellis/Emmanuelle Clément. Diese Reihenfolge blieb lange unverändert, aus der zwölften Runde kamen dann aber Schlosser/Schmidt als Führende bei Start und Ziel vorbei. Payne/Rousseau waren an die dritte Stelle zurückgefallen. Das britisch-französische Paar kämpfte mit technischen Problemen, die später sogar zum Ausfall führten.

Obwohl die Titelverteidiger Ellis/Clément den Druck auf die Vorderleute zwischenzeitlich erhöhten, ließen sich Schlosser/Schmidt, die im fünften Umlauf mit 1:43,448 min. einen neuen Rundenrekord in den Asphalt gezaubert hatten, nicht aus der Ruhe bringen. Bis zur Ziellinie konnten sie den Vorsprung sogar noch einmal auf 1,293 Sekunden vergrößern. Für Schlosser ist es bereits der 16. Sieg in einem WM-Rennen, für Schmidt immerhin auch bereits der zweite.

«Es ist ein Wahnsinn, mit so einem Resultat habe ich nicht gerechnet», gab Schlosser im Gespräch mit SPEEDWEEK.com zu. «Und jetzt trete ich mit einem zweiten Platz, einem Sieg, der Verbesserung des Rundenrekords, der Pole-Position und der Führung in der Weltmeisterschaft die Heimreise an. Ich war eigentlich nicht einmal optimal vorbereitet, weder was die Technik, noch das Sponsoring betrifft. Ich wollte einfach nur wissen, wie gut es mit den Reifen von Hoosier läuft.»

«Ich muss Luca ein großes Lob aussprechen. Ich bin ja die freien Trainings noch mit Marcel gefahren. Nachdem er sich nicht gut gefühlt hat, habe ich Luca gefragt, ob er sich vorstellen kann, bei mir mitzufahren, weil er ja ohne Fahrer dastand. Wir hatten nicht viel Zeit, um uns aneinander zu gewöhnen und obwohl er zum ersten Mal in Le Mans war, hat er einen phänomenalen Job gemacht. Dieses Wochenende war der alte Wilde mit dem jungen unterwegs.»

Auf dem sicheren dritten Platz landeten die britischen Brüder Sam und Tom Christie (Team Hannafin), die die niederländisch-deutsche Paarung Bennie Streuer/Kevin Kölsch hinter sich lassen konnten. Der fünfte Platz ging an den Finnen Pekka Päivärinta (Hänni Racing), der dieses Wochenende nicht nur den Wechsel von einem LCR- zu einem ARS-Chassis verkraften musste, sondern mit dem Briten Adam Christie auch einen neuen Beifahrer an Bord hatte.

Um Rang 6 gab es wie am Vortag einen Zweikampf um die französische Vorherrschaft. Im Gegensatz zu Lauf 1 hatten dieses Mal Paul Leglise/Marjorie Cescutti (Team 521 Competition) vor Ted Peugeot/Vincent Peugeot (Team Seventy Four Racing) um acht Hundertstelsekunden das bessere Ende für sich. Die Deutschen Lennard Göttlich/Lucas Krieg (Bonovo action Junior) holten sich vor Sam und Jack Laidlow sowie Lukas Wyssen/Ema Salmon (Gustoil Sidecar Racing) Platz 8.

Ergebnis, Le Mans, Rennen 2
1. Schlosser/Schmidt (CH/D), LCR Yamaha, 18 Runden in 31:17,400 min. 2. Ellis/Clément (GB/F), LCR Yamaha, 1,293 sec zur. 3. Christie/Christie (GB), LCR Yamaha, +8,924 sec. 4. Streuer/Kölsch (NL/D), ARS Yamaha. 5. Päivärinta/Christie (FIN/GB), ARS Yamaha. 6. Leglise/Cescutti (F), LCR Yamaha. 7. Peugeot/Peugeot (F), LCR Yamaha. 8. Göttlich/Krieg (D), ARS Yamaha. 9. Laidlow/Laidlow (GB), LCR Yamaha. 10. Wyssen/Salmon (CH/F). 11. Biggs/Segers (GB/NL), LCR Yamaha. 12. Cable/Richardson (GB), LCR Yamaha. 13. Archer/Janssens (GB/B), ARS Yamaha. 14. Kirby/Kirby (GB), ARS Yamaha. 15. C. Vinet/Marsal (F), LCR Yamaha. 16. C. Vinet/G. Vinet (F), LCR Yamaha. 17. Fretay/Fenoy (F/P), LCR Yamaha. 18. Leguen/Darras (F), LCR Yamaha. 19. Gallerne/Colombin (F), RCN Kawasaki. 20. Gadet/Chaigneau (F), LCR Kawasaki. Schnellste Runde: Schlosser/Schmidt in 1:43,448 min.

WM-Stand nach 2 von 12 Rennen
1. Schlosser, 45 Punkte. 2. Ellis, 36. 3. Christie, 29. 4. Payne/Rousseau (F), 25. 5. Päivärinta, 22. 6. Streuer, 21. 7. Peugeot und Leglise, je 19. 9. Göttlich, 15. 10. Biggs, 11. 11. Archer, 8. 12. Laidlow und Cable, je 7. 14. Wyssen und Kirby, je 6. 16. Vinet, 3. 17. Le Bail/Leveau (F), 1.

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