WM-Auftakt in Österreich: Nur 10 Journalisten erlaubt

Von Mathias Brunner
Formel 1
Die Tribünen am Red Bull Ring werden leer bleiben

Die Tribünen am Red Bull Ring werden leer bleiben

​Der Formel-1-Saisonstart auf dem Red Bull Ring wird in ungewohnter Atmosphäre stattfinden: Keine Fans auf den Tribünen, und im Mediensaal werden sich ganze zehn Journalisten verlieren.

Wenn die Formel 1 Anfang Juli mit dem Grossen Preis von Österreich endlich Fahrt aufnimmt, dann wird alles anders sein: So wie die weiteren sieben WM-Läufe wird unter Ausschluss von Zuschauern gefahren. Und auch im Fahrerlager wird es ziemlich einsam: Die Rennställe dürfen maximal 80 Fachkräfte in die Steiermark bringen, ein Drittel weniger als früher.

Die Teams werden keinen Kontakt untereinander haben und bewegen sich nur vom Hotel zur Rennstrecke und zurück. Am Rennplatz wird ein Team in Arbeitsgruppen geteilt, um den Kontakt zu Arbeitskollegen zu minimieren. Kommt es zu einer Infektion durch SARS-CoV-2, wird die komplette Gruppe isoliert und getestet. Ergebnisse liegen innerhalb von zwei Stunden vor. In diesen Arbeitsgruppen wird auch zeitlich versetzt gegessen, in Zelten, denn die gewohnten Hospitalitys werden nicht zur Rennstrecke gebracht.

Formel-1-CEO Chase Carey: «Alle Fachkräfte werden vor ihrer Anreise auf eine Erkrankung untersucht. Die Teams müssen Gesundheits-Bescheinigungen vorweisen. Vor Ort wird jeden zweiten Tag erneut getestet.» Auch Temperaturmessungen sind geplant, etwa am Eingang zum Fahrerlager, die Leute werden Schutzmasken tragen.

Carey weiter: «Die Teams reisen isoliert an, bevorzugt mit Charter-Maschinen. Team-Mitglieder bleiben nach der Arbeit in ihrer Unterkunft. Der Transport vom Hotel zur Strecke und zurück wird überwacht. Die Menschen werden die richtige Schutzausrüstung tragen und die Abstandsregeln einhalten.»

Was passiert mit den rund 400 Journalisten, die normalerweise von einem Grand Prix berichten? Ursprünglich sollten gar keine Medienvertreter zur Rennstrecke zugelassen werden – mit Ausnahme der Experten von «Formula One Television», welche die Übertragung sicherstellen. Roberto Dalla, F1-Geschäftsleiter für Medien und Technik: «Wir produzieren erstmals einen Grand Prix aus unserer Zentrale in Biggin Hill, England. Das bedeutet, dass von den üblichen 230 Fernsehspezialisten nur 100 in die Steiermark reisen. Weniger Menschen vor Ort, das ist nicht nur kostengünstiger, das ist auch in Sachen Gesundheits-Checks überschaubarer.»

Inzwischen arbeitet der Autosport-Weltverband FIA an Listen von jeweils zehn Journalisten, die vor Ort sein dürfen. Angedacht ist, dass diese zehn von den europäischen Läufen gruppenweise berichten; die ersten beiden Rennen in Österreich sowie Ungarn werden zusammengenommen, dabei dürfen die Berichterstatter dazwischen nicht nach Hause reisen. Nach ihrem Aufenthalt in Österreich mit den ersten zwei Rennen müssen sie direkt nach Budapest weiterfahren (420 Kilometer).

Eine zweite Zehnergruppe soll danach die beiden Rennen in England abdecken sowie den Grand Prix von Spanien. Eine dritte Gruppe dann die Läufe in Spa-Francorchamps und Monza.

Die FIA entscheidet, wer zu diesen zehn Berichterstattern gehört. Priorität erhalten Agentur-Journalisten wie Reuters oder AFP, die sehr viele Zeitungen mit Texten beliefern. Zeitungen mit grosser Auflage werden bevorzugt. Keiner dieser Journalisten darf sich im Fahrerlager aufhalten, er darf auch kein Hotel besuchen, in welchem ein Team wohnt. Die Leute werden im Mediensaal festsitzen. Interviews wird es nur von der Formel 1 geben, Medienrunden organisieren die Rennställe über Videokonferenzen.

Zum Vergleich das Konzept aus der deutschen Fussball-Bundesliga: Ins Stadion dürfen alle nötigen Berichterstatter vom Fernsehen. Dazu zehn Journalisten von Print- und Online-Medien. Vier Plätze sind dabei für die Grossen reserviert, für Axel-Springer-Titel wie Bild und Sport-Bild, für die Agenturen, für Kicker. Sechs Plätze verteilt der Heimklub auf regionale und lokale Titel, wohl nach Auflage. Nur zwei externe Fotografen sind erlaubt.

Zum Vergleich auch ein Blick in die DTM: Die Testfahrten fanden ohne Medien statt (nur TV-Partner SAT.1 war da), auch die ersten Rennen werden ohne Journalisten durchgeführt.

Zurück zur Formel 1: Der Erlös an TV-Senderechten liegt bei jährlich rund 750 Millionen Dollar im Jahr. Geplant ist, dass bei den acht Europa-GP nur Sender mit grosser Reichweite in verschiedenen Ländern Berichterstatter zu den Rennen schicken dürfen (wie die britische Sky oder Fox für Südamerika und Asien), in Mannschaften von zwei bis drei Mann, dazu der jeweilige TV-Partner aus dem entsprechenden Land.

Formel-1-WM 2020

5. Juli: Grand Prix von Österreich (Red Bull Ring)
12. Juli: Grand Prix der Steiermark (Red Bull Ring)
19. Juli: Grand Prix von Ungarn (Hungaroring)
2. August: Britischer Grand Prix (Silverstone)
9. August: 70th Anniversary Grand Prix (Silverstone)
16. August: Grand Prix von Spanien (Circuit de Barcelona-Catalunya)
30. August: Grand Prix von Belgien (Circuit Spa-Francorchamps)
6. September: Grand Prix von Italien (Autodromo Nazionale di Monza)

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