Luca Montezemolo: Vettel muss Vertrauen wiederfinden

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Der langjährige Ferrari-Präsident Luca Cordero di Montezemolo (72) über die 2019er Saison von Ferrari: Was er von Sebastian Vettel und Charles Leclerc denkt und wieso das Fahrer-Management heikel bleibt.

Er führte Ferrari in der erfolgreichsten Ära der Italiener: Luca Cordero di Montezemolo, inzwischen 72 Jahre alt, aber der langjährige Ferrari-Präsident ist im Herzen jung geblieben. Vor kurzen gab er der italienischen Sky ein längeres Interview, dabei hat der Bologneser auf die 2019er Saison des berühmtesten Rennstalls der Welt zurückgeblickt.

«Es war eine WM, von der ich gehofft hatte, dass sie für Ferrari besser verlaufen würde», beginnt Montezemolo – Ferrari-Steuermann von 1991 bis 2014, bis ihn Sergio Marchionne zur Seite ellbögelte. «Die Wintertests hatten zu grossen Hoffnungen Anlass gegeben. Mich ärgert es, dass Ferrari schon so lange ohne Titel ist (bei den Fahrern seit Kimi Räikkönen 2007, bei den Konstrukteuren seit 2008, M.B.). Aber noch mehr ärgert es mich, dass wir es nicht mehr schaffen, die WM bis zu letzten Rennen offen zu halten.»

«Klar ist es nicht schön, wenn der Titel im letzten Lauf des Jahres verloren wird. Wir hielten uns einige Male Chancen und Hoffnungen am Leben. Aber das ist seit Jahren nicht mehr so, und das ist bedauernswert. Hauptgrund: mangelnde Konkurrenzfähigkeit der Autos, dazu Schwierigkeiten mit der Standfestigkeit. Aber wir haben noch weitere Faktoren – die Renntaktik, die Fahrer.»

«Wenn du in der Formel 1 gewinnen willst, dann müssen eben alle Elemente perfekt ausbalanciert sein. Mir ist es damals gelungen, mit Jean Todt, Ross Brawn, Rory Byrne und Stefano Domenicali ein tolles Team zusammenzustellen. Mattia Binotto ist unermüdlich. Er hat ein erstes Jahr mit enormer Verantwortung hinter sich.»

«Mal sehen, wie es 2020 laufen wird. Ich könnte mir vorstellen, dass Red Bull Racing und Honda weiter Fortschritte machen. Aber ich sehe auch ein Ferrari, bei welchem alle Grundlagen gegeben sind, um die WM bis zum Schluss offen zu halten.»

Reden wir von den Piloten: Das Verhältnis zwischen Sebastian Vettel und Charles Leclerc ist alle Beteuerungen seitens Binotto und Ferrari zum Trotz nicht spannungsfrei. Montezemolo meint: «Eine starke Erinnerung an die Saison 2019 sind die Pole-Positions von Charles Leclerc. Er hat bewiesen, dass er ein Siegfahrer ist, eisenhart im Rennen und intelligent, er lernt aus Fehlern schnell und zeigt alle Ansätze, ein ganz Grosser zu werden.»

«Gewiss, es gab Momente, die für das Team negativ waren. Die Fahrer müssen sich dessen bewusst sein, dass sie nicht für sich selber fahren. Sonst sollen sie gefälligst einen eigenen Rennstall gründen – was ich das einmal Rubens Barrichello ans Herz legen musste.»

«Da müssen klare Bedingungen geschaffen werden, das braucht den Willen beider Fahrer, sich ihrer Position klar zu sein. Ich sehe Vettel und Leclerc wie zwei Vollblüter, die beide gewinnen wollen. Es obliegt Mattia Binotto, sie an ihre Rolle als Mannschaftsspieler zu erinnern. Das ist ein heikles Thema.»

«Sebastian Vettel muss ruhig bleiben und Vertrauen wiederfinden in die eigenen Qualitäten, von denen er reichlich besitzt. Er muss mit dem Team sehr offen umgehen. Wenn ein Vertrag ausläuft wie seiner, dann ist das in einem Rennstall immer ein schwieriger Moment. Aber er hat in den vergangenen Jahren oft genug bewiesen, wie schnell er ist. Wer sich zwischen den beiden als Nummer 1 durchsetzt, wird sich zeigen.»

Zwei Alpha-Tiere im gleichen Team, kann das denn gutgehen? Montezemolo antwortet: «Als ich am Ruder sass, hatten wir beispielsweise Niki Lauda mit Clay Regazzoni, der so Manches zu schlucken hatte, weil Lauda letztlich der schnellere Mann war, daher mussten wir auf den Österreicher setzen. Der Erfolg gab uns recht: Niki wurde zwei Mal Champion, einen dritten Titel hat er nur knapp verpasst.»

«Später hatten wir Michael Schumacher, an seiner Seite verschiedene Fahrer – Eddie Irvine, Rubens Barrichello, Felipe Massa. Sie konnten alle Rennen gewinnen, keine Frage, aber es war auch klar, dass Michael die Nummer 1 war. Das war nicht unsere Entscheidung, das war ein Diktat der Stoppuhr. Letztlich brauchst du im Team ein wenig Klarheit in der Rollenverteilung.»

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