Ein voller Erfolg

Kolumne von Eckart Rösinger
Internationale Sidecar Trophy
Eckart Rösinger und Andy Kolloch

Eckart Rösinger und Andy Kolloch

Nach sechswöchiger Pause ging es endlich wieder zum Rennen. Das erste German Sidecar Festival in der Motorsport Arena Oschersleben stand auf unserem Terminplan.

Mein Ex-Fahrer Ralph Bohnhorst hatte gerufen. Mehr als 100 Teams verschiedener Gespann-Kategorien kamen. Es sollte ein voller Erfolg werden. Wir fuhren bereits Mittwochabend los, trafen uns, schon fast traditionell, mit Freund und Sponsor David Baydar in der Nähe von Limburg. Dann weiter, irgendwo schlafen und am Donnerstagmorgen die letzten 200 Kilometer abspulen. Rein ins Fahrerlager, in aller Ruhe aufbauen und dann mit Bohni das erste Bier nehmen, sowie den Verlauf der Veranstaltung absprechen. Neben dem eigentlichen Renneinsatz sind Konni und ich ja auch intensiv mit der Durchführung und Organisation der Sidecar Trophy beschäftigt. Von einander haben wir an solchen Wochenenden wenig, man sieht sich aber immer wenn Konni die Ergebnislisten verteilt.

Im freien Training ging es für Andy und mich darum wieder den Rhythmus zu finden. Wir beide kennen Oschersleben, nur zusammen sind wir hier noch nicht gefahren. Das Gespann hatte ja gerade den Halbjahres Check hinter sich, so waren keine technischen Probleme zu erwarten. In diesem Training ruinierten wir uns den Vorderreifen nachhaltig, so dass wir uns für den Rest des Wochenendes einer härteren Mischung zuwandten. Dies war mit Reifenpartner Herbert Brünner so abgesprochen. Der Reifen kam genau zur richtigen Zeit. Ohne Probleme konnten wir gleich eine vernünftige Zeit vorlegen die uns am Ende der Sitzung Platz 2 einbrachte. Bei gleichzeitig 29 Gespannen auf der Strecke war es natürlich schwierig eine freie Runde hinzu bekommen, aber man muss nur lange genug draußen bleiben, irgendwann klappt es dann.

Etwa zwei Runden vor Schluss riss uns dann der Gaszug. Ich habe wohl das: «Zieh mal ordentlich am Kabel» von Andy zu wörtlich genommen. Aber wir haben auch in solchen Situationen Glück. Das Malheur passierte genau am Boxeneingang, ich fuhr direkt links raus, (armer Andy das kam sehr überraschend für ihn) und konnte mit dem Schwung bis fast vors Zelt rollen. Dann schnell den «Cableman», wie ihn alle nennen, gerufen. Er hat uns noch während des Frühstücks einen neuen Gaszug gefertigt und eingebaut. So mit Teflon Seele und allen Schikanen. Danke für den schnellen Service von hier in die Schweiz. Im zweiten Training haben wir noch die Stossdämpfer etwas verstellt. Oschersleben hat doch eine Menge Bodenwellen, und die wollen alle schön glatt gebügelt werden. Auch mit dem Luftdruck in den Reifen haben wir etwas experimentiert. Das Team Pichler konnte sich noch vor uns schieben, aber immerhin blieb es bei der ersten Startreihe. Ausser Sprit messen und nachfüllen hatten wir nicht mehr zu tun. Mit etwas Ruhe erwarteten wir den Supersprint der als Qualirennen gewertet wurde. Es ging hierbei nicht um Punkte für die Meisterschaft.

Die Supersprintrennen werden mit umgedrehter Startaufstellung gefahren. Da das Team Pichler/Pichler aus Österreich auf den Start verzichteten, standen wir auf Position 25 von 26 zu startenden Teams. Ist ganz schön voll vor einem. Wir hielten uns im Gegensatz zu den Trainingsschnellsten Ducouret/Hermann, die wohl 20 Teams links außen übers Gras überholten, zurück. In der ersten langen Rechtskurve konnten wir dann 5-6 Gespanne aussenherum überholen. So ging es dann in der ersten Runde munter weiter. Unsere Hauptgegner des letzten Jahres, Currie/Biggs aus England, mussten als Gaststarter von Position 10 ins Rennen gehen. Sie standen also sechs Startreihen vor uns. Da wir etwa den selben Speed haben, (im Training haben wir sie erstmals hinter uns gelassen) konnten wir sie in dem nur 5 Runden dauernden Rennen nicht mehr einholen. Wir sahen sie zwar am Ende der Geraden mit Ducouret/Herman, die das Rennen gewannen, aber an ein näher kommen war nicht zu denken.

Es ging ja auch nicht um Punkte sondern es war für uns ein reines Spassrennen, und Spass hat es gemacht. Nach dem Rennen hatte Veranstalter Bohnhorts etwas ganz Besonderes geplant: Alle der über 100 anwesenden Renngepanne versammelten sich auf der Start- und Zielgeraden von Oschersleben zum gemeinsamen Foto. Unvergesslich. Es sollte wohl für den Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde langen. Im Verlauf des Samstag Abend besuchten wir die Halle am Hotel, wo Bohni tolle Rennfilme zeigte (1982 GP von Brünn mit mir als junger dürrer Beifahrer bei Egon Schons im Boot) Ausserdem wurden interessante Interviews mit den anwesenden Renngrössen gemacht. Das eine oder andere lockere Gespräch fand in dieser netten Atmosphäre natürlich auch statt.

Für den ersten Punktelauf des Wochenendes starteten wir aus der ersten Reihe links. Die beiden F1 Gespanne Ducouret/Hermann (Meisterschaftsführender zu diesem Zeitpunkt) und die Österreicher Pichler/Pichler sprinteten uns locker bis zur ersten Kurve aus. Im letzten Moment drängten sich auch noch unsere englischen Freunde Currie/Biggs vorbei. Im Training haben Andy und ich schon festgestellt, dass wenn Andy in der langen Rechtskurve noch weiter nach vorne kommt, diese Kurve unheimlich schnell geht. Ich spürte Andi schon neben mir Druck aufbauen und gab extrem früh Gas. Deutlich früher wie Currie und so konnten wir uns bis zur Hasseröder Kurve links an den Briten vorbeischieben. Für die Linkkurve waren wir innen und damit vorbei. Wir machten uns sofort auf die Verfolgung von Pichler/Pichler die uns in allen Kurven aufhielten. An ein Überholen war aber nicht zu denken, dafür hat ihr 1000ccm Motor zuviel Druck. Also nutzen wir den Windschatten und ließen sie auf etwa zwei Sekunden ziehen.

Konni signalisierte uns mit der Boxentafel einen 1-2 Sekunden Vorsprung auf Currie. Das langte mir. Nach etwa drei Runden riss bei Pichler die Antriebskette, verletzte beim Ausrollen aus dem Fahrwerk sogar noch den Beifahrer an der Rippe so nachhaltig, das er für das Hauptrennen ausgewechselt werden musste. Wir fuhren den zweiten Platz kontrolliert nach Hause, auch wenn ich in den letzten zwei Runden dicke Arme bekam. Trotzdem war die fünfte und letzte Runde unsere Schnellste des Rennens. Wie doch Gefühle täuschen können. 20 Punkte in der Gesamtwertung, für die Trophy-600-Wertung gab es volle Punkte. Ein weiteres Mal die «weisse Weste» behalten. Nach dem Rennen der kurze Check, Tanken und Kräfte sammeln für das Hauptrennen. Schön war der Besuch von Andys Eltern auf dem Rennplatz. Ich glaube sie können mächtig stolz sein auf ihren «Jungen». Ich bin jedenfalls froh, den Besten der Zunft im Boot zu haben.

Zwischen den beiden Rennläufen machten wir für das MDR Fernsehaufnahmen. Sie brachten am Sonntagabend zur besten Sendezeit einen Bericht über die Veranstaltung und unser Team. Im Laufe des Interviews in unserem Zelt erläuterten wir den Zuschauern die Eigen- und Besonderheiten des Gespannrennens, angefangen vom Poschleifern an Andys Lederkombi, bis zu meiner knienden Sitzposition. Den Sponsoren unseres Teams sollte der öffentliche Auftritt gefallen haben. Der Start verlief gleich wie beim Sprint. Vorne die zwei F1-Gespanne, am Anbremspunkt zwängt sich Currie/Biggs vorbei. Ich versuchte dasselbe Manöver wie ein paar Stunden zuvor, doch Currie roch den Braten, und schmiss mir links die Tür zu. In den folgenden Kurven sah ich mir die Fahrweise des Engländers an. Er rutschte wie wild auf der Strasse herum, war in jeder Kurve quer. Ich dachte mir, er spürt meinen Atem. Ich habe ihm zwischen den Rennen erzählt, dass ich nur technisch aufgerüstet habe um ihn dieses Jahr zu schlagen. Jedenfalls fuhr ich bewusst reifenschonend und wartete ab, was da noch kommt. An ein Ranfahren oder gar Überholen von Pichler, jetzt mit Manfred Wechselberger, genannt Jeti, im Boot, war eh nicht mehr zu denken.

Als nach sechs oder sieben Runden die Überrundungen losgingen hatte es Currie besonders eilig. Dabei kollidierte er mit dem zu Überrundeten und landete nach dieser Aktion im Kiesbett am Ende der Gegengeraden. Ich konnte mir ein Grinsen beim Vorbeifahren nicht verkneifen. Eine Runde Später rollte der Führende Ducouret mit gebrochener Lenkung aus. Wir waren erneut Zweite und gaben diesen Platz bis ins Ziel nicht mehr ab. Auf die Drittplazierten hatten wir im Ziel 20 Sekunden Abstand. Dadurch dass der Meisterschaftsführende Ducouret/Herman in diesem Rennen punktelos blieb, haben wir gemeinsam mit ihm die Meisterschaftsführung mit 220 Punkten inne. Wie sagt ein englisches Sprichwort: You have to finish first, to finish first. Die Zuverlässigkeit unseres Gespannes hat uns in die Situation gebracht auch wieder um die Gesamtmeisterschaft zu kämpfen. Bei der internen Trophy 600 Wertung könnten wir schon beim nächsten Rennen in Hockenheim Ende August den Sack zumachen. Wir arbeiten dran.
 

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