DTM-Titelrennen offen? «Nur schwer zu schlucken»

Von Andreas Reiners
DTM
BMW sieht gegen Audi kaum Land

BMW sieht gegen Audi kaum Land

Gerhard Berger bejubelt ein offenes Titelrennen, dabei wird die DTM zum Großteil von Audi dominiert. Der Rückstand der BMW-Piloiten ist bereits nach drei Rennwochenenden ordentlich, die Aussichten sind eher mau.

Für Gerhard Berger ist essentiell. Deshalb verwundert es nicht, dass der DTM-Chef den Doppelsieg von BMW zuletzt auf dem Lausitzring bejubelte. Ja, es ist auch nachvollziehbar, dass er dabei übertrieb.

«Durch das sensationelle Abschneiden von BMW ist der Kampf um die Meisterschaft jetzt wieder völlig offen», sagte er nach dem Sieg von Lucas Auer und dem zweiten Platz von Timo Glock.

Nunja, völlig offen sieht anders aus.

Natürlich ist es gut, wenn eine Marke nach über einem Jahr (10. August 2019) mal wieder ein Rennen gewinnt. Am Ende geht es aber um das große Ganze, also um Titel. Und da ist der Sieg ein Tropfen auf den heißen Stein.

Glock ist der beste BMW-Fahrer, er hat als Gesamtvierer 52 Punkte auf dem Konto. Marco Wittmann hat als zweitbester Fahrer der Münchner 40 Punkte. Der Führende Nico Müller (Audi) liegt bereits bei 133 Zählern. Und hat das stärkere Auto, wie auch seine Audi-Verfolger René Rast (97) und Robin Frijns (92). Das Trio ist nach sechs von 18 Rennen bereits ein Stück weggezogen.

Als «völlig offen» wie Berger würde Wittmann das Titelrennen dann auch nicht bezeichnen. «Ich würde nicht sagen, dass wir zurück sind», stellte er klar: «Wir hatten bei dem Sieg eine gute Strategie.»

Etwas Positives konnte Wittmann dann aber doch aus dem dritten DTM-Rennwochenende auf dem Lausitzring ziehen. Auch wenn er damit nichts zu tun hatte: Der BMW-Sieg war nach der langen Durststrecke «wichtig. Wenn du ständig hinter vier, fünf Audis fährst, ist das nicht gut für die Stimmung», sagte Wittmann, für den es nur zu Platz neun gereicht hatte.

Die Tabelle schaut er sich nicht an, «weil wir im Moment weit weg sind. Das hört sich hart an, aber im Moment können wir froh sein, wenn wir Fünfter oder Sechster werden oder mal ein Podium holen», hatte Wittmann am Abend vor dem Auer-Sieg erklärt.

Das sei das Maximum, das man mit dem Paket im Moment holen könne. «Das ist schwer zu schlucken», so Wittmann, der seinen dritten Titel nach 2014 und 2016 angepeilt hatte: «Aber was soll ich tun? Ich kann nur alles geben, aber wenn das Paket nicht gut genug ist, ist es wie es ist. Der Zug fährt vorneweg, der dritte Titel ist weit weg. Es sind noch einige Rennen, aber der Rückstand ist schon sehr groß.»

Der Auer-Sieg und der zweite Platz von Timo Glock hatte auch zum Großteil mit der Reifenstrategie beziehungsweise frühen Stopps zu tun und dem Verhalten der Pneus, die zum Rennende hin nicht einbrachen. Viel Risiko, das man eingehen muss, um den Audis beuzukommen, denn die sind im Qualifying immer noch eine Nummer für sich.

«Um durch eigene Stärke zu gewinnen, müssen wir weiter hart arbeiten. Die Unterschiede im Qualifying sind sehr groß und auch in den Rennen zu sehen. Wir waren näher an den Audis dran, aber der Schlüssel zum Sieg war die Strategie», sagte Wittmann.
Auch Philipp Eng gehörte vor der Saison zu den Titelkandidaten. Jetzt ist er mit 20 Punkten Gesamtelfter.

«Ich bin ein professioneller Rennfahrer, ich will immer gewinnen. Wenn es nicht so läuft wie gewünscht, muss man das beste Ergebnis holen, das möglich ist. Wenn man sieht, wie hart alle arbeiten, wird das früher oder später kommen. Es ist keine einfache Situation, aber ich habe kein Motivationsproblem. Vor fünf oder sechs Jahren stand ich an den Strecken und wusste nicht, ob ich fahre oder nicht.»

Auch Glock betont den Schub für die Moral («Es ist sehr gut, alle lächeln und sind glücklich. Es ist gut für BMW und für uns»), weiß aber auch: «Sie sind im Qualifying zwei bis vier Zehntelsekunden schneller und das macht ihnen das Leben einfacher. Für uns ist es hart, wenn vier Audis in den Top fünf stehen. Dass die Risiko-Strategie aufging, heißt nicht, dass sie immer aufgeht.

Das Gute immerhin laut Glock: «Wir lernen von Wochenende zu Wochenende mehr.» Ob das reicht, um das Titelrennen tatsächlich noch «völlig offen» gestalten zu können, ist fraglich.


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