Eisspeedway-EM: Alle Medaillen gehen nach Russland

Von Thorsten Horn
Eisspeedway-EM
Europameister Dmitri Solyannikov

Europameister Dmitri Solyannikov

Dmitri Solyannikov heißt der Eisspeedway-Europameister 2020. In einem durchwachsenen Feld setzte sich der Russe wenig überraschend gegen seine Landsleute Konstantin Kolenkin und Nikita Toloknov durch.

Gern hätte auch Hans Weber im polnischen Tomaszow Mazowieki ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitgeredet, doch im Last-Chance-Heat stürzte der «Eishans» und begrub so seine Ambitionen unter den Energie absorbierenden Kunststoffballen.

Das Reglement der Ein-Tages-Veranstaltung sah vor, dass nach den obligatorischen 20 Heats nur die beiden Punktbesten direkt fürs Finale qualifiziert waren. Die vier nachfolgenden Fahrer gingen in besagten Last-Chance-Heat, in dem sich die beiden Ersten noch einen Platz im Finale sichern konnten.

Nachdem Dmitri Solyannikov mit Punktmaximum ins Finale einzog, half Konstantin Kolenkin der Sieg im siebten Vorlauf und damit im direkten Duell gegen den letztlich punktgleichen Nikita Toloknov für den sicheren Finaleinzug.

Toloknov musste den Umweg Last-Chance-Heat nehmen, was ihm souverän gelang. Nach Hans Webers Pech sicherte sich im Re-run der 62-jährige (!) Stefan Svensson aus Schweden den vierten Finalplatz gegen seinen Landsmann Ove Ledström. Dieser war eigentlich nur als Mechaniker von Martin Haarahiltunen anwesend, übernahm aber nach dessen Trainingssturz am Samstag sowie Ellenbogenbruchs im rechten Arm dessen Motorrad und Startplatz. Da ein ganzes Stück größer als sein verletzter Fahrer, borgte er sich einen alte Rennanzug von Luca Bauer. Nachdem er im vergangenen Februar zum letzten Mal gefahren war, nach diversen Stürzen über ein eingeschränktes Sehvermögen klagte und in diesem Winter eigentlich pausieren wollte, überzeugte er zu Beginn mit zwei Siegen und dem sicheren Einzug in den Last-Chance-Heat. Dort war für ihn zwar Feierabend, doch über Rang 5 sowie seine Performance war er selbst überrascht.

Im Finale ließ Solyannikov erneut nichts anbrennen und raste wieder mit Vorsprung über den Zielstrich. «Ich freue mich natürlich über den Sieg, aber vor allem, dass ich alle meine Läufe gewinnen konnte», meinte der mit 21 Jahren jüngste der drei russischen Spike-Ritter.

Hinter dem vier Jahre älteren Kolenkin und dem fünf Lenze mehr zählenden Toloknov blieb Stefan Svensson der vierte Rang: «Ich bin das letzte Mal im März in Berlin und seitdem nicht wieder gefahren. Daher habe ich gedacht, ein Platz in den Top-10 wäre gut. Dass ich bester nichtrussischer Fahrer geworden bin, hat mich selbst überrascht.»

Mindestens diesen inoffiziellen Titel hatte Weber im Visier, doch sollte es nicht sein. «Irgendwie habe ich im Verlauf des Rennens ein paar Fahrwerksprobleme bekommen. Es kann aber auch sein, dass ich einfach nur in eine mit Schnee gefüllte Rille gekommen bin. Schade, da kann man nix machen. Bis dahin war ich echt gut unterwegs», bilanzierte der 36-jährige Bayer. Zugleich rätselte er, ob er am Montag Richtung Süden nach Hause oder wieder nach Schweden zum Trainieren fahren wird. «Das ist noch offen. Ich rede mal mit den Schweden, ob sich das lohnen könnte», sagte der EM-Sechste zu SPEEDWEEK.com.

Einen Platz dahinter landete Franky Zorn. «Das war eine schöne Veranstaltung, nur der Bahndienst war verbesserungswürdig. Bei mir lief es nicht schlecht. Die Starts waren nicht so gut. Vielleicht war ich ein bisschen zu nervös. Klar habe ich viel Routine, aber ich war trotzdem nervös. Das muss man auch sein. Mein Motor von Klaus Lausch lief sehr gut. Nachdem er drei Jahre Pause gemacht hat, sind wir schon richtig gut dabei», erklärte der 50-jährige Saalfeldener.

Ohne jegliches Training im Vorfeld wurde Luca Bauer mit fünf Punkten Elfter. «Leider ist es sehr schlecht gegangen, nicht wegen des Materials, sondern wegen mir», gestand der 22-Jährige aus Reit im Winkl ohne Umschweife. «Das war wieder meine alte Schwäche, dass es im Rennen überhaupt nicht lief, als wäre ich das erste Mal Eisspeedway gefahren.»

Mit dem ein Jahr älteren Miesbacher Benedikt Monn befand sich ein weiterer Deutscher im Feld. Nachdem er im vorigen Jahr erst mit dem Sport angefangen hat, erzielte er in seinem erst dritten Rennen drei Punkte, wobei er speziell in seinen ersten beiden Heats Punkte liegen ließ. «Grundsätzlich bin ich zufrieden. Ich habe wieder einiges dazu gelernt. Bei meinem Sturz im zweiten Lauf habe ich mich für die falsche Linie entschieden. Da fehlt mir noch ein bisschen Erfahrung und der Blick für die Lücke. Aber ich sehe bei mir einen Fortschritt.»

Ergebnisse Eisspeedway-EM-Finale:

1. Dmitri Solyannikov (RUS), 15+3 Punkte
2. Konstantin Kolenkin (RUS), 13+2
3. Nikita Toloknov (RUS), 13+1
4. Stefan Svensson (S), 10+0
5. Ove Ledström (S), 11
6. Johann Weber (D), 11
7. Franz Zorn (A), 9
8. Andrej Divis (CZ), 7
9. Jasper Iwema (NL), 6
10. Aki Ala-Riihimäki (FIN),5
11. Luca Bauer (D), 5
12. Jiri Wildt (CZ), 4
13. Michal Knapp (PL), 4
14. Benedikt Monn (D), 3
15. Lukas Hutla (CZ), 2
16. Atte Suolammi (FIN), 1

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