Skandal um Ferrari-Motor: Thema noch nicht erledigt

Von Mathias Brunner
Mattia Binotto und Cyril Abiteboul in Austin 2019

Mattia Binotto und Cyril Abiteboul in Austin 2019

​Angesichts der Coronakatastrophe gibt es grössere Probleme als den Skandal um den Ferrari-Motor und ein Abkommen mit der FIA. Doch Renault-Teamchef Cyril Abiteboul warnt: «Das Thema ist noch nicht erledigt.»

Immer wieder war davon die Rede, dass Ferrari beim bärenstarken 1,6-Liter-V6-Turbomotor mindestens im Graubereich des Erlaubten arbeite – in Form eines cleveren Systems, die Benzinfluss-Regelung zu umgehen, um kurzfristig mehr Leistung aus der Antriebseinheit zu schöpfen. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto besteht bis heute darauf, dass der Motor zu jeder Zeit reglementskonform war, ungeachtet zahlreicher Überprüfungen der FIA. Man habe am Betrieb des Motors nie etwas geändert.

Kurz vor Schluss der Formel-1-Wintertests auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya bestätigte der Autosport-Weltverband FIA dann: «Nach gründlicher technischer Untersuchung der Antriebseinheit von Ferrari ist eine private Einigung mit dem Team geschlossen worden. Die Details dieses Abkommens bleiben vertraulich.»

Die Konkurrenz fand das unerhört, daher verfassten die Rennställe Mercedes, McLaren, Racing Point, Red Bull Racing, Renault, Williams und AlphaTauri ein gemeinsames Statement: «Die Unzeichnenden sind überrascht und schockiert von der FIA-Mitteilung. Eine Sportbehörde hat die Verpflichtung, in höchster Integrität und Offenheit zu regieren. Wir sind strikte gegen ein vertrauliches Abkommen zwischen Ferrari und der FIA und fordern, dass in dieser Angelegenheit alles auf den Tisch kommt.»

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach von einer «Riesensauerei. Es ist nicht in Ordnung, was Ferrari machte, aber noch weniger, wie die FIA das behandelt.» Red-Bull-Rennberater Dr. Helmut Marko fügte hinzu: «Das Verhalten der FIA ist der eigentliche Skandal.»

In der Coronakrise hat die Formel 1 grössere Probleme als Fragen zum Ferrari-Motor, aber auch McLaren-Teamchef Andreas Seidl sah das als «verpasste Chance für Ferrari. Sie hätten sich mit mehr Transparenz einen Gefallen tun können.»

Das findet auch Renault-Teamchef Cyril Abiteboul. Der Pariser sagt zur Affäre Ferrari: «Das ist ein Problem gewissermassen aus unserer Welt vor Corona. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass wir uns früher oder später darum kümmern sollten; dieses Thema ist noch nicht erledigt.»

«Wir leben in einer offenen Welt. Wir wollen nur wissen, was passiert ist und wie Vorbehalte in Sachen Legalität des Motors aussahen. Wir sind auch Motorhersteller. Also ist es wichtig für uns, von möglichen Grauzonen entfernt zu bleiben. Regeln und Entscheidungen müssen für alle Teilnehmer klar und gleich sein. Nur das fordern wird. Wir verlangen durchaus nicht, dass ungeschehen gemacht wird, was passierte. Wir wollen lediglich Gewissheit, um weitermachen zu können.»

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