Alex Zanardi: Wieder Eingriff am Gehirn, erste Worte

Von Mathias Brunner
Formel 1
Alex Zanardi

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​Die Neurologin Federica Alemanno berichtet von Fortschritten bei Alex Zanardi, der sich am 19. Juni 2020 bei einem Unfall mit dem Handbike schwere Verletzungen zugezogen hatte – erste Worte mit der Familie!

Der Rennfahrer und Paralympics-Sieger Alex Zanardi hatte am 19. Juni 2020 bei Pienza auf der SP146 die Kontrolle über sein Handbike verloren und war mit einem entgegenkommenden Lastwagen zusammengeprallt, er zog sich dabei lebensgefährliche Kopfverletzungen zu.

Drei Mal wurde er im Krankenhaus Santa Maria alle Scotte in Siena operiert, danach wurd er in eine Reha-Klinik in der Nähe von Como verlegt. Weil sich sein Zustand verschlechterte, wurde er am 24. Juli nach Mailand ins San Raffaele-Krankenhaus auf die Intensivstation gebracht. Professor Pietro Mortini, Leiter der dortigen Neurochirurgie-Abteilung, operierte den früheren GP-Star erneut, weil es zu späten Komplikationen wegen des Schädel-Hirn-Traumas kam, das sich Zanardi zugezogen hatte.

Mitte August 2020 teilte das Krankenhaus mit, dass er von der Intensivstation in die Abteilung für Neuro-Reanimation verlegt worden sei. Es wurde bestätigt, dass Zanardi physisch und neurologisch einen stabilen Zustand erreicht habe, der die Verlegung in eine lokale Klinik erlaube, in der Nähe seiner Familie in Padua. Dann wurde es wochenlang still um den Ausnahme-Athleten.

Vor Weihnachten berichtete der Journalist Carlo Verdelli im «Corriere della Sera», dass Zanardi sein Hör- und Sehvermögen zurückerlangt habe, er erkenne die Menschen um sich herum, könne aber noch nicht sprechen, weil er sicherheitshalber weiter intubiert sei.

Der seit 2001 nach einem IndyCar-Unfall beinamputierte Zanardi, so Verdelli weiter, reagiere auf Befehle. Er drücke die Hand, die man ihm reiche, er halte den aufgereckten Daumen hoch, wenn er darum gebeten werde, ein Okay-Zeichen zu geben. Der nächste Schritt bestehe darin, dass er wieder sprechen lerne.

Dieser Schritt scheint nun vollzogen, wie die Gehirnspezialistin Federica Alemanno gegenüber dem «Corriere della Sera» erklärt hat: «Es war ein sehr bewegender Moment für die Familie, als Alex begonnen hat zu reden. Das war unglaublich.»

Gemäss Alemanno wurde Zanardi einer so genannten Wachkraniotomie unterzogen, einem neurochirurgischen Eingriff, bei dem der Patient wach ist. In der Regel wird Wachkraniotomie angewendet bei Menschen, welchen ein Hirntumor entfernt werden muss.

Alemanno sagt: «Es geht darum, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Zunächst werden Tests gemacht um festzustellen, welches die vorhandenen Fähigkeiten in Sachen Wahrnehmung, Lernen, Erinnern, Denken und Wissen sind. Ein Tumor oder eine Hirnverletzung kann gewisse Bereiche des Hirns beeinträchtigen. Beim Eingriff werden dann gewisse Zonen des Gehirns elektrischen Impulsen ausgesetzt. Wenn wir etwa im in jenem Hirnbereich arbeiten, welcher für Erinnerungen zuständig ist, wird der beruhigte, aber nicht narkotisierte Patient auf Bilder angesprochen, die ihm gezeigt werden.»

Zanardi, von 1991 bis 1999 in der Formel 1 unterwegs, vorher und nachher im IndyCar-Sport, geniesst seit seinem schlimmen Unfall 2001 in der Lausitz weit über Motorsportkreise hinaus Heldenstatus: Wie er mit seinem Schicksal fertig wurde und trotz seiner verlorenen Beine sein Leben gemeistert hat, ist nicht nur für behinderte Menschen ein leuchtendes Vorbild.

2012 und 2016 gewann Zanardi mit dem Handbike bei den Paralympics insgesamt vier Gold- und zwei Silbermedaillen. Auch im Rennauto sorgt er weiterhin für Inspiration und Begeisterung. So nahm er 2018 und 2019 als Gaststarter in der DTM teil.

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