Politische Grabenkämpfe: Triumph, Ducati wären bereit

Kolumne von Ivo Schützbach
Supersport-WM
Triumph will mit einem Werksteam in die Supersport-WM einsteigen

Triumph will mit einem Werksteam in die Supersport-WM einsteigen

Das mögliche neue technische Reglement für die Supersport-WM liegt auf dem Tisch, doch die beteiligten Parteien sind sich uneinig. Bleibt alles wie gehabt, wird eine große Chance verpasst und es droht ein Yamaha-Cup.

Die Ankündigung, dass der Hubraum in naher Zukunft auf knapp 1000 ccm erhöht wird und dann auch Ducati, Triumph und Aprilia mitmischen können, sorgt für Euphorie und viel Interesse an der mittleren Hubraumkategorie.

Doch hinter den Kulissen rumort es gewaltig. Vergangenes Wochenende fanden in Estoril weitere Gespräche zwischen den Mitgliedern der Hersteller-Vereinigung MSMA sowie innerhalb der Superbike Commission statt, in welcher Vertreter der MSMA, des Motorrad-Weltverbands FIM und von Promoter Dorna sitzen.

18 Monate lang haben die Techniker der FIM eine Formel ausgetüftelt, um die verschiedenen Konzepte von 2- bis 4-Zylinder und von 600 bis nahezu 1000 ccm balancieren zu können. Diese orientiert sich an der Handicap-Regel, wie sie in ähnlicher Form in der 300er-WM angewendet wird. Dort werden die Motorräder über das Gewicht, die Drehzahl und den erlaubten Tuninggrad auf die nahezu gleiche Leistungsfähigkeit gebracht. Bei den Supersportlern soll es der FIM zudem möglich sein, die Öffnung der Drosselklappen elektronisch zu beschränken.

Die FIM will die heutigen 600er-Vierzylinder-Maschinen als Ausgangspunkt nehmen, was die Power und das Gewicht betrifft. Die besten Motoren leisten derzeit 145 PS am Hinterrad, diese Motorräder sollen auch zukünftig eine Chance haben.

Doch alle Beteiligten wussten von Anfang an, dass die Umsetzung für 2021 ein schwieriges Unterfangen ist. Inzwischen sind die Gespräche zu einer Farce verkommen, einige Beteiligte schauen nur auf ihr eigenes Wohl, statt das große Ganze im Blick zu haben.

Sonntagabend ließ der frustrierte PTR-Teamchef Simon Buckmaster eine Bombe platzen und verkündete seine Trennung von Honda. Der Engländer setzte in der Supersport-WM seit 2008 die CBR600RR ein, dieses Jahr war er der letzte Getreue des größten Motorrad-Herstellers.

Obwohl für 2021 eine neue CBR600RR mit Ride-by-wire kommt, allerdings nur für den asiatischen Markt, hat Honda weiterhin null Interesse an dieser Weltmeisterschaft. Für Buckmaster ist eine weitere Zusammenarbeit uninteressant, er müsste sämtliche Teile mühsam über Honda Japan beziehen und alles aus der eigenen Tasche bezahlen.

Inzwischen pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Triumph will in die Supersport-WM einsteigen und kann sich keinen besseren Partner als Buckmaster vorstellen. Der heute 59-jährige frühere 500er-GP-Fahrer begann seine Karriere auf Triumph.

Seit Monaten gibt es bei Triumph Bestrebungen und Vorbereitungen, die Street Triple RS 765 einzusetzen, der man nur eine Verkleidung verpassen muss. Derselbe Motor wird seit 2019 in der Moto2-WM verwendet. Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta wurde über diesen Wunsch informiert, seit vielen Jahren gibt es mit Triumph endlich wieder einen Hersteller, der sich werksseitig in die Supersport-WM einbringen will. Hintergedanke der Briten ist, diese Meisterschaft als Entwicklungsfeld für Moto2 zu nützen.

Nicht nur Triumph will die Hubraumerhöhung. MV Agusta bettelt seit Jahren darum, die F3 800 einsetzen zu dürfen. Und Ducati möchte die Panigale V2 959 an den Start bringen, das Barni-Team steht Gewehr bei Fuß. Der Hersteller aus Bologna pusht aber nicht, um die Regeln bereits für 2021 durchzusetzen.

FIM Technical Director Scott Smart ist überzeugt, dass er innerhalb von vier Wochen mit allen Motorrädern auf dem Prüfstand die Balance-Regel so gut hinbekommt, dass für nächste Saison Chancengleichheit herrscht.

Doch nicht alle jubeln bezüglich des neuen Reglements. Promoter Dorna will nicht für die Kosten der aufwändigen Balance-Regel aufkommen, die sich auf zirka 45.000 Euro belaufen.

Deshalb existiert die Idee, dass sich diesen Betrag die neu hinzukommenden Hersteller im Rahmen der Homologation ihrer Motorräder teilen.

Oder, dass gleich über eine vereinfachte und günstigere Balance-Regel nachgedacht wird – nur über das Gewicht, die Drehzahl und den erlaubten Tuninggrad, nicht aber über die Elektronik.

Dornas Managing Director Gregorio Lavilla geht davon aus, dass er für 2021 auch ohne zusätzliche Hersteller ein volles Startfeld hat – was viele bezweifeln. Und selbst wenn dem so wäre, dann ohne Honda, ohne Triumph, ohne Ducati und auch ohne Aprilia – eine deutlich weniger reizvolle Vorstellung.

FIM-Boss Jorge Viegas plädiert dafür, die Regeln erst für 2022 zu ändern, auch viele Teams sehen das so. Dabei wird die nächste Saison erst im April 2021 beginnen, zirka sechs Wochen später als üblich.

Zusammenfassend verhält sich die Situation so: Bleiben die Regeln wie sie sind, sehen wir 2021 einen Yamaha-Cup mit der Beteiligung von vereinzelten Kawasaki. Honda ist nicht mehr dabei und schlimmstenfalls auch MV Agusta nicht.

Kommt die Hubraumerweiterung, sehen wir neben vielen Yamaha ein paar Kawasaki, dazu zwei bis vier MV Agusta, zwei bis vier Triumph und mindestens zwei Ducati.

Aprilia hat mit der RS 660 zwar ein passendes Motorrad, dieses leistet in Serie aber nur 100 PS bei knapp 170 Kilogramm. Die Schönheit aus Noale bräuchte einen potenten Racing-Kit, um konkurrenzfähig zu sein.

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