Max Verstappen: Der grösste Gegner ist nicht Ferrari

Von Mathias Brunner
Der Niederländer Max Verstappen liegt nach dem sechsten Saisonsieg überlegen in WM-Führung. Aber der 26-fache GP-Sieger hat Respekt vor seinem gefährlichsten Hindernis auf dem Weg zum zweiten Titel.

Alles scheint für Max Verstappen und Red Bull Racing zu laufen: Beim Grossen Preis von Kanada hat der 24-jährige Niederländer seinen 26. Sieg in der Formel 1 gefeiert, den sechsten Erfolg 2022 im neunten WM-Rennen. Der Red Bull Racing-Star hat einen tollen Lauf: fünf Siege in den vergangenen sechs Rennen!

Der Zwischenstand in der Fahrer-WM zeigt: Max mit 175 Punkten fast zwei Rennsiege vor seinem Stallgefährten Sergio Pérez (129), dann folgen Ferrari-Fahrer Charles Leclerc (126) und Mercedes-Pilot George Russell (111).

Im Konstrukteurs-Pokal führt Red Bull Racing mit 304 WM-Punkten vor Ferrari (228) und Mercedes-Benz (188). Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat in Montreal zugegeben: «Der WM-Zug ist abgefahren.»

In Kanada erweckt Max Verstappen den Anschein: Am liebsten würde er die Worte «überlegene WM-Führung» oder «komfortable Ausgangslage» nicht in den Mund nehmen.

Der Formel-1-Champion von 2021 sagt: «Ich ändere meine Meinung nicht. Gewiss, der Vorsprung von 46 Punkten auf ’Checo’ ist recht gross, aber ich habe im Laufe meiner Karriere schon ein paar Mal erlebt, wie schnell sich das Blatt wenden kann.»

«Für uns ist in den kommenden Wochen wichtig, dass wir ruhig und konzentriert bleiben. Wir müssen zudem in Sachen Entwicklung den Fuss auf dem Gaspedal behalten, denn Fakt ist – wir hatten in Kanada nicht das schnellste Auto.»

Die Formel 1 wird in atemlosem Tempo durch den Juli stürmen: Nach den Rennen von Baku und Montreal innerhalb von acht Tagen können die Fachkräfte der zehn GP-Rennställe einmal durchatmen, aber dann geht es Schlag auf Schlag weiter – Silverstone und Red Bull Ring, erneut innerhalb von acht Tagen, dann eine Woche Pause, es folgen die Rennen in Le Castellet und auf dem Hungaroring, auch sie unmittelbar aufeinander folgend.

Max Verstappen weiss: «Ungeachtet des WM-Zwischenstands geht das zwischen uns und Ferrari hin und her. In Baku waren wir im Grand Prix schneller, in Montreal war Ferrari im Rennen sehr stark.»

Den grössten Respekt aber hat Max Verstappen vor einem Hindernis auf dem Weg zum Titel, das weder Leclerc noch Sainz, weder Ferrari noch Pérez heisst – sondern Zuverlässigkeit.

Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner im Fahrerlager des Circuit Gilles Villeneuve: «Bei aller Freude über das grandiose Rennen von Max machen wir uns Sorgen über den Ausfall von Sergio Pérez. Er ist jetzt wie Max zwei Mal ausgefallen, und wir haben noch nicht mal die Hälfte der Saison hinter uns. Dieser Ausfall hat gezeigt: Wir schreiben in dieser Saison keinen Gegner ab, so lange wir die Standfestigkeit nicht im Griff haben.»

Gleicher Ansicht ist Red Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko. Der 79-jährige Österreicher sagt: «Das Getriebe von Sergio hatte bereits eine gewisse Laufleistung, aber es hätte eigentlich das Rennen in Kanada überstehen sollen. Wir müssen das prüfen, aber wir schliessen nicht aus, dass es sich um einen Folgeschaden von Pérez’ Unfall im Qualifying handelt.»

«Wohl fühlt man sich nach dem Ausfall eines Autos natürlich nicht, aber wir haben dann die Temperaturen im Wagen von Verstappen noch aufmerksamer beobachtet, aber unsere Fachleute gaben da Entwarnung.»

«Mehr Sorgen haben uns die Bremsen gemacht, die waren in Sachen Temperatur im ersten Rennteil am Limit, aber zum Schluss, als Max wirklich alles aus dem Wagen herausholen musste, um Sainz hinter sich zu halten, ist zum Glück alles gut gegangen.»

Der Le Mans-Sieger von 1971 weiss: «Ich kann mich daran erinnern, wie Max im vergangenen Jahr in dieser Phase auch drei Rennen in Folge gewonnen hat, danach lag er 32 Punkte vor Hamilton in WM-Führung. Dann aber kamen der Ausfall in England und der neunte Platz in Ungarn, und schon lag Max acht Punkte hinter Hamilton. In nur zwei Rennen war also der ganze Vorsprung dahin.»

«Die Autos sind ja sehr steif abgestimmt, und wir haben den Piloten mit auf den Weg gegeben, im ersten Rennteil vorsichtig zu sein, was das Räubern über die Randsteine angeht. Aber wenn eine Rennsituation wie gegen Sainz entsteht, musst du Max nichts mehr sagen, beide Piloten sind sichtbar hart über die Kerbs gefahren, weil sie beide alles aus dem Wagen herausholten.»

Was dem Grazer Mut macht: «Wir arbeiten ständig daran, den Wagen leichter zu machen. Wir glauben, dass wir da mehr Entwicklungsspielraum haben als Ferrari, also versprechen wir uns von diesem Abspecken zusätzlichen Speed.»

Zwischenbilanz von Dr. Marko: «Im Moment passt alles, Max fährt in der Form seines Lebens, wir zeigen auch strategisch gute Rennen, und in Sachen Boxenstopps gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Das erzeugt im Team eine richtige Elektrizität, und die spürst du in der Box.»

«Doch wir ruhen uns bestimmt nicht aus, und wir dürfen auch nicht vergessen, dass in Kanada Mercedes phasenweise schneller gewesen ist als wir und Ferrari. Silverstone wird Mercedes noch besser liegen als Montreal.»


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