Ernst Hausleitner (ORF): «Was soll Carey denn sagen?»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Ernst Hausleitner und Alexander Wurz

Ernst Hausleitner und Alexander Wurz

​Formel-1-Experte Ernst Hausleitner hat für den ORF den virtuellen Australien-GP kommentiert. «Im realen GP-Sport fühle ich mich wohler.» Hausleitner nimmt Formel-1-CEO Chase Carey ein wenig in Schutz.

In einer SARS-CoV-2-freien Welt wäre Ernst Hausleitner eben aus Hanoi zurückgekehrt nach Österreich und würde sich nun um die Nachberichterstattung des ersten Grossen Preises von Vietnam kümmern. Der 51jährige Formel-1-Kommentator des ORF sagt: «Durch den Ausfall der Rennen hat sich mein Leben momentan völlig geändert. Ich bin zu Hause, habe viel Zeit für meinen Sohn, was grossartig ist, und versuche, so weit es geht viel Sport zu machen. Dennoch vermisse ich die Formel 1 gewaltig. Dass ich meinen geliebten Job nicht ausüben kann, das ist für mich der schwierigste Aspekt. Gesundheitlich geht es mir ausgezeichnet, auch in meiner Familie bzw. in meinem Freundeskreis sind alle wohlauf.»

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz erhält europaweit viel Lob für sein konsequentes Vorgehen im Kampf gegen den Virus SARS-CoV-2. Auch Ernst Hausleitner findet: «Grundsätzlich hat man in Österreich sehr gut auf die Krise reagiert.»

Viele Menschen verfolgen in den Medien wie gebannt alles, was über diese Pandemie berichtet wird, andere haben längst begonnen, sich ganz bewusst abzuschotten. GP-Kommentator Hausleitner stellt fest: «Zu Beginn der Pandemie war die Gier nach Information unendlich. Mit Fortdauer nutzt sich die monothematische Berichterstattung in nahezu allen Medien aber etwas ab. Das heisst nicht, dass ich die Information für entbehrlich halte, aber ich glaube, die Aufmerksamkeit der Menschen dafür wird mit Fortdauer geringer.»

Hausleitner ist nicht der Ansicht, dass die Menschheit diesen Virus nicht ernst genug genommen hat. «Das würde ich so nicht unterschreiben. Wenn man sieht, wie strikt sich die breite Masse an die Anordnungen hält, glaube ich schon, dass man den Virus ernst nimmt. Aber selbstverständlich erst, seit er uns von den Entscheidungsträgern beziehungsweise den Medien als ernstzunehmend präsentiert wurde.»

Eigentlich hätte Hausleitner von allen 22 Formel-1-Rennen der Saison 2020 berichten sollen, meist an der Seite des früheren GP-Piloten Alexander Wurz. Auch Ex-F1-Fahrer Christian Klien war für einige Einsätze vorgesehen. Die Corona-Pandemie hat die Welt im Griff, und jedem muss klar sein – eine Rückkehr zur Normalität wird lange dauern, sehr lange. Aber das war auch vor zwei Wochen abzusehen, und da sprach Formel-1-CEO noch von einem 2020er Programm aus 15 bis 18 Rennen.

Ernst Hausleitner nimmt den US-Amerikaner ein wenig in Schutz: «Was soll Carey denn auch Anderes sagen? Mir war immer klar, dass dies nicht passieren wird. Auch wenn du dich in solchen Situationen immer an die kleinste Hoffnung klammerst.»

Statt dröhnender Motoren in Australien, Bahrain und Vietnam haben wir zwei virtuelle Formel-1-Läufe erlebt, am 22. März in einer Simulation des Wüstenrennens von Sakhir, am 5. April in Form eines nachgeholten Australien-GP – denn beim 2019er Formel-1-Spiel gab es den Strassenkurs von Hanoi noch nicht. In Bahrain gewann der chinesische Renault-Fahrer Guanyu Zhou, im Albert-Park Ferrari-Star Charles Leclerc.

Diese virtuellen Rennen werden auf ORF Sport+ live gezeigt. Ist Ernst Hausleitner ein Sim-Racer? Der Grieskirchener sagt: «Ich habe am vergangenen Sonntag das virtuelle Rennen kommentiert, und ich befürchte, man hat bemerkt, dass ich mich in der realen Formel 1 deutlich wohler fühle. Gott sei Dank habe ich mit Philipp Eng einen echten Fachmann auf diesem Gebiet als Co-Kommentator an meiner Seite gehabt, und so hat das Kommentieren des Rennens wirklich Spass gemacht. Aber ein vollwertiger Ersatz ist das für mich bei weitem nicht.»
 

Der gegenwärtige Formel-1-Kalender 2020

28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
02. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

Ohne neuen Termin
Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN

Abgesagt
Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC

Das ursprüngliche WM-Programm

15. März: Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
22. März: Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
5. April: Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
19. April: Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
3. Mai: Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
10. Mai: Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
24. Mai: Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC
7. Juni Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
5. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
2. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
6. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

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