Sparen in der Coronakrise: FIA lehnt Regelaufschub ab

Von Adam Cooper
Formel 1
Sebastian Vettel bei den Wintertests: Das 2020er Ferrari-Chassis wird auch 2021 verwendet

Sebastian Vettel bei den Wintertests: Das 2020er Ferrari-Chassis wird auch 2021 verwendet

​Die F1-Führung, der Autosport-Weltverband FIA und die Teams überlegen, wie Geld gespart werden kann. FIA-Präsident Jean Todt lehnt es dabei ab, die neue Modellgeneration auf 2023 zu verschieben.

Angesichts der Coronakrise haben sich der Autosport-Weltverband FIA, «Formula One Management» und die Rennställe darauf verständigt, in der Saison 2021 aus Kostengründen die 2020er Chassis zu verwenden. Vor diesem Hintergrund regte Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner an, die neuen Renner sogar auf 2023 hinauszuschieben. «Es wäre unverantwortlich, den Rennställen die finanzielle Bürde aufzulasten, 2021 diese gewaltigen Entwicklungskosten für 2022 zu tragen. Es wäre vernünftiger, wenn diese Investition erst in zwei Jahren auf die Rennställe zukäme.»

Der 46jährige Engländer weiter: «Was wir in der Formel 1 jetzt brauchen, das ist Stabilität. Jeder Änderung erfordert finanzielle Ressourcen, und es gibt keine sinnvollere Lösung, die Kosten im Griff zu behalten, als derzeit auf solche Kostentreiber zu verzichten. Klar wird die Einführung eines Kostendeckels helfen. Aber noch wichtiger ist es, den Aufwand zu verringern, ein Auto überhaupt erst auf die Bahn zu bringen. Wenn wir, sagen wir 60 Prozent des Chassis für die nächsten 18 Monate einfrieren, dann reduziert das die operativen Kosten eines Teams dramatisch, egal ob das nun Red Bull Racing ist oder Williams.»

Die zehn Teamchefs, FIA-Präsident Jean Todt, Formel-1-CEO Chase Carey und F1-Sportdirektor Ross Brawn haben eine stundenlange Telefonkonferenz abgehalten. Dabei hat Todt klargemacht: Ein weiterer Aufschub des Reglements auf 2023 wird es nicht geben.

Die FIA ist mit den Teams überein gekommen, die vorgezogene Sommerpause zu verlängern, von 21 auf 35 Tage und damit bis in den Mai hinein. Dies gilt auch für Motorhersteller.

Der kommende Budgetdeckel bleibt ein Zankapfel. Die Rennställe wollen die ursprünglich auf 175 Millionen Dollar pro Jahr angesetzte Obergrenze auf 150 Millionen senken. In diesen 175 Millionen nicht eingeschlossen sind: Aufwand für Marketing, Gehälter der Fahrer, Kosten für kulturelle Posten (etwa den Betrieb alter GP-Rennwagen), Boni, Abschreibungen und Amortisation, Kosten, die mit der Formel 1 nichts zu tun haben, Anmeldegebühr des Teams und Superlizenzgebühr der Fahrer sowie die Gehälter der drei bestbezahlten Angestellten (abgesehen von den Piloten).

Aber das geht McLaren-CEO Zak Brown nicht weit genug. Der Kalifornier weiss – auch die Königsklasse muss sich mit dem Gedanken befassen, dass es 2020 vielleicht überhaupt keine Rennen geben wird, so wie das Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta im Interview mit SPEEDWEEK.com thematisiert hat. Zak Brown spricht von 100 Millionen im Jahr, die schrittweise erreicht werden könnten – mit einer Verringerung jedes Jahr um 10 bis 15 Millionen Dollar.

Aber wie immer in der Formel 1 liegt der Teufel im Detail, und die Rennställe zanken sind nun über die Kosten für Forschung und Entwicklung. Genauer geht es um Rennställe, die andere Teams mit Teilen beliefern, etwa mit Getriebe, Aufhängungen bis hin zu kompletten Hinterachsen. Bei der Telefonkonferenz ist vereinbart worden, dass überdacht werden muss, wie ein solcher Aufwand verrechnet werden soll.

Anregt ist diese Lösung: Ein bestimmtes Team darf in Sachen Entwicklung, sagen wir eines Getriebes die Obergrenze um einen bestimmten Betrag übertreten; der Kunde jedoch, der das Teil nicht selber entwickelt hat, muss seine Obergrenze um den gleichen Betrag senken.

Das Argument der Befürworter dieser Lösung: Wer kein Getriebe erzeugt, aber unter dem gleichen Deckel arbeitet, hätte mehr finanziellen Spielraum zur Entwicklung anderer Teile.

Der gegenwärtige Formel-1-Kalender 2020

14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
05. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
02. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
06. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

Ohne neuen Termin
Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ

Abgesagt
Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC

Das ursprüngliche WM-Programm

15. März: Melbourne, Albert Park Circuit/AUS
22. März: Bahrain, Bahrain International Circuit/BRN
5. April: Hanoi, Street Circuit Hanoi/VN
19. April: Shanghai, Shanghai International Circuit/RCH
3. Mai: Zandvoort, Circuit Park Zandvoort/NL
10. Mai: Montmeló bei Barcelona, Circuit de Barcelona-Catalunya/E
24. Mai: Monte Carlo, Circuit de Monaco/MC
7. Juni Aserbaidschan, Baku City Circuit/AZ
14. Juni: Montreal, Circuit Gilles Villeneuve/CDN
28. Juni: Le Castellet, Circuit Paul Ricard/F
5. Juli: Spielberg, Red Bull Ring/A
19. Juli: Silverstone, Silverstone Circuit/GB
2. August: Mogyoród bei Budapest, Hungaroring/H
30. August: Francorchamps, Circuit de Spa-Francorchamps/B
6. September: Monza, Autodromo Nazionale/I
20. September: Singapur, Marina Bay Street Circuit/SGP
27. September: Sotschi, Sochi Autodrom/RUS
11. Oktober: Suzuka, Suzuka Circuit/J
25. Oktober: Austin, Circuit of the Americas/USA
1. November: Mexico City, Autódromo Hermanos Rodríguez/MEX
15. November: São Paulo, Autódromo José Carlos Pace/BR
29. November: Abu Dhabi, Yas Marina Circuit/UAE

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