Lukas Trautmann: Mit Idealpunktzahl in die Halbzeit

Von Andreas Gemeinhardt
Yamaha R6 Cup
Der 18-jährige Österreicher Lukas Trautmann (Team Freudenberg Racing - HF Romero) feierte am Nürburgring seinen vierten Sieg im vierten Rennen des Yamaha R6-Dunlop-Cups.

Mit blütenweißer Weste schließt Lukas Trautmann die erste Saisonhälfte im Yamaha R6-Dunlop-Cup ab. Der Salzburger war auch bei regnerischem Wetter auf dem Nürburgring nicht zu schlagen, er siegte vor Manou Antweiler sowie dem erst 15-jährigen Cup-Rookie Maurice Ullrich und feierte den vierten Sieg im vierten Rennen.

Die Eifel zeigte sich am Wochenende einmal mehr von ihrer typischen Seite. Pünktlich zum Abschlusstraining am Samstag setzte der Regen ein und die Strecke trocknete bis zum Start am Sonntag nicht mehr ab. «Wet-Race» war angesagt und trotz erster trockener Stellen auf der Ideallinie entschied sich das gesamte Fahrerfeld richtigerweise für Regenreifen.

Schwierige Bedingungen für die 33 Starter, mit denen erneut Lukas Trautmann am besten klar kam. Manou Antweiler lag nach dem Start vorn, doch schon in der zweiten Runde übernahm der 18-jährige Meisterschaftsleader das Kommando. «Die Ideallinie wurde von Runde zu Runde trockener, man musste allerdings höchst konzentriert sein, dass man die Spur sauber erwischt. Die Verfolger waren das ganze Rennen über hartnäckig an meinem Hinterrad. In den letzten beiden Runden habe ich noch einmal gepusht, dabei konsequent die schnelle Linie abgedeckt und so keine Chance zum Überholen gegeben», schilderte Trautmann sein cleveres Rennen.

Diese Absicht hatten im Laufe des Rennens gleich mehrere Kollegen. Der Belgier Gian Mertens, Adrian Pasek aus Polen, Maurice Ullrich und Manou Antweiler wechselten sich auf der zweiten Position ab, doch letztlich gelang keinem das entscheidende Überholmanöver.

«In der letzten Runde habe ich's noch einmal probiert, aber mein Hinterreifen war schon total fertig", verriet Manou Antweiler. «Schade, halb nass halb trockenen, das sind genau meine Bedingungen, denn ich mag das driften. Mein Start war Bombe, zwischendurch hat mein Visier beschlagen, denn ich hatte vergessen den Belüftungsschlitz zu öffnen. In der Hatzenbach hatte ich einen üblen Slide bei über 200 km/h, da dachte ich schon, das war's.» Platz 2 im zweiten Rennen für den Mann, der vor einer Woche in Oschersleben sein Cup-Comeback gegeben hatte und sich nun auf Schleiz freut, wo sein 2012 aufgestellter Rundenrekord nach wie vor Bestand hat.

Mit Maurice Ullrich präsentierte sich ein ganz neues Gesicht auf dem Cup-Podium. Vor vier Wochen 15 Jahre alt geworden, gab der Wörrstadter bei diesen extrem schwierigen Verhältnissen eine erstaunlich abgeklärte Vorstellung. «Ich habe mich anfangs zurückgehalten und mir erst einmal angesehen, was geht», berichtete der Cup-Rookie. «Danach kam ich recht zügig vor bis auf den zweiten Platz. Als Luky forcierte, hatte ich in der schnellen Rechts einen heftigen Rutscher, dabei schlüpfte Manou vorbei. Ich konnte zwar wieder aufschließen, wollte aber mein erstes Podium nicht mehr riskieren.»

Sein bislang bestes Resultat durfte auch Adrian Pasek vermelden, der ebenfalls seine erste Cup-Saison bestreitet: «Am Anfang lief es super, ich konnte bis auf die zweite Position vorfahren. Dann habe ich einen kleinen Fehler gemacht und dadurch den Kontakt zum Führungstrio verloren. Trotzdem, mit Platz vier bin ich voll zufrieden», freute sich der 22-jährige Pole.

Gian Mertens lag in den ersten Runden auf dem zweiten Platz. «Ich hätte mir gewünscht, dass es richtig nass bleibt», meinte der Belgier. «Als mich Adrian und Manou überholt hatten, habe ich leider den Anschluss verloren. Ich konnte zwar die gleichen Zeiten fahren, aber die Lücke nicht mehr schließen.»

Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr stand Max Fritzsch auf der Pole-Position. Der 17-jährige Sachse hatte im trockenen ersten Qualifying die 2012 von Niki Tuuli aufgestellte Bestzeit um satte sieben Zehntelsekunden unterboten, doch mit dem Sieg hatte er diesmal nichts zu tun: «Beim Start drehte mein Hinterrad extrem durch und ich bin erst als Neunter eingebogen. Ich bin bei solch halbnassen Verhältnissen bislang noch nie gefahren und zunächst wusste keiner so richtig, wo das Limit ist. Vermutlich war ich anfangs zu vorsichtig, dadurch ist der Zug vorne ohne mich abgefahren», räumte Fritzsch, der schließlich als Sechster ins Ziel kam, ehrlich ein.

«Ein Wahnsinnsrennen», jubelte Rafael Neuner nach seinem siebten Platz begeistert. «Mein bislang bestes Ergebnis, dabei bin ich bis gestern noch nie mit der R6 im Regen gefahren. Ich hatte einen super Start und konnte mich eine Zeitlang sogar auf Platz fünf behaupten.»

Reto Wiederkehr wurde in der Startaufstellung mit einem japanischen Grid-Girl überrascht. Die hübsche junge Dame hatte Takumi Endo mitgebracht, der 2009 und 2010 als erster Japaner den Cup bestritt und am Sonntag überraschend zu Besuch kam. Prompt lieferte der Schweizer sein, wie er meinte, bestes Rennen: «Regen mag ich. In der ersten Runde war ich gleich Sechster und konnte mich recht lange hinter der Führungsgruppe halten. Am Ende habe ich die Kiste dann ruhig auf Platz acht nach Hause gefahren. Danke auch an Diego Romero und Willes, die mir toll geholfen haben, weil ich alleine hier war.»

Zu den Fahrern, die den Regen weniger mögen, gehört bekannterweise Dominik Engelen: «Gestern habe ich ein wenig gepokert und bin im Regentraining nicht rausgefahren. Das ist nach wie vor nicht mein Ding, zudem wollte ich nichts kaputt machen. Als es heute im Rennen immer mehr abtrocknete, konnte ich wenigstens noch ein paar Plätze gutmachen und Punkte mitnehmen", begründete der Titelverteidiger seinen neunten Platz.

Ebenfalls gepokert hatte Thomas Eder, aber er im Rennen: «Ich bin mit gebrauchten Regenreifen gefahren, davon hatte ich mir einen Vorteil erhofft. Der Asphalt hat aber dann doch mehr abgetrocknet, als ich dachte und die Reifen haben entsprechend schneller abgebaut.» Immerhin: mit Platz zehn erzielte der 29-jährige Bayer das bislang beste Resultat seiner ersten Cup-Saison.

Davon hat Michael Götz bereits neun absolviert, die letzte 2009. In dieser Zeit sammelte er 650 Punkte, wohl ein Rekord für die Ewigkeit. Dass er noch nichts verlernt hat, bewies der inzwischen 42-jährige Hesse bei seinem Gaststart mit der schnellsten Zeit im Regentraining. Im Rennen kam «Götzi» als Elfter ins Ziel: «Schade, dass es nicht richtig geregnet hat, sonst hätte ich mir noch mehr ausgerechnet. Aber es hat riesig Spaß gemacht und ich hätte richtig Lust, dieses Jahr noch ein weiteres Rennen zu fahren.»

Da er als Gaststarter keine Punkte erhält, wurde Andreas Klambauer als Elfter gewertet, was ihn freilich nicht so richtig zufrieden stellte: «Seit meinem letzten Sturz fehlt mir der Biss.» Den zeigte Thomas Müller auf Platz 12: «Ich musste wegen meiner Knieprobleme Oschersleben auslassen, deshalb wollte ich hier unbedingt starten. Cup-Physio Fritz Heuser hat mich das ganze Wochenende behandelt, so ging's im Rennen ganz gut, erst beim Absteigen habe ich die Schmerzen wieder realisiert.»

Dahinter kam Routinier Daniel Bergauf ins Ziel: «Ich hätte mir richtig Regen gewünscht, dann wäre sicher mehr gegangen. So freue ich mich für Manou, den wir in unser Team aufgenommen haben und unterstützen.» Zwei Punkte waren die ungewohnt magere Ausbeute von Roman Fischer. Der 18-jährige Schweizer, in diesem Jahr schon zwei Mal am Podest, bleibt damit zwar Tabellenzweiter, doch sein Vorsprung schrumpfte auf einen einzigen Punkt.

Seinen ersten sicherte sich Kenny Bourguignon, doch richtig freuen konnte er sich darüber nicht. «Ich musste von hinten starten, da mein Team angeblich zu lange am Motorrad gearbeitet hatte. Aber das war ein ganz anderer Fahrer, da wurden wohl die Startnummern verwechselt», ärgerte sich der Belgier verständlicherweise.

«Kenny hat vermutlich Recht, aber er hat den Irrtum letztlich sehr sportlich hingenommen. Wir alle machen Fehler, die meisten aber zweifellos die Fahrer, das hat er akzeptiert», erklärte Cup-Koordinator Thomas Kohler, der von seiner 2014er Truppe begeistert ist: «Es gab nur drei Stürze bei diesen extrem schwierigen Bedingungen und die sind glücklicherweise alle glimpflich verlaufen. Das fahrerische Niveau, aber auch die Disziplin und die Fairness auf der Strecke sind bemerkenswert», lautet seine positive Halbzeitbilanz. In drei Wochen beginnt am Schleizer Dreieck die zweite Halbzeit der 37. Yamaha-Cup-Saison.

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