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Supersport-WMKolumne

Ein Land der Widersprüche: Katar bei Nacht und Regen

SBK Katar 2018 wird uns wegen zwei Dingen in Erinnerung bleiben: Sandro Cortese wurde Supersport-Weltmeister und wegen des vielen Regens. Das Land selbst steckt voller Widersprüche.

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Die Skyline von Doha
Die Skyline von Doha
Foto: Glänzel
Die Skyline von Doha
© Glänzel

Für manche Bewohner gilt das Emirat Katar am Persischen Golf als Schlaraffenland. Denn das Gesundheitswesen ist kostenlos, es gilt Steuerfreiheit, der Erdgasreichtum sorgt für ein extrem hohes Pro-Kopf-Einkommen, der Treibstoff kostet nur 40 Cent pro Liter – und in der Theorie erlebt Katar nur 22 Regentage im Jahr – null davon im Oktober.

In der Praxis haben wir vergangenes Wochenende am Renn-Samstag sowie am Sonntag Regen erlebt, dem ein heftiger Sandsturm voranging. Im Fahrerlager gab es einige Verwüstungen, Kameras wurden beschädigt, zeitweise fielen die Satelliten-Verbindungen zu den TV-Stationen aus. Weil es unter den Straßen von Katar keine Kanalisation gibt, führt jeder stärkere Regen sofort zu Überschwemmungen. Die Gebäude in der Wüste sind auch nicht für Regen ausgelegt: Es dauert nicht lange, bis Dächer einstürzen, ist die Wassermenge groß genug.

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Der Zeitplan am Samstag verschob sich wegen des Regens um 45 Minuten nach hinten, das Supersport-Rennen wurde trotz stellenweise auf der Strecke stehendem Wasser durchgezogen. WM-Promoter Dorna wollte unter allen Umständen, dass der Titel sportlich entschieden wird. Sandro Cortese wurde mit einer bravourösen Leistung nach 2012 in der Moto3-Klasse zum zweiten Mal Weltmeister.

Während man die Supersport-Piloten den schwierigen Bedingungen bedenkenlos aussetzte, hatten die Macher mit den Superbike-Stars kein so leichtes Spiel. Die Fahrer der großen Klasse waren sich einig, dass Rennen fahren "viel zu gefährlich" sei – Lauf 2 wurde abgeblasen.

Manche Experten meinen, das jämmerliche Wetter sei das Ergebnis jahrzehntelanger Umweltverschmutzung im Mittleren Osten, wo Begriffe wie Umweltschutz und Energiesparen nicht existieren.

Ich war 2005 zum ersten Mal in Doha, damals lebten 400.000 Menschen im Land, jetzt sind es 2,6 Millionen. Der Zuwachs setzt sich aus lauter Ausländern zusammen.

Die Idee der Herrscher: Wenn Erdgas und Erdöl versiegen, werden wir vom Tourismus leben – ein ähnliches Konzept wird in Dubai und in den anderen Emiraten vorgelebt.

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Unbeschreiblich, was in Katar in den letzten 14 Jahren in die Infrastruktur investiert wurde, in achtspurige Prachtstraßen, in Eisenbahnlinien, in unzählige Luxushotels vom Ritz Carlton übers Hyatt bis zum Steigenberger, Marriott und Intercontinental, in den neuen Hamad International Airport, in modernste Sportstätten, denn es fand und findet dort bis zur Fußball-WM 2022 jedes Jahr eine Weltmeisterschaft statt, von der Handball- bis zur Rad-WM.

Aber wir kennen auch die Schattenseiten von Katar. Von sklavenartigen Zuständen bei den Bauarbeitern wissen wir nicht nur im Zusammenhang mit dem Bau der Stadien für die Fußball-WM.

Selbst die ausländischen Fußballspitzenspieler müssen ihre Pässe abgeben, sie können den Club nur wechseln, wenn die Obrigkeiten es erlauben, es geht zu wie beim Sklavenhandel, es trifft auch Schweizer, Belgier und Franzosen.

Geld spielt in Katar offenbar keine Rolle. Die Metropole Doha hat sich Richtung Rennstrecke Losail International Circuit ausgedehnt, die Piste wird bald am Stadtrand liegen, die neue Satellitenstadt Losail City mit 200.000 Einwohnern wurde schon in die Nähe gepfercht, auch die Luxuswohngegend "The Pearl".

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Nirgendwo sonst auf der Welt sieht man eine so hohe Dichte von Kränen pro Quadratkilometer, die Anzahl der durstigen V8-SUV von Porsche, Nissan, Toyota und so weiter ist beispiellos.

Die herrliche Corniche-Promenade am Meer, immerhin meist achtspurig, ist längst überlastet und meistens hoffnungslos verstopft.

Das Autofahren in Doha ist ein Abenteuer. In erster Linie deshalb, weil wohl in Katar jeder ohne Führerschein einen Pkw lenken kann, es gilt das Recht des Stärkeren, in den Kreisverkehren kennt niemand das Vorrangsystem, man agiert nach Gutdünken, rote Ampeln werden nicht ernst genommen.

Dafür habe ich zirka 600 Schilder mit der Aufschrift "Deviation" gesehen, das steht für Umleitung. Die Verkehrsführung ändert sich wegen der massiven Bauarbeiten fast täglich. Wer sich auf sein Navi im Handy verlässt merkt schnell, dass nicht einmal Google allwissend ist.

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Wegen der Hitze wird bei Nacht Golf gespielt, es wird ein Nacht-GP gefahren, die Energieverschwendung wird ignoriert, im benachbarten Wüstenstaat Dubai wird sogar Indoor-Ski gefahren.

Wegen der Umweltverschmutzung regnet es jetzt offenbar häufiger in der Wüste, die Sonne ist wegen des Smogs nur mehr in seltenen Fällen zu sehen.

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