Sieger Ken Roczen: Der Bann ist endlich gebrochen

Von Thoralf Abgarjan
Supercross-WM
Es waren drei lange Jahre mit Verletzungen und immer wieder neuen Rückschlägen. Nun ist der Bann endlich gebrochen. Alle Diskussionen über Roczens Fitness und sein Material sind Makulatur.

Fast drei Jahre mussten wir auf diesen Tag und diesen Sieg in St. Louis warten. Zwischen Roczens letzten Sieg in San Diego 2017 und heute ist sehr viel passiert.

Titelfavorit 2017
2017 ging der Thüringer als großer Favorit ins Rennen. Ken Roczen war nach seinem Wechsel von Suzuki zu Honda und seinem Sieg beim Monster Energy Cup im Herbst 2016 in Las Vegas der klare Favorit für die Supercross-WM 2017. In Vegas verpasste er die Millionenprämie für 3 Laufsiege nur knapp durch einen heftigen Crash bei einer Sprungkombination - ein dunkler Vorbote jenes Dramas, welches nur wenige Wochen später beinahe seine Karriere beendet hätte.

Roczen war 2017 das absolute Maß der Dinge. Er gewann den Saisonauftakt in Anaheim überlegen vor dem späteren Champion Ryan Dungey (KTM).

Schon beim 2. Lauf in San Diego trat Roczen mit dem roten Nummernschild des WM-Führenden an. Trotz schlechten Starts erreicht er in Windeseile die Spitze und gewinnt auch dieses Rennen. Doch dieser Sieg sollte für Jahre sein letzter bleiben, denn das nächste Rennen, Anaheim-2, wurde zum Verhängnis. Erneut musste er eine Aufholjagd aus dem Mittelfeld starten. In Runde 9 geschah das Unfassbare. Er wurde von seiner Honda katapultiert und schlug heftig auf den harten Boden des Angel-Stadiums auf. Die Saison 2017 war damit beendet. Therapie und Rehabilitation des komplizierten Trümmerbruchs werden schmerzhaft und langwierig. 11 Operationen muss er über sich ergehen lassen. Sie erfordern sogar den Einsatz eines Knorpel-Transplantats.

Erstes Comeback: Anaheim 2018
Am 6. Januar 2018 kehrte Roczen auf die Rennstrecke zurück. Doch das Comeback verläuft nicht wie erhofft. Der Deutsche kann seinen linken Arm noch immer nicht voll belasten. US-Experten wie Multi-Champion Ricky Carmichael sprechen dennoch vom größten Comeback in der Supercross-Geschichte. In Houston/Texas steht er zum ersten Mal wieder auf dem Podium. Er erreicht nur Rang 9 in Anaheim 2, wo er ein Jahr zuvor verletzt aus dem Stadion getragen wurde. Doch bei den folgenden Rennen in Glendale und Oakland steht er wieder auf dem Treppchen.

Ausgerechnet im Petco Park von San Diego, dort, wo er 2017 seinen letzten Sieg im Supercross feierte, kollidiert er ein Jahr später mit Cooper Webb, mit dem er seit Saisonbeginn schon die eine oder andere unsaubere Begegnung hatte. Roczen touchiert Webbs Hinterrad, so dass beide stürzen und Roczen zwischen Hinterrad und Schwinge von Webbs Yamaha eingeklemmt wird. Diesmal ist der rechte Arm betroffen: Sein Mittelhandknochen ist mehrfach gebrochen, mehrere Bänder sind beschädigt. Die Supercross-WM 2018 ist für den Deutschen beendet.

Zweites Comeback: US Nationals 2018
Das nächste Roczen-Comeback fand beim Saisonauftakt der US Nationals in Hangtown statt. «Ich kann so lange fahren, wie ich die Schmerzen aushalte», erklärte er nach dem Rennen. Er schafft 2018 immerhin zwei Laufsiege in RedBud und Budds Creek und beendet die Saison auf Rang 3 hinter Eli Tomac (Kawasaki) und Marvin Musquin (KTM).

Hauptsache gesund
«Hauptsache, ich bleibe gesund», so lautete sein Statement immer wieder, auch 2019, als es nicht nach Plan läuft. Er hadert immer wieder mit Infekten und plötzlichen Leistungseinbrüchen, aber von schweren Verletzungen bleibt er zum Glück verschont. 2019 war seine letzte Saison, die er verletzungsfrei absolvieren kann. Am Ende reicht es für Rang 4 in der Supercross-WM und Platz 2 in den US-Nationals.

SPEEDWEEK.com berichtet: «Roczen hat in dieser Saison 151 Runden geführt, das sind mit Abstand die meisten Runden. Er hat 3 Gesamtsiege und 5 Laufsiege erreicht und die Saison gesund überstanden. Roczen kann sich jetzt der Vorbereitung auf die Supercross-WM 2020 zuwenden. Es war ein Jahr mit Höhen und Tiefen, aber insgesamt eine gute Saison für Roczen

Anfang 2020 wird bekannt, dass der Deutsche unter dem Pfeifferschen Drüsensyndrom leidet. Nach seinem verhaltenen Start in die Supercross-WM 2020 auf Platz 6 in Anaheim diskutieren die Experten, ob Roczen seine frühere Stärke verloren habe.

Diese Diskussionen sind ab heute Makulatur. Roczen hat das Rennen in St. Louis überlegen gewonnen. In der WM rangiert er auf Rang 2. So kann es gerne weitergehen.

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