Florian König (RTL): Sebastian Vettel hört nicht auf

Von Mathias Brunner
Formel 1
​2020 ist nichts wie sonst: Wir haben kein Rennen erlebt, und nur sechs Fahrer sind für 2021 bestätigt. RTL-Sportreporter Florian König schätzt die Lage der Stars Lewis Hamilton und Sebastian Vettel ein.

Nie hat es eine merkwürdigere Formel-1-Saison als 2020 gegeben: Wegen der Coronakrise musste der WM-Auftakt von Melbourne abgeblasen werden, seither hat sich kein Rad gedreht, Anfang Juli soll es auf dem Red Bull Ring endlich losgehen. Darüber hinaus sind vierzehn der zwanzig 2020er Stammfahrer für die nächstjährige Saison unbestätigt, darunter auch die Mehrfach-Weltmeister Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Wir wollten von RTL-Sportreporter Florian König wissen, wie er die Situation bei Mercedes-Benz und Ferrari einschätzt.

Ausser sporadischen Treueschwüren hören wir wenig von Mercedes und Lewis Hamilton über 2020 hinaus. Glaubst du, Ferrari ist für den Engländer noch ein Thema?

Nein, das glaube ich nicht. Denn Ferrari hat mit Charles Leclerc den Mann für die Zukunft. Hätte ich das Sagen bei Ferrari, dann würde ich mit Sebastian Vettel verlängern und dann einen jüngeren Piloten nachziehen. Zumal Lewis Hamilton ja auch eine ganze Stange Geld kostet. Selbst wenn Hamilton mit Ferrari immer wieder kokettiert hat, sagt mein Bauchgefühl – er wird Mercedes treu bleiben.

Ist die Laufbahn eines grossen Formel-1-Fahrers ohne ein Engagement bei Ferrari unvollständig?

Auch wenn das kaum der Mehrheitsmeinung von Rennsport-Enthusiasten entspricht: Nein, das glaube ich nicht. Lewis Hamilton zeigt eine ganz aussergewöhnliche Karriere. Nicht für Ferrari zu fahren, schmälert den Glanz seiner Leistungen in keiner Weise. Das wäre die Kirsche auf dem Kuchen, aber es geht auch ohne Kirsche.

Wen siehst du bei Mercedes für Valtteri Bottas als Alternative?

George Russell müsste dort zweiter Mann werden, ich halte den englischen Mercedes-Zögling für aussergewöhnlich talentiert, sehr clever, da stimmt sozusagen das Gesamtpaket. Russell muss Kandidat Nummer 1 sein.

Was spräche für und was gegen eine Änderung der Fahreraufstellung bei Mercedes?

Irgendwann geht die Karriere von Lewis Hamilton zu Ende. Auf diesen Fall muss Mercedes vorbereitet sein. Die brauchen einen Mann, der neben Hamilton in die Rolle hineinwächst, das Team anzuführen und um den Titel zu fahren, wenn Lewis nicht mehr fährt. Nach einigen Jahren mit Bottas bestehen Zweifel, ob Valtteri eine solche Rolle übernehmen kann.

Ferrari soll Vettel inzwischen zwei Angebote unterbreitet haben, beide angeblich mit Gehaltseinbusse von zwei Dritteln. Ist das für einen vierfachen Weltmeister akzeptabel?

Das kann nur er selber beantworten. Wir wissen alle nicht genau, ob diese kursierenden Zahlen stimmen. Bei Sebastian hängt es einfach daran, wie viel Spass er hat und wie erfolgreich er sein kann. Ich glaube, die Laufzeit eines neuen Vertrags interessiert ihn mehr als die Gehaltszahl. Generell muss sich das Lohngefüge durch die Coronakrise nach unten korrigieren. Gehälter in Höhe von dreissig Millionen Dollar werden nicht mehr drinliegen.

Welche Lösungswege erkennst du für Sebastian? Kröte schlucken bei Ferrari? Sensationswechsel zu McLaren? Aufhören?

Sein grosser Traum besteht darin, mit Ferrari Weltmeister zu werden. Und ich bin überzeugt – um diesen Traum zu verwirklichen, ist er dazu bereit, Vieles in Kauf zu nehmen. Daher glaube ich an ein weiteres Engagement bei Ferrari. Von der Möglichkeit McLaren höre ich immer wieder, wegen Teamchef Andreas Seidl und weil die Engländer im Aufwind sind. Aber dort müsste Sebastian wieder Aufbauarbeit betreiben. Das kann ich mir nicht vorstellen. Und an ein Karriere-Ende glaube ich auch nicht.

Würdest du als möglicher Vettel-Nachfolger eher Daniel Ricciardo oder Carlos Sainz verpflichten?

Vor einem Jahr hätte ich Ricciardo gesagt. Inzwischen hat sich Sainz unglaublich entwickelt, oder ich habe sein Potenzial nicht richtig eingeschätzt. Er ist bei McLaren ein echter Leader und zeigte konstant sehr gute Rennen. Daniel hat bewiesen, dass er Grands Prix gewinnen kann, der Australier ist sehr zweikampfstark und der vielleicht beste Angreifer im Feld. Ricciardo hat den gewichtigeren Namen, würde aber auch mehr Geld kosten. Das ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen, und Ferrari hat damit für eine etwaige Zukunft ohne Vettel nicht nur Plan B, sondern auch gleich Plan C.

Der nächste Formel-1-Lauf findet virtuell statt, erneut kommentiert von Florian König und Heiko Wasser. Der Spanien-GP vom 10. Mai wird ab 19.00 Uhr auf dem YouTube-Kanal der Formel 1 übertragen, dazu auf Twitch, Weibo und Facebook. Darüber hinaus als Livestream auf rtl.de, sport.de, ntv.de sowie auf ORF Sport+ und tvthek.ORF.at

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Mathias Brunner
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